Fakultät für Chemie - Chemie und Didaktik der Chemie I
 
 
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Dr. Katrin Langermann


Promotion:

Dissertation: 
21. November 2006

Die Akzeptanz naturwissenschaftlicher Phänomene bei geistig behinderten Vorschulkindern. Untersuchung zur affektiven und kognitiven Rezeption naturwissenschaftlicher Experimente
Katrin Langermann



Lebenslauf

Nov. 2006 Promotion in Chemie an der Universität Bielefeld
Sept. 2002 - Jan. 2006  Wissenschaftliche Angestellte in der Arbeitsgruppe Chemie und Didaktik der Chemie I
Juni 2002 Abschluss des Studiums mit dem 1. Staatsexamen
1998 - 2002 Studium des Lehramtes für die Primarstufe mit den Fächern Sachunterricht, Deutsch und Mathematik an der Universität Bielefeld


In der Lehre



Thema der Dissertation


Die Akzeptanz naturwissenschaftlicher Phänomene bei geistig behinderten Vorschulkindern. Untersuchung zur affektiven und kognitiven Rezeption naturwissenschaftlicher Experimente

Untersuchungen zur affektiven und kognitiven Rezeption naturwissenschaftlicher Experimente bei Kindern in heilpädagogischen Vorschuleinrichtungen


In der aktuellen Diskussion um Bildungs- und Erziehungsaufgaben in Kindergärten lässt sich ein neues Verständnis von frühkindlicher Bildung feststellen. So sehen fast alle Bildungspläne für den Elementarbereich auch verstärkt naturwissenschaftliche Inhalte vor und Themen der unbelebten Natur sind inzwischen in vielen Einrichtungen zu einem festen Bestandteil geworden.

Die naturwissenschaftliche Bildung von Vorschulkindern ist dagegen im heilpädagogischen Bereich noch nicht verankert und ein wissenschaftlich noch unerforschtes Gebiet. Dabei gingen Untersuchungen zur Naturwissenschaftsvermittlung im Kindergartenalter vielfach mit der Beobachtung einher, dass behinderte Kinder sehr intensiv an den Experimenten teilnahmen und diese geradezu „zelebrierten“ (vgl. Lück, 2003, S. 62 ff).

In dem Forschungsvorhaben soll daher der Frage nachgegangen werden, ob nicht auch behinderte Kinder im Vorschulalter an naturwissenschaftliche Themen herangeführt werden können, und ob diese frühzeitige Vermittlung von den betroffenen Kindern besonders positiv erfahren wird. Ausführliche Untersuchungen zu diesem Thema existieren bislang nicht.


Beschreibung der Vorgehensweise

Bei diesem Forschungsvorhaben stand zunächst die Frage im Mittelpunkt, ob bei behinderten Kindern ein (besonders) großes Interesse an naturwissenschaftlichen Experimenten besteht. Dafür wurden über einen Zeitraum von mehreren Wochen insgesamt vier Experimente zu Themen der unbelebten Natur mit den Kindern gemeinsam durchgeführt. Dabei war es wichtig, die Experimente so auszuwählen, dass die Durchführung allen Kindern weitestgehend ohne Hilfe möglich war. Durch das zuverlässige Gelingen der Versuche hatten die Kinder zudem die Möglichkeit, selbst die Konstanz der Naturgesetze erfahren zu können.

Nach einem ersten, verbindlichen Experiment war es allen Kindern freigestellt, an den weiteren Experimenten teilzunehmen. Es zeigte sich, dass bei den Kindern ein großes Interesse bestand. Alle Kinder nahmen regelmäßig – oft begleitet von einer großen Vorfreude – teil.

Ein weiterer Aspekt des Forschungsvorhabens war die Frage, inwieweit die Kinder sich nach einem mehrwöchigen Abstand an die Experimente und auch an deren Deutungen erinnern konnten. (kognitive Rezeption). Die Evaluation der Erinnerungsfähigkeit ist aber gerade bei behinderten Kindern, sofern ihre Behinderung mit einer sprachlichen oder kognitiven Beeinträchtigung einhergeht, schwierig. Zudem sind besonders Einzelinterviews durch ihre Sprachgebundenheit bei Vorschulkindern umstritten. Es wurde daher eine Befragungsmethode entwickelt, welche den Kindern die Möglichkeit gab, ihre Erinnerungen an die Experimente auch nonverbal zum Ausdruck zu bringen.

Die zentrale Frage in diesem Forschungsvorhaben bildete die Untersuchung der Akzeptanz und der damit verbundenen affektiven Rezeption der Experimente. Es sollte dabei untersucht werden, wie die Experimente von den Kindern aufgenommen wurden. Waren sie bei den Experimenten freudig, gespannt oder interessiert, oder nahmen sie diese eher desinteressiert oder gleichgültig wahr? Dieser Fragestellung liegt die Überlegung zugrunde, dass eine positive Rezeption auf die Konstanz der Naturgesetze zurückzuführen ist. Dieses wird beim selbstständigen Experimentieren der Kinder als besonders auffallend und zuverlässig erlebt, wenn der Versuch stets denselben Ausgang nimmt. Eng hiermit zusammen steht der Begriff „Resilienz“, der im Zusammenhang mit Behinderung oder Verhaltensauffälligkeiten immer mehr an Bedeutung gewinnt. Resilienz bezeichnet eine Bewältigungskompetenz von Kindern, mit besonders belastenden Situationen umzugehen (vgl. Wustmann, 2003). Möglicherweise liegt in dieser Zuverlässigkeit der Grund, dass die behinderten Kinder im Sinne von Resilienz gestärkt werden können.

Um diese Frage zu beantworten, wurden während der Experimentierreihen Videoaufzeichnungen erstellt und anschließend ausgewertet. Da eine Vergleichbarkeit der Kinder aufgrund ihrer verschiedensten Beeinträchtigungen (sprachliche, geistige) nicht gegeben sein konnte, werden zu jedem Kind ausführliche Einzelfallanalysen erstellt.



Literatur

 

Lück, Gisela: Handbuch der naturwissenschaftlichen Bildung. Theorie und Praxis für die Arbeit in Kindertageseinrichtungen. Freiburg: Herder, 2003.

 

Wustmann, Corinna: Was Kinder stärkt: Ergebnisse der Resilienzforschung und ihre Bedeutung für die pädagogische Praxis. In: Fthenakis, Wassilios E. (Hrsg.): Elementarpädagogik nach PISA. Wie aus Kindertagesstätten Bildungseinrichtungen werden können. Freiburg: Herder, 2003



Publikationen


Langermann, Katrin: Experimentieren mit allen Sinnen? Und mit allen Kindern! In: Das Band. Zeitschrift des Bundesverbandes für Körper und Mehrfachbehinderte e.V., 5/2006, S.18-20.