Willkommen im Versuchslabor

 

Wenn man das Balzverhalten der Zebrafinken betrachtet, muss man sich fragen, inwiefern dieses Verhalten auf genetische Grundlagen zurückzuführen ist, oder ob es von den Zebrafinken während ihrer Entwicklung zum adulten Tier nicht auch erlernt werden kann oder sogar erlernt werden muss. Besonders interessant ist diese Fragestellung auch im Hinblick auf die Wahl der Sexualpartner.

Welche Kriterien sind entscheidend für diese Wahl?

Ist es das schlichte Aussehen, das Verhalten, oder sind es akkustische Signale des Weibchens, auf die die männlichen Zebrafinken mit Balzverhalten reagieren?

Genau diese in der Vergangenheit von vielen Wissenschaftlern viel diskutierten Fragen waren auch Bestandteil eines Streitgespräches zwischen Herrn Professor Dr. Sellenwittich, der der festen Überzeugung ist, die Partnerwahl sei genetisch vorprogrammiert, und Professor Dr. Febrazink, der die Auffassung vertritt, dass eine während der Entwicklung der Jungtiere stattfindende sogenannte Prägung für die Wahl verantwortlich ist. Beide haben deshalb die folgenden Versuche durchgeführt.

Gestatten, mein Name ist Prof. Dr. Febrazink. Mit wem habe ich es zu tun?

   
    Mit mir, mein Name ist Prof. Dr. Sellenwittich.

Material: Für die folgenden Versuche benötigen Sie einen Versuchsraum, einen Versuchskäfig mit Glasscheibe, einen Bogen Tonkarton für den Hintergrund, einen abgebrochenen Zweig, ein mövchengeprägtes Zebrafinkenmännchen, ein Mövchenweibchen, ein Zebrafinkenweibchen, eine Mövchenattrappe, eine vereinfachte Mövchenattrappe, zwei Kameras, ein Mikrofon, mehrere Kameraleute und gaaanz viel Geduld!

 

Versuch 1:

Ein von japanischen Mövchen aufgezogenes Zebrafinkenmännchen wird mit einem japanischen Mövchenweibchen in den Versuchskäfig gesetzt.

Was wird Ihrer Meinung nach passieren?

a) Das Männchen wird das artfremde Weibchen anbalzen.

b) Gar nichts. Das Männchen ignoriert das artfremde Weibchen.

Versuch 2:

Das von Mövcheneltern aufgezogene Zebrafinkenmännchen wird vor folgende Wahl gestellt. In den Versuchskäfig werden zum Männchen ein Zebrafinkenweibchen und ein Mövchenweibchen gesetzt.

Wie wird sich das Männchen entscheiden?

a) Es entscheidet sich für das arteigene Weibchen.

b) Es wählt trotz alledem das artfremde Mövchen.

Versuch 3:

Im folgenden Versuch wird das mövchengeprägte Zebrafinkenmännchen erneut vor die Wahl zwischen arteigenem und artfremdem Weibchen gestellt. In diesem Versuch wird das Mövchen jedoch durch eine Attrappe ersetzt.

Wie wird sich das Männchen entscheiden?

a) Natürlich wählt er das Zebrafinkenweibchen, die Attrappe lebt schließlich nicht.

b) Ist doch klar! Einmal Mövchen, immer Mövchen. Es wählt die Attrappe!

Versuch 4:

Welche Reize lösen das Balzverhalten aus? Zur Klärung dieser Frage wird das von Mövchen geprägte Zebrafinkenmännchen mit einer stark vereinfachten Mövchen-Attrappe konfrontiert.

Was denken Sie?

a) Die Färbung der Attrappe reicht aus, um das Balzverhalten auszulösen.

b) Auf so eine einfache Attrappe wird das Männchen wahrscheinlich nicht reagieren!