Christian Damm
Die Persistenz der Gleichzeitigkeit von Verschweigen und Sprechen: Erinnerungen an den Holocaust in der Bundesrepublik Deutschland 1958-1989
Das Dissertationsprojekt rekonstruiert den Umgang mit dem Holocaust in verschiedenen regionalen Teilöffentlichkeiten in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1950 und 1989. Zudem setzt es diese zu den Ergebnissen bisheriger Studien vergleichend in Beziehung, deren Fokus sich im Wesentlichen darauf beschränkt, auf der Ebene des "Höhenkamms" geführte, massenmediale Elitendiskurse zum Thema Holocaust zu analysieren. Diese fehlende Differenzierung gleicht die angestrebte Dissertation durch eine Unterfütterung bisheriger Erkenntnisse mit einer regional vergleichenden Analyseperspektive und einer grundlegend erweiterten Quellenbasis aus. Neben der Frage nach spezifischen Formen der Erinnerung an den Holocaust in der Bundesrepublik Deutschland werden insbesondere vier Fragekomplexe fokussiert:
1.) Muss mit Blick auf die bundesrepublikanische Erinnerung an den Holocaust von einer, durch aufeinanderfolgende Phasen des kollektiven Schweigens und Thematisierens gekennzeichneten Form oder nicht vielmehr von einer Pluralisierung des Umgangs mit dem Holocaust nach 1945 ausgegangen werden?
2.) Lassen sich für den Umgang mit dem Holocaust bzw. für Formen von Erinnerung im Allgemeinen wesentliche, langfristige Strukturmerkmale identifizieren?
3.) Inwieweit kann massenmedial-elitäres Erinnern einer Vergangenheit als repräsentativ für die Erinnerungsformen weiter Teile einer Bevölkerung angenommen werden?
4.) Lassen sich auf der Grundlage der Analyse des Umgangs mit dem Holocaust grundlegende Aussagen über die generelle Reichweite massenmedialer Öffentlichkeit treffen?
Die Beantwortung dieser Fragen verspricht einerseits eine neue und differenziertere Lesart des Umgangs mit dem Holocaust in der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft. Andererseits eröffnet der Vergleich von lokalen und massenmedial-elitären Formen der Erinnerung an den Holocaust neue, über diesen Einzelfall hinausweisende Erkenntnisse sowohl über den Einfluss massenmedial-elitärer (Vergangenheits-)Diskurse auf das Handeln und die Kommunikation weiter Bevölkerungsteile als auch bezüglich wesentlicher strukturbildender Elemente von Erinnerung.
Supervisors
PD Dr. Jörg Requate
Prof. Dr. Thomas Welskopp
Curriculum Vitae
Berufliche Tätigkeiten
- seit Juli 2008
- Koordinator Geschichtswissenschaft und Schule der Bielefelder Abteilung Geschichtswissenschaft
- Tätigkeitsbereiche u.a.:
- Entwicklung, Durchführung und Evaluation von Studienorientierungsprogrammen für Studieninteressierte,
- Organisation und Koordination von Kooperationen zwischen der Bielefelder Abteilung Geschichtswissenschaft und weiterführenden Schulen sowie Studienseminaren in NRW, Hessen und Niedersachsen,
- Organisation und Durchführung von Informationsveranstaltungen rund um das Studium der Geschichtswissenschaften,
- Entwicklung und Betreuung von Online-Informationsportalen mit Schwerpunkten Studium und Geschichtsunterricht.
- seit Oktober 2009
- Durchführung von Lehrveranstaltungen in den fachwissenschaftlichen und Lehramtsstudiengängen Geschichtswissenschaft (BA/MA) in den Bereichen 'Geschichte moderner Gesellschaften', 'Geschichtsdidaktik' und 'Schreiben im Studium'
- seit April 2009
- Promotionsstudent an der Bielefeld Graduate School in History and Sociology
- Betreuer: PD Dr. Jörg Requate, Bielefeld; Prof. Dr. Willibald Steinmetz, Bielefeld
- April 2002-Juni 2008
- Studium der Geschichts-, Sozial- und Erziehungswissenschaften an der Universität Bielefeld, abgeschlossen mit Auszeichnung am 6. Juni mit dem Ersten Staatsexamen für die Lehrämter der Sekundarstufen I und II
- Examensarbeit: "Gewalt als legitimes Mittel politischer Auseinandersetzungen? Diskussionen zu 'Staat', RAF und autonomen Gruppierungen in der taz 1978-1998" (Gutachter: PD Dr. Jörg Requate und Prof. Dr. Willibald Steinmetz)
- Juli 2009
- Redaktionelle Endbetreuung der Dissertationsschrift
- von Dr. Andreas Leutzsch, Bielefeld
- Titel: "Geschichte der Globalisierung als globalisierte Geschichte: Die historische Konstruktion der Weltgesellschaft bei Rosenstock-Huessy und Braudel"
- Frankfurt a.M. 2009: Campus-Verlag
- seit Oktober 2008
- Redaktionelle Betreuung der Dissertationsschrift
- von Dr. Vito Gironda, Bielefeld
- Titel: "Die Politik der Staatsbürgerschaft. Deutschland und Italien im Vergleich 1800-1914"
- Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (erscheint vorauss. im November 2009)
- März 2008-Oktober 2008
- Redaktionelle Betreuung der Habilitationsschrift
- von PD Dr. Jörg Requate
- Titel: "Der Kampf um die Demokratisierung der Justiz. Richter, Politik und Öffentlichkeit in der Bundesrepublik"
- Frankfurt a.M., 2008: Campus-Verlag
- seit Februar 2006
- Ehrenamtliche Mitarbeit
- in der Offenen Ganztagsbetreuung der Bückardtgrundschule Bielefeld
- Oktober 2005-Juni 2008
- Studentische Hilfskraft und Tutor
- an der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie
- Juli 2005-Dezember 2005
- Studentische Hilfskraft
- an der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie
- Forschungsprojekt: "Auf dem Weg in eine friedfertige Gesellschaft: Der Ausstieg aus dem Terrorismus und seine Bedingungen"
- Teilbereich: Deutscher Linksterrorismus
- Leitung: Prof. Dr. Heinz-Gerhard Haupt, Florenz; PD Dr. Jörg Requate, Bielefeld
- 2003-2006
- Durchführung von insgesamt sechs eigenen Unterrichtsreihen in den Fächern Geschichte und Sozialwissenschaften in den Jahrgangsstufen 6,7,9,11 und 12 im Rahmen von Schulpraktika

