Phrenologie oder die Lehre des Geistes und seinen Organen
Franz Joseph Gall 1757 wurde Franz Joseph Gall, Begründer der Phrenologie, in Tiesenbrunn bei Pforzheim geboren. Schon als Kind fiel ihm auf, daß jedes seiner Geschwister sich durch ein besonderes Talent unterschied. Während seines Medizinstudiums stellte Gall fest, daß Studenten mit hervorstehenden Augen auch ein ausgezeichnetes Gedächnis besaßen. Angeregt durch diese Beobachtung, suchte er nach dem Zusammenhang zwischen Begabung und äußeren Merkmalen. Eingehend studierte er die Kopfform unterschiedlich begabter Personen. Immer mehr verstärkte sich die Idee,"..daß die Verschiedenheit der Kopfgestalt durch die verschiedene Gestalt des Gehirns veranlaßt wird und daß die verschiedenen Theile des Gehirns die verschiedenen Organe der menschlichen Fähigkeiten sind." (1) Gall war sich sicher; daß den Fähigkeiten des Geistes auch ein bestimmtes Organ im Gehirn zuzuweisen war. Es wurde sein Lebenswerk, dies zu beweisen. Als praktizierender Arzt in Wien hatte Gall Zugang zu allen
Kreisen der Gesellschaft. Er sammelte in Heilanstalten, Krankenhäusern und Schulen jeden
Hinweis zwischen besonderen Fähigkeiten und Kopfform. Er zog einheimische Tiere auf, um
die Veränderung der Gestalt im Verlauf der Ontogenese mit der Veränderung des Charakters
zu vergleichen. Auch im Studium der Anatomie des Gehirns suchte Gall nach Beweisen. Er
entdeckte, daß das Gehirn aus Fasern besteht. Eingelegt in Weingeist ähnelt es einer
Blumenkohlblume, von faserigen Stielen zweigen kleine Äste ab. Unumstößlich stand für
ihn fest: Jedes einzelne Teil des Gehirns kann separat arbeiten! Sein Freund Spurzheimer lehrte bis zum Lebensende und verstarb 1832 auf einer Vortragsreise in Bosten/ Nordamerika.
Eine kleine Einführung Die Phrenologie glaubt an die Verschiedenheit der Menschen. Jeder verfügt über besondere Fähigkeiten, Talente und Charaktereigenschaften. Man unterteilt diese sog, "Geisteskräfte" in drei Gruppen:
Jedoch erschien eine Einteilung dieser in einzelne Sinne noch wichtiger. Diese Sinne (Abb.2) sind selbständig und mehr oder weniger stark ausgebildet (Ein Mensch kann in einer Beziehung leidenschaftlich sein und in einer anderen leidenschaftslos.).
Das Gehirn wurde als Sitz aller "inneren" Sinne gesehen, und jeder einzelne Sinn bekam ein Organ zugeschrieben. Daraus resultierte die Ansicht, daß die Organgröße die Kopfgestalt maßgebend beeinflußt, z. B.: ein starkes Hinter- und Untergehirn zeugt von starken tierischen Sinnen. Man wollte von der Kopfform auf den Charakter schließen. Hier zwei ausgewählte Beispiele:
Es bedarf nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, wie sich diese
Entwicklung auf die Gesellschaft auswirkte. Man sollte auf die Partnerwahl in Bezug auf
Aussehen, Sittlichkeit u.s.w. besonders achten, da sich auch die "Organe" auf
die Kinder vererben könnten, und man eine "niedrige" Organisation seinen
Kindern nicht zumuten könne (Es wurde jedoch eingeräumt, daß bei Kindern durch Schulung
in "schwächeren" Sinnen durchaus noch Veränderungen erziehlt werden können). Der Diskriminierung von anderen Völkern und sozialen Randgruppen wurden neue Argumente geliefert...
Literatur: (1) in G. Scheve: Phrenologische Bilder,Verlag von Weber, Leipzig; 1874, S13f Abb.1: aus G. Scheve,s.o., S.15 Abb.2: aus G. Scheve, s.o., S.6ff Abb.3: aus G. Scheve, s.o.,.S.325 Abb.4: aus G. Scheve, s.o., S.340
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