Ute Engelen

Die betriebliche Sozialpolitik von Volkswagen und Peugeot von 1944 bis 1979

Das Promotionsvorhaben erforscht am Beispiel von Volkswagen und Peugeot den Wandel der Erscheinungsformen, der Funktionen und der Auswirkungen betrieb¬licher Sozialleistungen in der Nachkriegszeit. Vergleichend wird untersucht, wie stark bestimmte Akteure wie die Werksleitung, der Betriebsrat, der Aufsichtsrat, die Gewerkschaften, die Arbeitnehmer oder der Staat unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Machtposition die betriebliche Sozialpolitik der Nachkriegszeit bis Ende der 1970er Jahre geprägt haben und welche Rolle strukturelle Faktoren wie die konjunkturelle, finanzielle und soziale Lage sowie gesellschaftliche Einstellun¬gen gespielt haben. Im Gegensatz zur betrieblichen Sozialpolitik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurde die Sozialpolitik der Unternehmen nach 1945 in der geschichtswissenschaftlichen Forschung bisher kaum in den Blick genommen. Da sich aber diese betrieblichen Maßnahmen durch die Expansion der staatlichen Sozialpolitik, das Ansteigen des Lebensstandards und verschiedene gesellschaftliche Entwicklungen merklich veränderten und die Nachkriegszeit mit ihrer wechselvollen wirtschaftlichen Lage besonders geeignet ist, die Einflussfaktoren der betrieblichen Sozialleistungspolitik zu untersuchen, soll das Dissertationsprojekt zur Erschließung dieses Forschungsfeldes beitragen.
Während die Einführung, der Ausbau sowie die Abschaffung von Sozialleistungen vor 1945 von den Entscheidungen der Unternehmer geprägt waren, wird die Sozialpolitik in der Nachkriegszeit zunehmend unter Einflussnahme von Gewerkschaften und staatlichen Stellen zwischen der Unternehmens- bzw. Werksleitung und den gesetzlich gestärkten Be¬triebsräten ausgehandelt. Form und Umfang der betrieblichen Leistungen werden an Faktoren wie die jeweilige Situation des Betriebes, der Arbeitnehmer und ihrer Bedürfnisse, die wirtschaftliche Lage und die staatliche Sozialpolitik angepasst. In Deutschland kommt es zu einer verstärkten Kooperation der Sozialpartner, die sich in einer geringen Streikrate niederschlägt, während in Frankreich die Arbeitnehmer gerade mit Hilfe von Streiks Zugeständnisse in der Lohn- und Sozialpolitik erringen. In beiden Ländern unterliegt die betriebliche Sozialpolitik einer Verrechtlichung durch Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge und Gesetze, was ihren freiwilligen Charakter einschränkt.
Die im Untersuchungszeitraum als "sozial" anerkannten Unternehmen Volkswagen und Peugeot wurden u.a. ausgewählt, weil betriebliche Sozialleistungen für sie aufgrund der Lage ihrer Hauptwerke in relativ gering bevölkerten Gebieten eine ähnlich wichtige Rolle spielten. Mit Hilfe des deutsch-französischen Vergleichs kann der Einfluss unterschiedlicher Rahmenbedingungen auf die Sozialpolitik ermittelt werden. Durch die Wahl eines Branchenvergleichs, der supranationale Gemeinsamkeiten innerhalb eines Industriezweiges aufzeigt, wird eine Überbewertung der nationalen Besonderheiten vermieden. Die empirische Grundlage des Projektes bilden im Wesentlichen Akten des Personal- und Sozialwesens, der Geschäftsleitung, des Aufsichtsrats und der Betriebsräte sowie Werkszeitungen, so dass die betriebliche Sozialpolitik aus verschiedenen Perspektiven nachvollzogen werden kann.




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