Christian Sammer
Objekte des Körpers.
Repräsentationen von Krankheit und Gesundheit im deutsch-deutschen Vergleich anhand des Deutschen Hygiene-Museums Dresden und des Deutschen Gesundheitsmuseums / der BZgA 1946-1991
Am Anfang des 20. Jahrhunderts markierte die Gründung des Deutschen Hygiene-Museums (DHMD) einen bedeutenden Markstein im Hygiene-Diskurs,
der im Laufe des 19. Jahrhunderts breite Popularität erlangt hatte. Ob eine zivilisationskritische Renaissance antiker Diätetik im Sinne
der Lebensreform- und Naturheilbewegung oder die Entdeckung des Bakteriums, das im Unsichtbaren des Körpers und im chaotischen Miteinander
der Menschen Krankheiten und Epidemien produzierte - beide Richtungen repräsentieren eine damals virulente Sorge um die Gesundheit
der Individuen und der Bevölkerung.
Das DHMD verstand sich in diesem Zusammenhang als zentrale und innovative Instanz einer populären Gesundheitsaufklärung und -erziehung.
Und als solche wurde es national wie international anerkannt. Georg Seiring, geschäftsführender Direktor von 1916 bis 1947, und Franz
Tschackert, der Präparator Gläsernen Menschen Verantwortung zeichnete, bauten in der Nachkriegszeit in Köln das Deutsche Gesundheitsmuseum
(DGM) auf. Als funktionale westdeutsche Gegengründung konzipiert ging das Museum 1967 in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
(BZgA) auf. Das DGM und das DHMD beobachteten sich nicht nur gegenseitig, sondern konkurrierten miteinander auch um Prestige
und Absatzmöglichkeiten ihrer Produkte. Selbst bis in die internationalen Beziehungen (Entwicklungspolitik,
Anerkennung als WHO-Kooperationspartner) der BRD und der DDR kann man diese Konkurrenzsituation nachzeichnen.
Die Tätigkeit beider Einrichtungen stellt damit eine Facette der "verflochtenen deutsch-deutschen Parallelgeschichte" (Kleßmann 2005) dar.
Diese möchte ich anhand beider Einrichtungen der Gesundheitserziehung in meiner Dissertation rekonstruieren. Dafür sollen die Objekte
des Museums einer genauen Untersuchung unterzogen werden. Sie werden dafür verstanden als Repräsentationen eines Wissens um Krankheit
und Gesundheit, anhand derer die vielfältigen und wechselhaften Austauschbeziehungen zwischen Öffentlichkeit, Wissenschaft und Politik
erschlossen werden.
CV
- Seit Oktober 2010
- Assoziiertes Mitglied im Graduiertenkolleg "Auf dem Weg in die Wissensgesellschaft" am Institut für Wissenschafts- und Technikforschung der Universität Bielefeld; Mitglied in der "Bielefeld Graduate School in History and Sociology"
- August bis September 2010
- Praktikum in der Abteilung 2, Referat 21 "Grundsatzfragen der Gesundheitspolitik" des Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg
- März 2007 bis Dezember 2009
- Studentische Hilfskraft beim vom BMBF geförderten Projekt "Das präventive Selbst. Geschichte präventiver Gesundheitspolitik" am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (Prof. Dr. Martin Lengwiler, PD Dr. Dieter Gosewinkel, Dr. Jeannette Madarász)
- Juli bis Oktober 2006
- Studentische Hilfskraft am Zentrum für zeithistorische Forschungen Potsdam (Prof. Dr. Thomas Lindenberger, Dr. Lars Karl und Dr. Patrice Poutrus)
- November 2004 bis Dezember 2008
- Redaktionsmitglied beim Magazin "diefacette"
- Oktober 2002 bis Dezember 2009
- Magisterstudium der Geschichts- und Politikwissenschaften sowie der Soziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Arbeit über Krankheitsprävention in der BRD seit den 1950er Jahren
- September 2001 bis Juni 2002
- Zivildienst in der Tagespflegestation der "Diakonie Nürnberg-Mögeldorf"
- September 1992 bis Juni 2001
- Pirckheimer - Gymnasium Nürnberg
-

