Heimische Trematodenfauna


Der Raum Ostwestfalen-Lippe zeichnet sich durch eine geringe Anzahl von Kleingewässern und das völlige Fehlen von Großgewässern aus. Diese für Trematoden zunächst ungünstig erscheinenden Rahmenbedingungen (ein Teil ihrer Entwicklung findet zumeist in limnisch lebenden Schnecken statt, der andere häufig in Wasservögeln) nahmen wir 1997 erstmalig zum Anlass die heimische Trematodenfauna zu untersuchen. Überraschenderweise zeigte sich jedoch, dass aus Bielefelder Kleingewässern entnommene Schnecken der Gattungen Lymnaea, Planorbarius, Radix, Anisus und Physa mit einer Vielzahl verschiedener Trematoden infiziert sind und dies zum Teil mit einer erstaunlich hohen Prävalenz. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden mehr als 25 verschiedene Cercarien gefunden, darunter auch die als Erreger der Cercariendermatitis bekannten Cercarien von Trichobilharzia ocellata. Die Identifizierung der jeweiligen Trematodenspezies anhand von Cercarien ist ausgesprochen schwierig und nur im Ausnahmefall bis zur Art möglich (siehe unten). Weiterhin ist die Unterscheidung nah verwandter Arten nur bedingt bis gar nicht möglich, was eine wesentlich höhere Artenzahl nahe liegend erscheinen lässt. Eine nähere Beschreibung der bisher gefundenen Cercarien und ihre entsprechenden Wirtschnecken finden Sie in unserer Cercarien-Galerie.




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Cercarien-Galerie




Zur Entwicklung von Trematoden


Charakteristisch für den Entwicklungskreislauf von Trematoden ist ein Wirtswechsel zwischen Wirbeltieren, in denen die Adulten leben, und Mollusken. Im Wirbeltier findet dabei die sexuelle Vermehrung statt, die zur Produktion von Eiern führt. Die Eier enthalten das erste Larvalstadium der Trematoden, das Miracidium. Seine Aufgabe besteht darin den nächsten Wirt aufzusuchen und seine Infektion herbeizuführen. Im Falle eines aquatischen Entwicklungszyklus versucht das Miracidium aktiv schwimmend eine geeignete Wirtschnecke und dringt über die Haut in sie ein. In der Schnecke entwickelt sich daraufhin aus dem Miracidium die sogenannte Muttersporocyste in der wiederum Tochtersporocysten bzw. Redien heranwachsen. Diese wandern durch den Körper der Schnecke und siedeln sich zumeist im Bereich der Mitteldarmdrüse und der Sexualorgane an. In ihnen wachsen dann weitere Larvalstadien, die Cercarien, heran. Nach geeignetem Schlupfreiz verlassen diese die Schnecke und schwärmen ins Wasser aus. Ihr Ziel ist es einen geeigneten Endwirt zu finden und zu infizieren. Obwohl das Grundprinzip der Entwicklungszyklen bei allen Trematoden gleich ist, hat sich in Abhängigkeit von den verschiedenen Wirten, eine Vielzahl unterschiedlicher Entwicklungszyklen evolviert. So treten z.B. häufig 2. Zwischenwirte auf, die zunächst von den Cercarien infiziert werden und in denen sich diese zu Wartestadien, den sogenannten Metacercarien, umwandeln. Die Metacercarien gelangen dann durch das Fressen des 2. Zwischenwirtes in den Endwirt.





Zur Untersuchung der Wirtschnecken


Die Untersuchung der Wirtschnecken auf Trematodenbefall ist methodisch einfach und auch im Schulunterricht leicht durchzuführen. Dazu werden gesammelte Schnecken vormittags in geeigneten Gefäßen mit etwas Wasser ausgesetzt und für einige Stunden unter eine Lichtquelle gestellt. Für die Cercarien stellt die Beleuchtung sowie die i.a. ansteigende Temperatur einen Schlupfreiz dar und veranlaßt sie aus der Schnecke auszuschwärmen. Anschließend können infizierte Schnecken leicht unter dem Binokular identifizert werden. Zur weiteren Untersuchung können die Cercarien mittels einer Pasteur-Pipette entnommen und mikroskopiert werden. Zur Färbung kann dabei dem Objektträger bei Bedarf Neutralrot oder Nilblausulfat in verdünnter wässriger Lösung zugegeben werden.



Zur Bestimmung der Cercarien


Der Bestimmung der Cercarien liegen verschiedene Bestimmungsmerkmale zu Grunde. Grob läßt sich zunächst eine Einteilung in verschiedene Cercarientypen treffen. So zeichnen sich Furcocercarien beispielsweise durch eine gegabeltes Schwanzende aus, während für Xiphidocercarien ein Stilett, das sich im Lumen des Mundsaugnapfes befindet, charakteristisch ist. Beide genannten Cercarientypen entwickeln sich innerhalb der Wirtschnecke in Sporocysten. Die auffälligsten Erkennungsmerkmale echinostomer Cercarien sind der mit einem Stachelkranz bewehrte Kopfkragen und die zumeist mit Exkretgranulae angefüllten Hauptsammelkanäle des Exkretionssystems. Bei monostomen Cercarien ist lediglich der Mundsaugnapf ausgebildet, während das Acetabulum fehlt. Amphistome Cercarien zeichnen sich durch einen im Vergleich überdurchschnittlich großen Bauchsaugnapf am hinteren Körperende aus. Die Entwicklung der drei zuletzt genannten Typen innerhalb der Schnecke findet in Redien statt. In einigen Fällen läßt sich aufgrund dieser Merkmale bereits eine grobe systematische Einordnung treffen, in der Regel müssen aber weitere Merkmale beachtet werden. So wird der Typus der Furcocercarie beispielsweise von verschiedenen Trematodenordnungen ausgebildet.
Eine Unterscheidung auf Gattungs- oder Artebene fällt in vielen Fällen ausgesprochen schwer. Nicht zuletzt wird die Bestimmung durch Mehrfachbeschreibungen gleicher Arten von verschiedenen Autoren erschwert. Weiterhin sind etliche Merkmale, wie zum Beispiel Größenangaben, als ausgesprochen variabel und schwer reproduzierbar erkannt worden. Für die unterschiedlichen Cercarientypen werden jeweils verschiedene geeignete Merkmale zur Bestimmung herangezogen. So ist für echinostome Cercarien häufig die Anzahl, Größe und Anordnung der Kragenstacheln charakteristisch. Xiphidocercarien lassen sich anhand von Form und Größe des Stiletts unterscheiden. Neben diesen, sind aber stets weitere Merkmale, wie z.B. Struktur und Lage des Exkretionssystems zu beachten. Weitere wichtige Hinweise zur Artbestimmung kann die Chaetotaxie liefern, bei der nach spezieller Fixierung die Anordnung und Verteilung von Sinneshaaren und -papillen auf der Körperoberfläche begutachtet wird. Trotzdem muss gesagt werden, dass zur Zeit eine Artbestimmung anhand der Cercarien, insbesondere bei nah verwandten Arten, in vielen Fällen unzuverlässig bleibt und prinzipiell erst nach Begutachtung des gesamten Entwicklungszyklus und aller Stadien getroffen werden sollte.





Nähere Informationen zu Bau, Fortpflanzung, Entwicklung usw. von Trematoden finden Sie z.B. in allgemeinen Lehrbüchern der Parasitologie und Zoologie wie:
Schmidt, G.D., Roberts, L.S., Foundations of Parasitology, 6th ed., McGraw-Hill Comp., 2000

Das entsprechende Kapitel über Trematoden dieses Lehrbuchs können Sie hier downloaden Trematoda.pdf 2,2 MB





Kontakt und Feedback zur Seite (zuletzt aktualisiert Aug. 2002):

Christian Fuchs
Christian.Fuchs8@uni-bielefeld.de


Prof. Dr. R. Mannesmann
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