Björn Lück
"1968" in den Zeitungsredaktionen? Konkurrenzkämpfe um Klassifikationsschemata und Partizipationschancen
Pressefreiheit ist ein zweischneidiges Schwert: in der einen Stoßrichtung soll Presse - grundgesetzlich verankert - gegen Eingriffe von außen, in der anderen - und so forderten es Redakteure seit Beginn des 20. Jahrhunderts - gegen Eingriffe von innen immunisiert werden. Die Idee einer der äußeren gleichwertigen, jedoch gesetzlich bis heute nicht geregelten inneren Pressefreiheit zielt primär auf die Beseitigung der verlegerischen Richtlinienkompetenz, innerhalb derer Verleger bzw. Herausgeber den Druck journalistischer Artikel in ihrem Blatt untersagen können. Redaktionelle Proteste gegen weit gefasste Verlegerkompetenzen kulminierten Ende der 1960er Jahre vor dem Hintergrund der massiven Pressekonzentration sowie der 68er Bewegung. In Teilen der Presse (Tages- und Wochenzeitungen, Rundfunk) versuchten redaktionelle Statutenbewegungen, Mitspracherechte - beispielsweise in Personalfragen - sowie die Begrenzung der verlegerischen Richtlinienkompetenz mit der Verlegerseite vertraglich zu vereinbaren. Ziel der Fallstudie ist es, mediensoziologisch und feldtheoretisch unterfüttert im transnationalen Vergleich (Westdeutschland und Frankreich) anhand ausgewählter Zeitungen (Spiegel, Zeit, Tageszeitung; Le Monde, Nouvel Observateur, Figaro, Libération) die Auseinandersetzungen und Argumentationsstrategien um die Frage innerer Pressefreiheit zu untersuchen, sowie den vielschichtigen Konnex zwischen Statuten- und 68er Bewegung zu entschlüsseln. Insofern versteht sich die Fallstudie sowohl als Beitrag zur historischen 68er- als auch zur Medienforschung.

