Ulf Ortmann
"They weave themselves into the fabric of everyday life." Ubiquitous Computing in der Arbeitswelt
Die Vision des Ubiquitous Computing setzt an einem tiefgreifenden technologischen Wandel an. Nach Mark Weiser,
dem Ahnherr des Ubiquitous Computing, wird uns Technik fortan weniger in Gestalt mächtiger Dampfwalzen und schwer zu
bedienender PCs begegnen. In Zukunft werde Technik vielmehr in Form kleiner Assistenten in Erscheinung treten, die im Hintergrund
sozialer Wirklichkeit unauffällig ihren Dienst tun: "The most profound technologies are those that disappear. They weave themselves
into the fabric of everyday life until they are undistinguishable from it."
Tatsächlich kommt heute mit RFID eine Technik des Ubiquitous Computing in mannigfaltigen Zusammenhängen des Arbeitsalltags zum Einsatz.
In der Logistik, in Bibliotheken, im Einzelhandel und beim Militär werden Gegenstände über winzige Funketiketten automatisch
identifiziert und elektronisch weiterverarbeitet. Folgerichtig hat das Ubiquitous Computing ebenso technikwissenschaftliche
wie politische Debatten entfacht: kann oder soll jeder Gegenstand der physischen Welt Teil des Internets werden?
Hoffnungsvolle Visionen vom "Internet der Dinge" wie Horrorszenarien von der "Stasi 2.0" sind gleichermaßen von
der Vorstellung getragen, dass mit RFID technokratische Umwälzungen zu erwarten sind - Rationalisierung einfacher Lagerarbeit,
Überwachung von Warenströmen hin zum "gläsernen Kunden", Bewegungsprotokolle von Beschäftigten, Bahnkunden und Staatsbürgern usf.
Ausgangshypothese des Dissertationsprojekts hingegen ist, dass mit dem Einsatz von RFID weniger eine planvolle Revolution
der Arbeitswelt, als vielmehr ein schleichender Prozess sanfter Arbeitsstrukturierung zu erwarten steht.
Auf der Grundlage videogestützter Ethnografie soll gezeigt werden, wie RFID einerseits zu einer prägenden
Agentur soziotechnischer Konstellationen wird, die soziale Wirklichkeit aber andererseits nicht im Vollzug
technokratischer Vorstellungen aufgeht.

