Adrian Tovar Simoncic
Religiöse Identität, Sozialstruktur, Transnationalität: Die Strategien der lateinamerikanischen Pfingstbewegung am Beispiel Guatemalas
Anhand des Falles von Guatemala wird das weite Spektrum von sozial differenzierten Pfingstkirchen in Lateinamerika erforscht.
Dabei werden sowohl die akteursbezogene Aspekte als auch die sozialstrukturellen Bedingungen der Bewegung berücksichtigt.
Ziel des Dissertationsprojekts ist, Identitätsbildung, Identitätspolitiken und Transnationalisie-rungsprozesse anhand der
Rekonstruktion der praktischen Logik von den involvierten Akteuren zu erfassen. Das Dissertationsprojekt ist unmittelbar mit
dem oben beschriebenen Forschungslinien verknüpft.
Das seit den 60er Jahren anhaltende Wachstum der Pfingstbewegung in Lateinamerika (und weltweit), seine Anpassungsfähigkeit an
lokalen kulturellen Kontexten mit der daraus resultierenden Heterogenität der Akteure, und seine Auswirkungen im religiösen sowie
im politischen Feld stellen, trotz der bereits vorliegenden Studien, sich immer weiter entfaltende Herausforderungen im Bereich
der religionssoziologischen Forschung auf. Pfingstler sind in der Regel äußerst aktive Mitglieder ihrer Religionsgemeinschaften
und Handeln in den verschiedenen Feldern des sozialen Raumes wesentlich von ihrem religiösen Habitus orientiert. Die Frage nach der
Funktion von Religion rückt somit ins Zentrum eines wissenschaftlichen Verständnisses von den aktuellen sozialen, kulturellen,
wirtschaftlichen und politischen Umwälzungen in Lateinamerika. Guatemala ist dabei eindeutig ein Schlüsselfall. In der stark
ungleichen guatemaltekischen Gesellschaft werden in diesem Dissertationsprojekt Pfingstkirchen aus dem ganzen sozialen Spektrum
untersucht. Auf der Grundlage der Theorie von Pierre Bourdieu wird de praktische Logik der religiösen Akteure empirisch untersucht
und eine Habitusanalyse durchgezogen. Dazu wird aus methodischer Sicht das von Heinrich Schäfer entwickelte Netzwerkmodell zur
Habitusanalyse zur Geltung gebracht. Ein weiterer Schwerpunkt der Dissertation sind die transnationalen Vernetzungen verschiedener
Art, die in der Pfingstbewegung zunehmend auftreten. Hierfür wird die Theorie von Manuel Castells zur "Networksociety" herangezogen.
Ziel der Dissertation ist, durch die Habitusanalyse die strategische Dimension religiöser Identitätsbildung und Identitätspolitik zu
erfassen, sowie die Rolle vom Zugang zu transnationalen Handlugsräumen zu Bestimmen. Dabei bleibt stets die Herausforderung der
inneren Vielfalt der Pfingstbewegung Rechnung zu tragen.
Profilseite von Adrian Tovar Simoncic am
"Center for interdisciplinary research on religion and society"

