Fakultät für Chemie - Chemie und Didaktik der Chemie I
 
 
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Dr. Martin Püttschneider


Promotion:

Dissertation: 
10. Juli 2005

Die Rolle des Animismus bei der Vermittlung chemischer Sachverhalte - eine Interventionsstudie am teutolab der Universität Bielefeld
Martin Püttschneider



Lebenslauf

2001 - 2004  Beginn des Promotionsvorhabens und Aufnahme der Tätigkeit als wissenschaftlicher Angestellter an der Fakultät für Chemie im Rahmen des BMBF-Projektes Erarbeitung von Empfehlungen zur Förderung der strukturellen Zusammenarbeit zwischen Schule und Hochschule zur Verbesserung des naturwissenschaftlichen Unterrichts auf der Basis des Bielefelder Modells „teutolab“
2001 Abschluss des Studiums mit dem 1. Staatsexamen
1993 - 2001  Studium des Lehramtes Sekundarstufe I/II in den Fächern Chemie und Deutsch an der Universität Bielefeld
1992 - 1993  Studium Chemie Diplom an der Universität Bielefeld

Thema der Dissertation


Die Rolle des Animismus bei der Vermittlung chemischer Sachverhalte - eine Interventionsstudie am teutolab der Universität Bielefeld


Die Vermittlung chemischer Inhalte kann durch ein breites Spektrum an Methoden vollzogen werden, wobei dessen Extreme durch „naturwissenschaftlich-objektive“ und „animistisch-metaphorische“ Formulierungen gekennzeichnet sind.

Aufgrund eines Paradigmenwechsels in den 70er Jahren mit der einhergehenden Forderung nach einer Verwissenschaftlichung des Unterrichts dominiert jedoch der naturwissenschaftlich-objektive Zugang zu den Phänomenen der unbelebten Natur. Das Ziel dieses Zugangs ist der Abbau der affektiven Identifikation der Kinder mit den Dingen. Ein eher negativer Stellenwert der Chemie bei den Schülern läßt jedoch die Vermutung zu, dass dieser affektive Zugang vermisst wird. Denn anders als in der Biologie steht der Bereich der unbelebten Natur den Alltagserfahrungen der Kinder fern. Ziel des Chemieunterrichts sollte es somit sein, durch eine Zunahme subjektivierender Vermittlungsarten den affektiven Zugang zu den Phänomenen der unbelebten Natur zu fördern.

Mit Animismus ist jedoch nicht der Begriff des kindlichen Animismus gemeint, wie ihn Jean Piaget geprägt hat, bei dem es durch eine Übertragung des egozentrischen Kraftbegriffs auf physikalische Vorgänge während der präoperationalen Phase zu einer Verwechslung zwischen unbelebten Vorgängen und psychischen Momenten kommt.

Vielmehr handelt es sich hier um ein bewußt eingesetztes didaktisches Mittel der Analogiebildung, um eine Brücke zu bilden zwischen der Erfahrungswelt der Kinder und den für diese Kinder noch unbekannten Bereich der chemischen Phänomene. Die Funktion der Animismen ist somit in einem eher metaphorischen Sinne zu sehen.

Im Rahmen des oben genannten BMBF-Projekts ist eine Interventionsstudie geplant, bei der im teutolab der Universität Bielefeld Schülerinnen und Schüler die gleichen Naturphänomene auf unterschiedliche Art und Weise vermittelt bekommen sollen. Einerseits ist eine animistische Vermittlungsart vorgesehen, andererseits eine naturwissenschaftlich-objektive Vermittlungsart.

Zu untersuchen ist hierbei, ob neben einem positiven affektiven Zugang zu Naturphänomenen durch animistische Vermittlung auch eine Steigerung der kognitiven Fähigkeiten zu beobachten ist. Diese Untersuchung wird begleitet von der Fragestellung, ob sich ein conceptual change durch narrativ-symbolische Methoden einstellt.