Kurz vorgestellt - was ist Bilharziose?


Die Schistosomiasis (Bilharziose) ist eine Erkrankung, die durch verschiedene humanpathogene Trematoden der Gattung Schistosoma hervorgerufen wird. Nach Schätzung der World Health Organisation (WHO) sind z.Z. mehr als 200 Millionen Menschen an dieser Parasitose erkrankt. Sie führt bei Nichtbehandlung zu lebenslangem Siechtum oder Tod. Zur Zeit leben ca. 500 - 600 Millionen Menschen in 74 Ländern, also ungefähr ein Zehntel der Weltbevölkerung, mit dem Risiko einer Infektion. Die Bilharziose bedroht - wie die meisten Parasitosen - vorwiegend die arme Bevölkerung in unterentwickelten Ländern der dritten Welt.

Da die Krankheit, bedingt durch ihren Entwicklungszyklus, an Gewässer gebunden ist, steht ihre Verbreitung aktuell häufig in Zusammenhang mit Bewässerungsprojekten, insbesondere mit dem Bau von Staudämmen. Als Folge von Bevölkerungswachstum und Migrationsbewegungen läßt sich als weiterer "Trend" ein vermehrtes Vordringen der Krankheit in Städte beobachten.

Man kennt verschiedene humanpathogene Schistosomen-Arten, die an unterschiedliche Zwischenwirte gebunden sind und daher in verschiedenen Regionen der Welt vorkommen.

Art Schistosoma
mansoni
Schistosoma
haematobium
Schistosoma
intercalatum
Schistosoma
japonicum
Schistosoma
mekongi
Zwischenwirt Biomphalaria glabrata
B. alexandrina
B. pfeifferi

u.a.
Bulinus truncatus
Bulinus globosus

u.a.
Bulinus forskali Oncomelania hupensis
u.a.
Tricula aperta
u.a.
Form der Erkrankung Darmbilharziose Urogenitalbilharziose Darmbilharziose Ostasiatische
Darmbilharziose
Darmbilharziose
Endemische Gebiete Südamerika, Karibik, Afrika, Naher Osten Afrika, Naher Osten Gabun, Kamerun, Tschad, Zaire Ostasien,
Südostasien
Indochina
Quelle: Lang, W., Tropenmedizin in Klinik und Praxis, 1996


Bilharziose auch bei uns?


Aufgrund des Fehlens der spezifischen Zwischenwirtschnecken in unseren Gewässern und der niedrig liegenden Jahresdurchschnittstemperatur kann eine Ausbreitung der Krankheit in unseren Breitengraden ausgeschlossen werden. Allerdings besteht für Reisende in tropischen Ländern mitunter ein nicht unerhebliches Infektionsrisiko (für weitere Informationen über die Pathogenese, Prävention und Verbreitung siehe die Internetseiten von Travel Health Online, Medicine Worldwide und des Robert-Koch-Instituts). Allerdings gibt es bei uns Arten der Gattung Trichobilharzia, nahen Verwandten der Schistosomen, die eine vergleichbare Erkrankung von Wasservögeln hervorrufen. Obwohl sich der Parasit im Menschen nicht entwickeln kann, gelingt es den Cercarien in die Haut des Menschen einzudringen, was zu einem juckenden Hautausschlag führt (siehe Trematodenfauna).


Abb.1:
Biomphalaria glabrata. Zwischenwirtschnecke für Schistosoma mansoni
Was wird getan?


Die Schistosmiasis ist eine bekämpfbare Krankheit, wie Beispiele aus Asien und der Karibik zeigen. Allerdings ist für eine erfolgreiche und nachhaltige Kontrolle der Krankheit ein striktes Bekämpfungsprogramm notwendig, das Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen koordiniert. Eine erfolgreiche Bekämpfung umfaßt eine geeignete und nachhaltige Gesundheitserziehung und Aufklärung der Bevölkerung, die Chemotherapie der Erkrankten und eine Bekämpfung der als Zwischenwirte fungierenden Schnecken. Alle Maßnahmen müssen über mehrere Jahre hinweg durchgeführt werden, was nicht unerhebliche finanzielle Mittel voraussetzt. Eine effektive Eindämmung der Krankheit ist daher zur Zeit nur für die reicheren unter den Ländern der dritten Welt finanzierbar.



Exemplarisch für alle Schistosomen-Arten steht der Entwicklungszyklus von Schistosoma mansoni. Nachdem die Eier des im Menschen lebenden Parasiten mit dem Faeces in das Wasser abgegeben wurden, schlüpft dort das bereits fertig im Ei enthaltenene Miracidium. Das Miracidium sucht aktiv eine als Zwischenwirt geeignete Süßwasserschnecke und dringt in sie ein. In der Folge entwickelt sich der Parasit über eine sogenannte Muttersporocysten- und Tochtersporcoysten-Generation zur Cercarie. Sinn und Zweck des Wachstums in der Schnecke ist die zahlenmäßige Vermehrung des Parasiten. Dabei entstehen aus einem einzigen Miracidium einige tausend Cercarien, von denen jede einzelne in der Lage ist, den Menschen zu infizieren. Die Cercarien bewegen sich im Wasser mit Hilfe ihres Gabelschwanzes fort und suchen ihren möglichen Endwirt aktiv auf. Erkennen sie die Haut des Menschen, so dringen sie innerhalb kürzester Zeit in sie ein. Nach einer Wanderung mit dem Blutstrom durch den Körper entwicklen sie sich, wenn sie auf einen anders geschlechtlichen Partner treffen, zum geschlechtsreifen Adultus.



Weitergehende Information finden Sie unter den Links der Abbildung.




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