Fakultät für Chemie - Chemie und Didaktik der Chemie I
 
 
Hintergrundbild
Hintergrundbild
Uni von A-Z
  
Universität Bielefeld > Fakultät für Chemie > Chemie und Didaktik der Chemie I

Dr. Helene Jantzen


Helene Jantzen

Promotion:  

Dissertation:  
03. Februar 2015

Auswirkung der Einstellung von Eltern gegenüber dem Fach Chemie auf die Einstellung ihrer Kinder und deren Leistungsbereitschaft im Chemieunterricht

 







 

Thema der Dissertation

 

Auswirkung der Einstellung von Eltern gegenüber dem Fach Chemie auf die Einstellung ihrer Kinder und deren Leistungsbereitschaft im Chemieunterricht

 

Ausgangslage:

 

Als Ursachen der Bildungsbenachteiligungen in Deutschland werden sowohl institutionelle Diskriminierung durch das Bildungssystem als auch Effekte der sozialen Herkunft, wie z.B. ungünstige Voraussetzungen im Elternhaus, in Betracht gezogen[1]. Um möglichst gleiche Chancen für alle Kinder und Jugendliche zu ermöglichen, sollte neben einer Optimierung des Bildungssystems deshalb auch angestrebt werden, Prozesse im familiären Bereich besser verstehen und beeinflussen zu können.

Im Gegensatz zum schulischen Umfeld sind familiäre Beziehungen sowie deren Einfluss meist dauerhafter und beginnen bereits in frühester Kindheit. So zeigte sich auch, dass die Interessenbildung von Kindern mehr von deren Eltern als von Lehrpersonen beeinflusst wird[4]. Außerdem machte die PISA- Studie 2006 einen Zusammenhang von naturwissenschaftsbezogenem Beruf der Eltern, Prozessmerkmalen des Elternhauses und der naturwissenschaftlichen Kompetenz von SchülerInnen deutlich[3]. Eltern beeinflussen folglich die Interessen ihrer Kinder und deren Motivation, sich mit bestimmten Themen zu befassen, indem sie diese z.B. durch außerschulische Aktivitäten fördern oder als Vorbild dienen.

Förderung und Anregung sind gerade bei Kindern aus sozial benachteiligten Schichten oft nicht ausreichend vorhanden. Der Schule allein gelingt es aber offenbar nicht diese unterschiedlichen Ausgangslagen der Kinder zu kompensieren: So zeigen Kinder aus bildungsfernen Schichten am Ende der Grundschulzeit überdurchschnittlich häufig geringe Kompetenzen im naturwissenschaftlichen Bereich[2].

Darüber hinaus kämpfen naturwissenschaftliche Fächer wie Chemie mit einem schlechten Image und gelten traditionell als eher unbeliebt. Deshalb ist auch bei vielen Eltern davon auszugehen, dass gewisse Vorbehalte gegenüber dem Fach Chemie existieren. Es stellt sich hier die Frage, welche Auswirkung die Einstellung der Eltern zum Fach Chemie auf deren Kinder hat und in welcher Form eine mögliche Einflussnahme erfolgt.

 

Ziel der Untersuchung:

 

Im Rahmen des Promotionsvorhabens soll untersucht werden, ob Eltern ihre Einstellung zum Fach Chemie an ihre Kinder weitergeben und dadurch deren Motivation, sich im Chemieunterricht anzustrengen, beeinflussen.

Um diese Frage zu beantworten, wird ermittelt, welche Einstellung Eltern zum Fach Chemie haben, wie wichtig für sie das Unterrichtsfach im Vergleich zu anderen Fächern ist und welche Relevanz chemisches Wissen für sie hat. Anschließend soll überprüft werden, inwiefern ihre Aussagen mit der Einstellung ihrer Kinder und deren Leistungsbereitschaft im Chemieunterricht korrelieren und wie ein möglicher Einfluss des Elternhauses gewinnbringend genutzt werden kann, um die Leistungsbereitschaft von SchülerInnen im Unterricht positiv zu beeinflussen sowie der Bildungsbenachteiligung entgegen zu wirken.

 

Methodisches Vorgehen:

 

Die Untersuchung erfolgt mittels qualitativer Forschungsmethoden. Um umfassende Erkenntnisse zur Einstellung von SchülerInnen und Eltern zu gewinnen, werden teilstrukturierte Interviews durchgeführt. Die Leistungsbereitschaft der SchülerInnen wird zum einen mit Hilfe teilnehmender Beobachtung im schulischen Umfeld und zum anderen durch Befragungen der jeweiligen Fachlehrer ermittelt. Durch Triangulation der verschiedenen Methoden sollen die Ergebnisse abgesichert und ein ganzheitliches Bild des Untersuchungsgegenstandes gewonnen werden. Für eine erste Erhebung dienen zunächst Schulklassen der 7. bzw. 8. Jahrgangsstufe als Forschungsgegenstand. Um möglichst repräsentativen Ergebnisse zu erhalten, sollen hierbei Schulen ausgewählt werden, die bezüglich des sozialen Hintergrunds und der Leistungsstärke über eine durchschnittliche Schülerzusammensetzung verfügen.

Anschließend erfolgt auf Basis der gewonnenen Ergebnisse die Planung und Durchführung einer Interventionsstudie, welche die Wertschätzung des Faches Chemie bei Eltern und Kindern steigern soll. Um mehr Chancengleichheit zu erreichen, sollen dabei vor allem Familien aus benachteiligten Schichten im Mittelpunkt stehen.

 

 

Literatur

 

[1]R. Becker, W. Lauterbach: Bildung als Privileg, Erklärungen und Befunde zu den Ursachen der Bildungsungleichheit. Wiesbaden: VS Verlag, 2004.

 

[2]W. Bos, M. Bonsen, J. Baumert, M. Prenzel, C. Selter, G. Walther (Hrsg.): TIMSS 2007. Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen von Grundschulkindern in Deutschland im internationalen Vergleich. Münster: Waxmann Verlag, 2008.

 

[3]C. Maurischat, P. Taskinen, T. Ehmke: Naturwissenschaften im Elternhaus. Aus: M. Prenzel, C. Artelt, J. Baumert, W. Blum, M. Hammann, E. Klieme, R. Pekrun: PISA 2006- Die Ergebnisse der dritten internationalen Vergleichsstudie. Münster: Waxmann, 2007.

 

[4]A. Upmeier zu Belzen, H. Vogt, B. Wieder, F. Christen: Schulische und außerschulische Einflüsse auf die Entwicklung von naturwissenschaftlichen Interessen bei Grundschulkindern. Aus: Bildungsqualität von Schule: Schulische und außerschulische Bedingungen mathematischer, naturwissenschaftlicher und überfachlicher Kompetenzen. Weinheim: Beltz (2002) S. 291-307.