Die Friedrich-Schiller-Universität Jena


 Geschichte der Unversität
 Ernst Haeckel und das Phyletische Museum
 Besuch in der Abteilung für Zoologie



Die Friedrich-Schiller-Universität Jena

von Simone Maßmann
Johann Friedrich I gründete 1548 in Jena eine "Hohe Schule". In dem ehemaligen Dominikanerkloster zogen die beiden ersten Professoren Stigel und Strigel mit ihren 171 Studiosi ein. 1558 erst erhielt die Jenaer "Hohe Schule" das kaiserliche Universitätsprivileg zuerkannt. Aus der frühneuzeitlichen Universität mit ihren damaligen vier Fakultäten (Philosophie, Theologie, Recht und Medizin) hatte sich 100 Jahre später eine Forschungsgemeinde mit vielseitigen Interessen entwickelt.


Johann Wolfgang Goethe spielte keine unerhebliche Rolle im Aufbau der Universität. Er verpflichtete bedeutende Denker und Forscher und schuf gleichzeitig ideale Bedingungen für ihr Wirken. Bibliotheken, Botanischer Garten, naturkundliche Archive, Laboratorien und die Sternwarte entstanden aufgrund seiner Initiative. Auch Friedrich Schiller lehrte an der Universität Jena. Er war Professor an der Geschichtsfakultät.

Um 1810 wurde die Grundlage für den Industriestandort Jena geschaffen. Die feinmechanisch-optischen Betriebe Zeiss und das glasmechanische Werk Schott & Gen. entstanden sozusagen als Ausgründungen aus der damaligen Universität. Der zum außerordentlichen Professor berufene Physiker Ernst Abbe gab den entscheidenden Anstoß zum Aufbruch in das Industriezeitalter. Er schuf die Bildentstehungstheorie des Mikroskops. Sein Auftraggeber war der Universitätsmechanikus Carl Zeiss, der in seinen privaten Werkstätten dem optischen Apparatebau nachging. 1884 gründete Otto Schott ein "glastechnisches Laboratorium", um die Spezialgläser für die Mikroskope und optischen Geräte Zeiß’ zu schmelzen.

Mitte der 20er Jahre geriet die Universität in den Strudel politischer Ideologie und es entstand die Idee einer nationalsozialistischen Musteruniversität. Nach 1945 sollte sie sich dann zu einer "sozialistischen Hochschule" entwickeln. 1989 demonstrierten Studenten und Professoren gemeinsam auf der Straße, nachdem die Beschränkungen der geistigen Freiheit als äußerst bedrückend waren. Nach der politischen Wende vollzog die Universität einen harten Schritt: Alle Lehrkräfte wurden evaluiert. Danach entstand eine Volluniversität, die einzige Thüringens, mit zehn Fakultäten. Binnen weniger Jahre etablierte sich die Universitätsstadt zu einem Wissenschaftszentrum von internationalem Rang.

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Kurzbiographie von Ernst Haeckel

und

die Geschichte des Phyletischen Museums

Auch der Biologe Ernst Haeckel, geboren am 16. Februar 1834 in Potsdam und verstorben am 9. August 1919 in Jena, lehrte als wichtigster Evolutionstheoretiker nach Darwin an der Universität Jena. Ernst Haeckel wurde 1862 zum außerordentlichen Professor an die Universität Jena berufen und 1865 zum ersten ordentliche Professor für Zoologie. 1866 erschien die "Generelle Morphologie der Organismen", die die ersten detailliert ausgearbeiteten Stammbäume der Organismen enthielt. 1874 erschienen die "Entwicklungsgeschichte der Menschen" und die "Gastrea-Theorie, die phylogenetische Klassifikation des Tierreichs, und die Homologie der Keimblätter". Bereits 1879 fasste Ernst Haeckel bei einem Besuch des "British Museum of National History" in London den Plan, in Jena ein Museum zu gründen, das der Darstellung von Deszendenztheorie und Darwinismus dienen sollte. Nachdem er Prorektor an der Universität Jena geworden war, gründete er 1907 das Museum für Abstammungslehre. Den Bau finanzierte er ausschließlich über Spenden und stellte Honorarerträge aus seinen Publikationen und der Ernst-Haeckel-Stiftung zur Verfügung. Er gestaltete die Bauten mit, weshalb stilisierte Naturdarstellungen, vor allem Medusen, architektonisch und künstlerisch mit einbezogen wurden. 1909 trat Haeckel vom Lehramt zurück. Sein Nachfolger Ludwig Plate richtete die erste Dauerausstellung im Phyletischen Museum ein. Heute ist das Museum ein Bestandteil des 1993 gegründeten Instituts für Zoologie und Evolutionsbiologie. Professor Dr. Fischer ist der Direktor des Museums, des Instituts und des gleichnamigen Lehrstuhls.

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Besuch der biologischen Fakultät, Abteilung Zoologie

der Friedrich-Schiller-Universität Jena

von Simone Kühn
Am Freitag, dem 18. Februar 2000 fuhren wir nach dem Frühstück zum Zoologischen Institut Jena. Im phyletischen Museum begrüßte uns Prof. Fischer. Nach einer kurzen Information über das Museum und seine Bedeutung gingen wir in die Abteilung Fischers; dort wurden wir von mehreren Diplomanden sowie Doktoranden mit Kaffee und Keksen empfangen.

Der Hauptschwerpunkt der Arbeit seiner Arbeitsgruppe liegt in der Erforschung von Beinbewegungen. In diesem Zusammenhang werden sowohl kleinere Säugetiere als auch Amphibien untersucht. Eine wesentliche Untersuchungsmethode stellen cineradiographische Aufnahmen dar, bei denen die Tiere während des Laufens geröntgt werden. Diese Röntgenbilder werden am Institut für Wissenschaftlichen Film (IWF) in Göttingen gemacht. Die Methode ermöglicht es sehr eindrucksvoll, die Bewegungen der Extremitäten zu verfolgen.

Als erstes berichtete uns Prof. Fischer von seiner Arbeit. Hierzu gehört unter anderem eine Arbeit zur funktionellen Morphologie der dreifach segmentierten Extremitäten vor allem von kleineren Säugetieren sowie eine Arbeit über die Regionalisierung verschiedener Muskelfasertypen in den Muskeln der Vorderextremitäten dieser Tiere.

Als entscheidende Momente in der Evolution der Säugetier-Fortbewegung haben sich zwei Punkte herausgestellt: erstens die Umbildung von zweifach segmentierten, seitlich vom Körper abstehenden Extremitäten zu dreifach segmentierten Extremitäten, die in Zick-Zack-Stellung parallel zum Körper ausgerichtet sind (siehe Abb.1).

Abb.1: Die Extremitäten im Grundschema eines Tetrapoden (links) im Vergleich mit denen der Theria (rechts). Der Kopf des Tieres zeigt zur linken Seite des Betrachters.


Diese Änderung in der Anordnung der Extremitäten hat zwei wesentliche Konsequenzen: zum einen liegt der Drehpunkt des Vorderbeins jetzt am oberen Ende des Schulterblattes; hierdurch wird das Schulterblatt zur wichtigsten Komponente bei der Vorwärtsbewegung des Vorderbeins. Zum andern liegen die Drehpunkte von Vorder- und Hinterbein nun auf gleicher Höhe. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für das zweite entscheidende Moment in der Evolution der Säugetier-Fortbewegung: Die Entwicklung von der seitlich-schlängelnden Bewegung (lateral bending) der "Basis-Tetrapoden" zur dorsoventral-axialen Bewegung (sagittal bending). Der Vorteil dieser Umorganisierung des Rückens ist nicht eine Erhöhung der Geschwindigkeit sondern größere Ausdauer.

Im Rahmen dieser Studie hat sich herausgestellt, dass im wesentlichen zwei Muskeln dazu beitragen, das Bein zu stabilisieren: der Supraspinatus und der Triceps brachii.

Bei der weiteren Untersuchung hat sich gezeigt, dass es innerhalb dieser Muskeln starke Regionalisierungen der sich langsam kontrahierenden Typ-I-Muskel-Fasern (slow-twitch) und der Typ-II-Muskel-Fasern, die sich schnell kontrahieren (fast-twitch), gibt. Die funktionelle Bedeutung dieser speziellen Anordnung konnte allerdings noch nicht bestimmt werden. Hierzu werden derzeit elektromyographische Studien durgeführt, die die Muskelaktivität in den verschiedenen Faser-Regionen während der Fortbewegung erfassen sollen.

Außerdem wird in der Arbeitsgruppe Fischer auch über das Thema "Die Wirbelsäule zwischen evolutionärem Erbe und funktioneller Anpassung" gearbeitet, und zwar aus einem recht praktischen Grund: Viele Kellner haben aufgrund der einseitigen Belastung vor allem der Lendenwirbelsäule Rückenprobleme. Um dem entgegenzuwirken, ist dieser Forschungsschwerpunkt mit finanzieller Unterstützung durch die Gewerkschaft Nahrung – Genuss – Gaststätten entstanden.

Nachdem uns Prof. Fischer über seine Arbeit informiert hatte, berichteten auch alle seine Doktoranden und Diplomanden über ihre Arbeits-Themen wie zum Beispiel: "Ontogenese der Lokomotion und des muskulären Apparats während der postnatalen Entwicklung kleiner Säugetiere", "Spinale Organisation des M. triceps brachii", Lokomotion der Stachelmaus (Acomys cahirinus)", Schreitbewegung bei Anura" und "Zur Lokomotion der Artiodactyla. Eine biometrische und kinematische Studie".

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