Fakultät für Chemie - Chemie und Didaktik der Chemie I
 
 
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Dr. Angelika Pahl


Angelika Pahl

Promotion:

Dissertation: 
17. Juli 2014

Diagnostik und Förderung naturwissenschaftlicher Kompetenzen durch differenzierte Experimentiereinheiten

 

 

 

Aktuelle Tätigkeit an der Pädagogischen Hochschule Bern

 

 

 

Thema der Dissertation

 

Diagnostik und Förderung naturwissenschaftlicher Kompetenzen durch differenzierte Experimentiereinheiten

Entwicklung einer Interventionsstudie zur Stärkung leistungsschwacher SchülerInnen (Risikokinder) im Sachunterricht der Grundschule

 

Ausgangslage:

 

Über 20% der SchülerInnen in Deutschland und auch in Italien werden am Ende der Grundschulzeit bei internationalen Vergleichsstudien im Bereich der Naturwissenschaften als „leistungsschwach“ eingestuft. Sie verfügen über einfaches Faktenwissen, das sie weder anwenden noch dazu nutzen können, um Probleme zu lösen. Der Erwerb solch anspruchsvoller Kompetenzen, die mittlerweile auch in den Lehrplänen fest verankert sind, kommt im Unterrichtsalltag noch zu kurz.1

Als erste verpflichtende Bildungsinstitution für alle schafft es die Grundschule bislang nicht, ungleiche Startbedingungen der SchülerInnen zu kompensieren: So kommen leistungsschwache SchülerInnen vermehrt aus Familien mit einem niedrigen sozioökonomischen Status und/oder mit einem Migrationshintergrund. Dieser Zusammenhang ist in Deutschland wesentlich ausgeprägter als in Italien und verstärkt sich in den weiterführenden Schulen noch zunehmend.2

Solche Risikofaktoren – wie sie in der Resilienzforschung genannt werden – wirken sich nicht nur auf den Bildungserfolg negativ aus; sie gefährden in der Folge auch die erfolgreiche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sowie die Entwicklung einer gesunden, selbstbewussten Persönlichkeit. Es reicht daher nicht aus, die Förderung von Basiskompetenzen nur im fachspezifischen Bereich anzusetzen; parallel dazu muss auch die Entwicklung von Resilienzfaktoren (z.B. Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeitsüberzeugung, Eigenaktivität, Problemlösefähigkeit) so gefördert werden, dass sich diese dann wechselseitig günstig beeinflussen können.3

Bei zahlreichen Studien des Arbeitskreises „Didaktik der Chemie“ der Universität Bielefeld gab es Hinweise darauf, dass das Durchführen chemisch-physikalischer Experimente und deren Deutung einen Beitrag zum Aufbau solcher Resilienzfaktoren leisten können.4

 

Ziel der Untersuchung:

 

Im Rahmen dieses Promotionsvorhabens soll ein differenziertes Experimentierangebot zu Themen der unbelebten Natur5 entwickelt und erprobt werden, das gleich mehrere der aufgezeigten Förderbereiche in sich vereint. Die Untersuchung soll Aufschluss darüber geben, inwieweit leistungsschwache SchülerInnen durch das naturwissenschaftliche Experimentieren in der Entwicklung von Basiskompetenzen gestärkt werden können.

Im Sinne der Inklusion soll die Förderung im Rahmen des Regelunterrichts und durch den Einsatz von Hausaufgaben erfolgen. Dazu werden im Vorfeld Experimentieraufgaben entwickelt und empirisch geprüft, mit denen insbesondere auch leistungsschwache SchülerInnen sowohl durch angeleitetes als auch durch selbständiges Denken und Handeln schrittweise an naturwissenschaftliche Fragestellungen herangeführt werden können. Durch die Bewältigung individuell anspruchsvoller, aber noch zu schaffender Aufgaben soll ein Erleben von Kompetenz ermöglicht werden.

Die Untersuchung soll mit Methoden der qualitativen Sozialforschung durchgeführt werden. Neben der teilnehmenden Beobachtung zur Analyse der situativen Verhaltensweisen sowie der affektiven Befindlichkeiten ergibt sich die Effektivität der Intervention aus dem intraindividuellen Vergleich der Ergebnisse der SchülerInnen im Prä-Post-Test sowie durch Befragungen und Selbsteinschätzungen der TeilnehmerInnen. Abgesichert werden die Ergebnisse durch Anwendung von Replikationen im Rahmen von Einzelfallanalysen und durch methodische Triangulation im Bereich der qualitativen Forschung.

 

 

Literatur

 

1Bos, W., Bonsen, M., Baumert, J., Prenzel, M., Selter, C. & Walther, G. (Hrsg.) (2008). TIMSS 2007. Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen von Grundschulkindern in Deutschland im internationalen Vergleich. Münster: Waxmann Verlag.

 

2Schwippert, K., Bos, W. & Lankes, E.-M. (2008). Heterogenität und Chancengleichheit am Ende der vierten Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich. In: W. Bos, M. Bonsen, J. Baumert, M. Prenzel, C. Selter & G. Walther (Hrsg.). TIMSS 2007. Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen von Grundschulkindern in Deutschland im internationalen Vergleich. Münster: Waxmann Verlag.

 

3Wustmann, C. (2004). Resilienz: Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern. Berlin u.a.: Cornelson Verlag Scriptor.

 

4Langermann, K. (2006). Akzeptanz naturwissenschaftlicher Phänomene bei geistig behinderten Vorschulkindern. Untersuchungen zur affektiven und kognitiven Rezeption naturwissenschaftlicher Experimente. Göttingen: Cuvillier Verlag.

 

4Lück, G. (2009). Handbuch der naturwissenschaftlichen Bildung. Theorie und Praxis für die Arbeit in Kindertages-einrichtungen (Neuaufl.). Freiburg im Breisgau: Herder Verlag.

 

5Lück, G. (2000). Naturwissenschaften im frühen Kindesalter. Untersuchungen zur Primärbegegnung von Kindern im Vorschulalter mit Phänomenen der unbelebten Natur. Münster: LIT-Verlag..

 

5Risch, B. (2006). Entwicklung eines an den Elementarbereich anschlussfähigen Sachunterricht mit Themen der unbelebten Natur. Göttingen: Cuvillier Verlag.