Bernd Giesen

Protonationale Topographien? - Die Landesbeschreibungen und Karten der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1480-1580.

In den Jahren 1480 bis 1580 setzte in der Schweizerischen Eidgenossenschaft ein Produktionsschub von topographischen Landesbeschreibungen und Karten ein. Das Karten- und Beschreibungsmaterial entstand im Kontext der allmählichen Ausbildung einer protonationalen Identität innerhalb der eidgenössischen Herrschafts- und Bildungselite infolge gemeinsamer Eroberungen, innerer kriegerischer Konflikte (Alter Zürichkrieg) und militärischer Auseinandersetzungen mit Burgund und dem Reich. Im Rahmen der Identitätsbildung konstruierten die Schweizer Humanisten eine eigene Gründungs- und Befreiungsgeschichte (Wilhelm Tell).

Nach der zentralen Forschungshypothese des Projektes erfolgte jedoch zeitgleich mit der Erfindung einer historischen Eigenständigkeit und Differenz zum Alten Reich - und weitgehend durch dieselben humanistischen Trägergruppen - die soziale Konstruktion eines distinktiven, vom Reich und Europa gesonderten geographischen Raumes. Das Projekt fragt erstens nach den Ordnungskonzepten und Raumvorstellungen, die das topographische Karten- und Beschreibungsmaterial der Alten Eidgenossenschaft organisierten bzw. gliederten, zweitens nach der Funktion und Verbreitung dieser protonationalen Raumvorstellungen und drittens nach den Besonderheiten und Gemeinsamkeiten der schweizerischen Karten- und Beschreibungsproduktion im europäischen Vergleich.




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