Hintergrundwissen

Überblick:
  • Hintergrundinformationen, die die Relevanz des Projektes verdeutlichen sollen.
  • Warum jeder Ersthelfer werden sollte und warum das bisher nicht so ist.
  • Warum Reanimation in der Schule gelernt werden sollte.


Bei Patienten, die einen "plötzlichen Herztod" (Herz-Kreislauf-Stillstand) erleiden, gerät der reguläre Herzrhythmus aus dem Takt und die Pumpfunktion kommt zum Erliegen. Der Patient ist "klinisch tot".

Ein Herz-Kreislauf-Stillstand kann viele Ursachen haben, die oftmals mit dem Kreislaufsystem und dem Herzen zusammenhängen. Er ereignet sich allerdings ohne Vorwarnung und kann alte Menschen ebenso treffen wie junge, gesunde wie solche mit Vorerkrankungen. Kennzeichen sind der plötzliche Zusammenbruch mit Bewusstlosigkeit, keine oder komische Atmung und oft eine Blaufärbung der Haut. Einzige lebensrettende Soforthilfe: Die Herzdruckmassage (auch: Thoraxkompression) mit Beatmung.

Das "Ersthelfer-Fenster": Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand entscheiden die ersten Minuten

Die Projektidee liegt der wissenschaftlich und empirisch nachgewiesenen Tatsache zugrunde, dass sofortige "Laienreanimation" durch beistehende Zeugen die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand um das Zwei- bis Dreifache erhöht (Nolan et al. 2010). Dies ist darin begründet, dass der professionelle Rettungsdienst meist etwa 8 Minuten bis zum Eintreffen am Notfallort benötigt, jedoch bereits nach 3 Minuten erste neurologisch irreparable Nervenschädigungen im Gehirn (verursacht durch Sauerstoffmangelversorgung) auftreten (vgl. Abbildung). Auch das Herz kann weiteren Schaden erleiden. Die Chancen einer erfolgreichen Reanimation verschlechtern sich.



Die Abbildung zeigt den Zusammenhang zwischen Sauerstoffmangel und der vergangenen Zeit nach dem Herz-Kreislauf-Stillstand bis zur Ankunft des Rettungsdienstes.

Ersthelfer im Notfall sind in der Unterzahl

Die Laienreanimationsquote in Deutschland liegt gemäß Schätzungen bei 15% (Gräsner et al. 2012) bis 30% (Breckwoldt 2009). In anderen Staaten Europas konnten Programme zur Maximierung der Ersthelferversorgung die Quote maßgeblich steigern (z.B. in Schweden oder Dänemark auf 70%). Eine Steigerung der jährlichen Überlebensrate von 12% auf 36% durch die Verbesserung der Ersthelfer- oder Laienreanimation könnte bedeuten, dass in Deutschland 15.000 Menschenleben zusätzlich gerettet werden können.

Die Gründe von Laien-Ersthelfern, die dazu führen, im Falle eines Herzstillstandes nicht zu helfen, sind vielfältig (aus einer Studie für Deutschland von Gräsner et al. 2012):



Reanimationsausbildung als Unterrichtsthema in der Schule

Um mit geschulten Ersthelfern eine Flächendeckung für ebensolche Reanimationssituationen zu schaffen und Unsicherheit, falsche Vorstellungen und Befürchtungen abzubauen, reichen freiwillige Angebote und der einmalige Erste-Hilfe-Unterricht beim Führerscheinerwerb nicht aus. Daher bietet sich eine frühe, dauerhafte und sinnstiftende Implementierung dieser Gesellschaftsaufgabe in dem Schul- bzw. Fachunterricht an. In einem Notfall Hilfe zu leisten, hat viel mit Kompetenzen sozialer Verantwortung und einem altruistischen Gesellschaftsverständnis zu tun – Elemente, die dem „lebenslangen Lernen“ zuzurechnen sind und als allgemeines Kulturgut in der Schulbildung verortet sein sollten. Folgende Überlegungen stützen diese Idee (vgl. dazu Breckwoldt & Kreimeier 2013):

  • Im Schulunterricht werden alle Bevölkerungsschichten erreicht
  • Verantwortungsbewusstsein kann frühzeitig verankert werden
  • Instruktionsqualität ist höher (Kinder stehen Lernprozessen positiver gegenüber und bei Lehrern und Lehrerinnen kann eine gute didaktische Ausbildung ohne weitere Schulungsmaßnahmen vorausgesetzt werden.)
  • Stufenweiser Aufbau von Kompetenzen ist nötig und während der Schulzeit umsetzbar
  • Verknüpfung mit schulischen Themen ist möglich
Schülerinnen und Schüler können - dazu gibt es bereits zahlreiche Untersuchungen (u.a. Lukas et al. 2016; Plant/Taylor 2013; Bohn et al. 2012; Rücker et al. 2010; Jones et al. 2007) – ab dem Grundschulalter Notruf und Druckmassage bereits erlernen, ab einem Alter von 13 Jahren (Jahrgangstufe 7/8) erreichen sie die notwendige Drucktiefe. Die Voraussetzungen für Reanimation als Bestandteil des Schulunterrichts sind damit gegeben.

Literatur:

Bohn, A., Van Aken, H., Möllhoff, T. et al. (2012): Teaching resuscitation in schools: annual tuition by trained teachers is effective starting at age 10. A four-year prospective cohort study. Resuscitation 83, S. 619-625.

Breckwoldt, J., Kreimeier U. (2013): Ausbildung von Schülern zu Ersthelfern bei der Reanimation. Notfall Rettungsmed 16, S. 356-360.

Breckwoldt, J. (2009): Reanimationsunterricht in Schulen. Ein Weg zur Verbesserung der Reanimationsergebnisse? Notfall Rettungsmed 12, S. 347-353.

Gräsner, J-T., Wnent, J., Gräsner, I. et al. (2012): Einfluss der Basisreanimationsmaßnahmen durch Laien auf das Überleben nach plötzlichem Herztod. Notfall Rettungsmed 15, S. 593-599.

Jones, I., Whitfield, R., Colquhoun, M. et al. (2007): At what age can schoolchildren provide effective chest compressions? An observational study from the Heartstart UK schools training programme. BMJ 334, S. 1201-1203.

Lukas, R.-P., Van Aken, H., Mölhoff, T. (2016): Kids save lives: a six year longitudinal study of schoolchildren learning cardiopulmonary resuscitation: Who should do the teaching and will the effects last? Resuscitation 101, S. 35-40.

Nolan JP et al.: Kurzdarstellung: Sektion 1 der Leitlinien zur Reanimation 2010 des European Resuscitation Council. Notfall Rettungsmed 2010 (13), S. 515–522.

Plant, N., Taylor, K. (2013): How best to teach CPR to schoolchildren: A systematic review. Resuscitation 84, S. 415-421.

Rücker, G., Schubert, J., Scheeren, T. et al. (2010): Ab der siebten Klasse sinnvoll. Wiederbelebungsunterricht bei Schülern. Dtsch Arztebl 107 (11), S. 492-493.

Links:

Wichtige Initiativen, Projekte und Verbände finden Sie hier:




www.einlebenretten.de            www.wiederbelebung.de            www.grc-org.de/



 
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