Fakultät für Chemie - Chemie und Didaktik der Chemie I
 
 
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Dr. Anja Gottwald


Promotion:

Dissertation: 
6. Dezember 2012

Vom Phänomen zum Begriff – Auswirkungen von naturwissenschaftlichem Experimentieren auf die Sprachentwicklung von Grundschulkindern
Anja Gottwald


Lebenslauf

Sept. 2008 - Feb. 2011  Wiss. Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Chemiedidaktik
Apr. - Aug. 2008 Lehrbeauftragte für Didaktik des Sachunterrichts, Universität Hamburg
2006 - 2007 Projektleiterin an der Universität Hamburg: Initiatorin von NawiKi (Naturwissenschaften in Kindertageseinrichtungen), www.nawiki.de
Seit 2004 Selbständig als Organisationsberaterin; zudem: Forschertage und -camps mit Kita- und Grundschulkindern (KeNawis - Kinder entdecken Naturwissenschaften)
1995 - 2003 Berufstätig als Unternehmens- und Organisationsberaterin
1995 Staatsexamen in Biologie und kath. Theologie

 

 

Thema der Dissertation

 

Vom Phänomen zum Begriff – Auswirkungen von naturwissenschaftlichem Experimentieren auf die Sprachentwicklung von Grundschulkindern

Experimentelles Erfassen naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeiten als Instrument der Sprachentwicklung bei Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen

 

Naturwissenschaftliche Grunderfahrungen sind mittlerweile in allen Bildungsplänen für Kindergärten und Vorschulen als zentrale Bildungsbereiche etabliert. Trotz des großen Interesses der Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter (vgl. Lück 2000) zeigen sich jedoch Defizite in der Bearbeitung von Themen der unbelebten Natur, z.B. durch die mangelnde Anschlussfähigkeit der Konzepte beim Übergang vom Kindergarten zur Grundschule (vgl. Risch 2005). Diese Defizite gelten in besonderem Maße für Förder- und Sonderschulen, in denen naturwissenschaftliche Themen nicht in ausreichendem Maße aufgegriffen werden.

Die Verständigung mithilfe von Sprache ist eine grundlegende Voraussetzung für die intellektuelle und soziale Entwicklung des Menschen. Damit ist sie auch Grundlage für die Teilhabe an unserer technisch orientierten Wissensgesellschaft als Bürger oder Arbeitnehmer. Sprachentwicklungsstörungen benachteiligen Kinder nicht nur in sozialer Hinsicht, sondern auch auf ihrem Bildungsweg, da sie eine Barriere zur Entfaltung ihres intellektuellen Potentials darstellen.

Kinder mit dem Förderschwerpunkt "Sprache" stellen mit fast 50.000 Schülern (2006) über 10% aller Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Deutschland. Die Anzahl dieser Kinder wächst: 1995 hatten erst 32.000 Kinder Sprachförderbedarf. Von den fast 50.000 Sprachförderkindern in 2006 wurden mehr als 37.000 in Sonderschulen unterrichtet, über 12.000 in allgemeinbildenden Schulen.

In den letzten Jahren ist das Thema "Spracherwerb" in das Zentrum der öffentlichen Bildungsdiskussion gerückt, nicht zuletzt wegen einer steigenden Zahl von Kindern mit Sprachdefiziten in der Grundschule. In der Folge ist eine Fülle von Sprachförderprogrammen entstanden, die in Bezug auf die Art ihrer Sprechanlässe, ihrer Herangehensweisen und Sprachförderphilosophien divers sind. Vom Grundsatz her fußen sie auf einem von zwei Ansätzen: Entweder einem sprachstrukturellen, der auf Form und formelle Richtigkeit sprachlicher Äußerung zielt, oder einem sprachfunktional orientierten, der bei der Schaffung geeigneter Sprechanlässe ansetzt und auf die Funktion von Sprache als Interaktionsmedium zwischen Menschen ausgerichtet ist.

Noch nicht untersucht wurden bislang die Auswirkungen des naturwissenschaftlichen Experimentierens auf die strukturelle sprachliche Entwicklung von Kindern.
Im Rahmen des Promotionsvorhabens soll dieser Fragestellung an Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen (Sprachdysphasien) nachgegangen werden. Wir vermuten, dass sowohl die Struktur der Sprechanlässe (das Experimentieren mit seiner verlässlichen Wiederholbarkeit) als auch die Qualität des Diskurses (das Formulieren von Beobachtungen und Vermutungen) geeignet sind, die Sprachentwicklung von entwicklungsverzögerten Kindern anzuregen: Zum einen ist das Experimentieren für Kinder im Grundschulalter von sich aus interessant; zum anderen bietet der Diskurs beim Experimentieren mit seinen Wiederholungen und Fragen nach der Bedeutung von Phänomenen einen geeigneten, weil kognitiv fordernden und fragenden Anlass (vgl. Baumann 2003). So können nicht nur die Bedeutung von Worten und Wortkategorien, sondern auch Wort- und Satzstrukturen auf natürliche Weise - also en passant - erlernt werden.

 

 

Literatur


Baumann, J.F., Kame'enui, E.J., Ash, G.E. (2003). Research on vocabulary instruction: Voltaire redux. In: J. Flood et. al. (Hg.), Handbook on research on teaching the English language arts, S. 752-785. Mahwah, NJ: Erlbaum.

 

Grimm, H. (2003), Störungen der Sprachentwicklung. Göttingen: Hogrefe-Verlag.

 

Jampert, K., Best, P., Guadatiello, A., Zehnbauer, A. (2007). Schlüsselkompetenz Sprache. Sprachliche Bildung und Förderung im Kindergarten. Konzepte, Projekte, Maßnahmen. Weimar, Berlin: Verlag das netz.

 

Langermann, K. (2006). Akzeptanz naturwissenschaftlicher Phänomene bei geistig behinderten Vorschulkindern. Untersuchungen zur affektiven und kognitiven Rezeption naturwissenschaftlicher Experimente. Göttingen: Cuvillier.

 

Leuckfeld, K. (2006). Wie viel Sprache steckt in den Naturwissenschaften? Wissen & Wachsen, Schwerpunktthema Naturwissenschaft und Technik, Wissen. Verfügbar über: www.wissenundwachsen.de/page_natur.aspx?Page=cd0a2864-fa58-4a61-b5be-9f028ce43056 (Zugriff 08.10.2008).

 

Lück, G. (2000). Naturwissenschaften im frühen Kindesalter. Untersuchungen zur Primärbegegnung von Kindern im Vorschulalter mit Phänomenen der unbelebten Natur. Münster: LIT-Verlag.

 

Lück, G. (2006). Wie die Umgangssprache oft den Blick auf die Naturphänomene und Naturgesetze verstellt. Wissen & Wachsen, Schwerpunktthema Naturwissenschaft und Technik, Wissen. Verfügbar über:
http://www.wissenundwachsen.de/page_natur.aspx?Page=a2f6b691-831e-4c98-a345-13796da955b0 (Zugriff 08.10.2008).

 

Risch, B. (2006). Entwicklung eines an den Elementarbereich anschlussfähigen Sachunterrichts mit Themen der unbelebten Natur. Göttingen: Cuvillier.

 

Statistische Veröffentlichungen der Kultusministerkonferenz, Dokumentation Nr. 185 (2008): Sonderpädagogische Förderung in Schulen 1997 bis 2006. Verfügbar über: www.kultusministerkonferenz.de/statist/home.htm?schule (Zugriff 1.12.2008)

 

Szagun, G. (2006). Sprachentwicklung beim Kind. Weinheim: Beltz.