Kim Futh
Quintus Tullius Cicero - Leben und Karriere eines adligen Aufsteigers in der späten Römischen Republik
Die späte Römische Republik ist generell äußerst gut erforscht, übergreifende Fragen wie die nach den Ursachen für den Untergang
der Republik und die Errichtung des Principats fanden stets das Interesse der Forschung, auch die wichtigsten Akteursgruppen
(Nobilität, Ritter, stadtrömische Plebs) sowie die so genannten "großen Einzelnen" wie Marius, Sulla, Pompeius und Caesar wurden
und werden häufig untersucht. Deutlich weniger widmete man sich jedoch den Leuten "aus der zweiten Reihe", vor allem den Mitgliedern
der in den Senat aufsteigenden, ehemals ritterlichen Munizipalaristokratie. Damit verkennt man jedoch deren wichtige Rolle als Legaten
und Provinzstatthalter, die zur äußeren Stabilität des römischen Weltreiches entscheidend beitrug, als dieses im Zentrum durch die Machtkämpfe
der großen Einzelnen erschüttert wurde. Diese Arbeit versucht diese Forschungslücke zu füllen, indem sie sich der Analyse von Karrieremustern
solcher Personen, ihren Beziehungen zur Nobilität und den Handel treibenden Rittern, ihren militärischen und administrativen Aufgaben
in den Provinzen, ihren politischen Zielen und Strategien sowie ihrer Einbindung in das Gesamtgefüge der Republik widmet.
Konkret soll dies zunächst über die Behandlung der Person des Quintus Tullius Cicero, den Bruder des bekannten Redners Marcus,
als Vertreter der besagten Schicht geschehen, da seine Laufbahn und seine politischen Ziele durch die enorme schriftstellerische Tätigkeit
seines Bruders sowie entsprechende Korrespondenzen zwischen beiden vergleichsweise gut belegt ist. Die so gewonnenen Ergebnisse sollen
schließlich in Vergleich zu Karrieren anderer Angehöriger des Munizipaladels gesetzt werden, um über den biographischen Zugriff hinaus
zu allgemeinen Aussagen zu kommen.

