Hintergrundinformation

Elektrische und chemische Synapsen - eine kurze Charakteristik

Elektrische Synapsen

Abb.1: Elektrische Synapse: Gap junctions ermöglichen den Stromfluß zwischen den Zellen (Kandel et al., S. 190, Fig. 11-6, 1995)
Bei der elektrischen Synapse liegen die prä- und postsynaptischen Membranen dicht beieinander und bilden Gap junctions, über die der elektrische Strom von einer Zelle zur anderen fließen kann. Ein unterschwelliger Strompuls, der in der Zelle A fließt, verursacht eine Membranpotentialänderung in dieser Zelle. Sobald sich ein signifikanter Anteil dieses Stromes über die Gap junctions in die Zelle B ausbreitet, wird dort ebenfalls eine nachweisbare Membranpotentialänderung hervorgerufen. Da jeweils nur ein Teil des gesamten Stromes, der in die Zelle A fließt, auf Zelle B übergreift, ist die elektrotonische Potentialänderung, die über die Membran der Zelle B auftritt, immer geringer als die bei der Zelle A. Die Gap junctions, über die der Strom von einer Zelle zur anderen fließt, sind in ihrem Widerstand gewöhnlich (jedoch nicht immer) symmetrisch – d.h. der Strom trifft in jeder Richtung auf den gleichen Widerstand.
Die elektrische Verbindung zweier Neurone ermöglicht es, dass lokale Ströme, die z.B. von einem Aktionspotential eines Neurons stammen, in das andere Neuron übergreifen und es depolarisieren. Die Übertragung eines Aktionspotentials über eine elektrische Synapse unterscheidet sich danach kaum von der Fortleitung innerhalb einer Zelle, zumal beide Phänomene von der elektrotonischen Ausbreitung eines lokalen Stromes abhängen, die einem AP vorausgeht und neue Membranabschnitte depolarisiert und erregt.
Da der elektrische Strom von der  präsynaptischen Zelle direkt in die postsynaptische Zelle übertragen wird, ist die synaptische Verzögerung bei der elektrischen Synapse kürzer als bei den chemischen Synapsen. Elektrische Synapsen sind daher hervorragend geeignet, die elektrische Aktivität in einer ganzen Gruppe von Nervenzellen zu synchronisieren bzw. schnell über mehrere Zellverbindungen zu übertragen.
(nach Eckert, 1986)
 

Chemische Synapsen

Abb.2: Chemische Synapse: synaptische Vesikel schütten Transmitter aus, die den synaptischen Spalt überqueren und dort an Rezeptormoleküle in der postsynaptischen Membran binden. (Kandel et al., S. 191, Fig. 11-8, 1995)
Die meisten Synapsen im Nervensystem arbeiten mit einem Transmitter, mit welchem das präsynaptische Neuron mit der postsynaptischen Zelle kommuniziert. Der Ablauf der Ereignisse, die sich während einer chemischen Übertragung abspielen, wird im folgenden geschildert:
In der präsynaptischen Axonendigung trifft ein AP ein. Die Depolarisation aktiviert die Ca2+-Kanäle der Axonendigung, Ca2+ tritt ein. Die gestiegene Ca2+ Konzentration innerhalb der Zelle löst die Exocytose von Transmitter enthaltenden Vesikeln aus. Diese entleeren ihren Inhalt in den extrazellulären Raum. Der Transmitter diffundiert durch den extrazellulären Raum und bindet an Rezeptormolekülen in der postsynaptischen Membran. Die Anheftung des Transmitters aktiviert Ionenkanäle, die mit den Rezeptormolekülen verbunden sind. Permeable Ionen tragen daraufhin einen postsynaptischen Strom entlang des dominierenden elektrochemischen Gradienten. Der postsynaptische Strom bewirkt ein postsynaptisches Potential. Übertrifft die Potentialänderung das Schwellenpotential, kommt es zur Auslösung eines Aktionspotentials. Ganz allgemein kann man sagen, dass die chemische Übertragung flexibler ist als die elektrische und sowohl hemmende als auch erregende Wirkungen haben kann. Darüber hinaus können selbst kleine präsynaptische Fasern mittels ihres chemischen Transmitters postsynaptische Kanäle aktivieren, die starke Ströme leiten.
Die chemische Erregungsübertragung erfolgt durch einen extrazellulären, etwa 20 nm breiten synaptischen Spalt, der die Membranen der prä- und postsynaptischen Zellen voneinander trennt. In der präsynaptischen Axonendigung befinden sich je nach Zelle wenige (5-10) bis einige Tausend membranumhüllte synaptische Vesikel, die einen Durchmesser von ungefähr 40nm haben und jeweils 104 bis 5·104 Transmittermoleküle enthalten.
(nach Eckert, 1986)


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