WM 3: Lehramtsbezogene Fallarbeit im Übergangssystem (Kooperation „BAJ”)

Angesichts des für die Lehrerbildung an der Universität Bielefeld leitenden, weit gefassten Begriffs schulischer Inklusion, der die Diversität von Heterogenitätsdimensionen berücksichtigt und gemäß des Bielefelder Studienkonzepts „Integrierte Sonderpädagogik“, das sonderpädagogischen Förderbedarf in engem Zusammenhang mit Dimensionen sozialer Benachteiligungen verortet, geraten nunmehr auch die spezifischen Förderbedarfe von Schüler/inne/n in den Blick, die bislang im unübersichtlichen Übergangssystem beschult, im Rahmen des UN-Inklusionsanspruchs aber im Regelschulsystem gefördert werden müssten bzw. wegen der dort bislang mangelnden individuellen Förderung in Maßnahmen des Übergangsmanagements transferiert wurden.

In der Ausbildung von Regelschullehrer/inne/n ist die Förderung von Schüler/inne/n mit besonderen Förderbedarfen allerdings nicht hinreichend verankert, sodass im Rahmen inklusiver Beschulung große Überforderungen im Umgang mit dieser Klientel zu erwarten sind. Da diese Herausforderungen aber zukünftig nicht mehr an ein Übergangssystem mit Sozialarbeiter/inne/n und anderem pädagogischen Personal delegiert werden sollen, müssen Studierende Erfahrungen mit dieser Schülerklientel machen und hierbei eng begleitet und beraten werden. In Kooperation mit dem Bielefelder Berufskolleg am Tor 6 (Verein BAJ e.V.) wird ein entsprechender Erfahrungsraum eröffnet. Lehramtsstudierende erhalten im Rahmen ihrer Berufsfeldbezogenen Praxisstudie die Möglichkeit, in der individuellen (sprachlichen) Förderung von Schüler/inne/n mit Fluchterfahrung tätig zu werden und sie prägende und/oder irritierende Erfahrungen im geschützten Raum eines Gruppensupervisionsangebots theoriegeleitet zu reflektieren. Gleichzeitig werden die Studierenden im Zuge eines begleitenden Seminars zum professionellen Handeln in der Schule für professionstheoretische Fragestellungen und Strukturprobleme der schulischen Praxis sensibilisiert. Durch den Erwerb von Wissen über Strukturphänomene sowie durch Methoden kritischer Distanznahme im vom Handlungsdruck entlasteten Reflexionsmodus, wird ein reflektierender Umgang mit diesen Praxisphänomenen erarbeitet, der in späteren, professionsethisch prekären Situationen reaktiviert werden kann..

Eine Übersicht über die wissenschaftliche Maßnahme bietet das Projektposter.