Geschichte der Unversität
Ernst Haeckel und das Phyletische Museum
Besuch in der Abteilung für Zoologie
Johann Wolfgang Goethe spielte keine unerhebliche Rolle im Aufbau
der Universität. Er verpflichtete bedeutende Denker und Forscher und
schuf gleichzeitig ideale Bedingungen für ihr Wirken. Bibliotheken,
Botanischer Garten, naturkundliche Archive, Laboratorien und die Sternwarte
entstanden aufgrund seiner Initiative. Auch Friedrich Schiller lehrte an
der Universität Jena. Er war Professor an der Geschichtsfakultät.
Um 1810 wurde die Grundlage für den Industriestandort Jena geschaffen. Die feinmechanisch-optischen Betriebe Zeiss und das glasmechanische Werk Schott & Gen. entstanden sozusagen als Ausgründungen aus der damaligen Universität. Der zum außerordentlichen Professor berufene Physiker Ernst Abbe gab den entscheidenden Anstoß zum Aufbruch in das Industriezeitalter. Er schuf die Bildentstehungstheorie des Mikroskops. Sein Auftraggeber war der Universitätsmechanikus Carl Zeiss, der in seinen privaten Werkstätten dem optischen Apparatebau nachging. 1884 gründete Otto Schott ein "glastechnisches Laboratorium", um die Spezialgläser für die Mikroskope und optischen Geräte Zeiß’ zu schmelzen.
Mitte der 20er Jahre geriet die Universität in den Strudel politischer Ideologie und es entstand die Idee einer nationalsozialistischen Musteruniversität. Nach 1945 sollte sie sich dann zu einer "sozialistischen Hochschule" entwickeln. 1989 demonstrierten Studenten und Professoren gemeinsam auf der Straße, nachdem die Beschränkungen der geistigen Freiheit als äußerst bedrückend waren. Nach der politischen Wende vollzog die Universität einen harten Schritt: Alle Lehrkräfte wurden evaluiert. Danach entstand eine Volluniversität, die einzige Thüringens, mit zehn Fakultäten. Binnen weniger Jahre etablierte sich die Universitätsstadt zu einem Wissenschaftszentrum von internationalem Rang.
Der Hauptschwerpunkt der Arbeit seiner Arbeitsgruppe liegt in der Erforschung von Beinbewegungen. In diesem Zusammenhang werden sowohl kleinere Säugetiere als auch Amphibien untersucht. Eine wesentliche Untersuchungsmethode stellen cineradiographische Aufnahmen dar, bei denen die Tiere während des Laufens geröntgt werden. Diese Röntgenbilder werden am Institut für Wissenschaftlichen Film (IWF) in Göttingen gemacht. Die Methode ermöglicht es sehr eindrucksvoll, die Bewegungen der Extremitäten zu verfolgen.
Als erstes berichtete uns Prof. Fischer von seiner Arbeit. Hierzu gehört unter anderem eine Arbeit zur funktionellen Morphologie der dreifach segmentierten Extremitäten vor allem von kleineren Säugetieren sowie eine Arbeit über die Regionalisierung verschiedener Muskelfasertypen in den Muskeln der Vorderextremitäten dieser Tiere.
Als entscheidende Momente in der Evolution der Säugetier-Fortbewegung haben sich zwei Punkte herausgestellt: erstens die Umbildung von zweifach segmentierten, seitlich vom Körper abstehenden Extremitäten zu dreifach segmentierten Extremitäten, die in Zick-Zack-Stellung parallel zum Körper ausgerichtet sind (siehe Abb.1).

Diese Änderung in der Anordnung der Extremitäten hat zwei
wesentliche Konsequenzen: zum einen liegt der Drehpunkt des Vorderbeins
jetzt am oberen Ende des Schulterblattes; hierdurch wird das Schulterblatt
zur wichtigsten Komponente bei der Vorwärtsbewegung des Vorderbeins.
Zum andern liegen die Drehpunkte von Vorder- und Hinterbein nun auf gleicher
Höhe. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für das zweite entscheidende
Moment in der Evolution der Säugetier-Fortbewegung: Die Entwicklung
von der seitlich-schlängelnden Bewegung (lateral bending) der "Basis-Tetrapoden"
zur dorsoventral-axialen Bewegung (sagittal bending). Der Vorteil dieser
Umorganisierung des Rückens ist nicht eine Erhöhung der Geschwindigkeit
sondern größere Ausdauer.
Im Rahmen dieser Studie hat sich herausgestellt, dass im wesentlichen zwei Muskeln dazu beitragen, das Bein zu stabilisieren: der Supraspinatus und der Triceps brachii.

Bei der weiteren Untersuchung hat sich gezeigt, dass es innerhalb dieser Muskeln starke Regionalisierungen der sich langsam kontrahierenden Typ-I-Muskel-Fasern (slow-twitch) und der Typ-II-Muskel-Fasern, die sich schnell kontrahieren (fast-twitch), gibt. Die funktionelle Bedeutung dieser speziellen Anordnung konnte allerdings noch nicht bestimmt werden. Hierzu werden derzeit elektromyographische Studien durgeführt, die die Muskelaktivität in den verschiedenen Faser-Regionen während der Fortbewegung erfassen sollen.
Außerdem wird in der Arbeitsgruppe Fischer auch über das Thema "Die Wirbelsäule zwischen evolutionärem Erbe und funktioneller Anpassung" gearbeitet, und zwar aus einem recht praktischen Grund: Viele Kellner haben aufgrund der einseitigen Belastung vor allem der Lendenwirbelsäule Rückenprobleme. Um dem entgegenzuwirken, ist dieser Forschungsschwerpunkt mit finanzieller Unterstützung durch die Gewerkschaft Nahrung – Genuss – Gaststätten entstanden.
Nachdem uns Prof. Fischer über seine Arbeit informiert hatte, berichteten auch alle seine Doktoranden und Diplomanden über ihre Arbeits-Themen wie zum Beispiel: "Ontogenese der Lokomotion und des muskulären Apparats während der postnatalen Entwicklung kleiner Säugetiere", "Spinale Organisation des M. triceps brachii", Lokomotion der Stachelmaus (Acomys cahirinus)", Schreitbewegung bei Anura" und "Zur Lokomotion der Artiodactyla. Eine biometrische und kinematische Studie".
