Fakultät für Chemie - Chemie und Didaktik der Chemie I
 
 
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Dr. Miriam Schmidt


Miriam Schmidt

Promotion:  

Dissertation:  
18. November 2013

Konzepte zur Implementierung chemischer Inhalte in der sozialen Arbeit








 

Thema der Dissertation

 

Konzepte zur Implementierung chemischer Inhalte in der sozialen Arbeit

Entwicklung, Durchführung und Evaluation von Aus- und Fortbildungsmaßnahmen zum Thema „unbelebte Natur“ für (angehende) MitarbeiterInnen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

 

Ausgangslage:

 

Insbesondere seit den PISA-Studien wird die deutsche Bildungslandschaft besonders dafür kritisiert, dass in fast keinem anderen Land der Bildungserfolg stärker von der sozialen Herkunft abhängig ist. Ähnliche Korrelationen existieren bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Den verschlechterten Bildungs- und Aufstiegschancen junger MigrantInnen und sozial Benachteiligter steht zugleich ein Fachkräftemangel – besonders im naturwissenschaftlich-technischen Bereich – gegenüber. Hierdurch entstehen massive finanzielle Verluste, sowohl auf Seiten der Wirtschaft als auch für die sozialen Sicherungssysteme.

Um diese Situation langfristig zu verbessern, sind sämtliche Bildungsinstitutionen gefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Auch der außerschulische Bereich befindet sich zunehmend in der Pflicht dazu, auch wenn hier der gesetzlich verankerte Bildungsauftrag häufig noch ungenügend umgesetzt wird: Letzterer ist durch das SGB XIII, §11 definiert und weist die Heranführung an den naturwissenschaftlich-technischen Bildungsbereich eindeutig als Bestandteil der zu vermittelnden kulturellen Bildung aus. Die Gründe für die massive Unterrepräsentation naturwissenschaftlicher Inhalte in der außerschulischen Arbeit sind vielschichtig: Zum einen findet im Rahmen des Studiums des Sozialwesens kaum eine adäquate Heranführung an entsprechende Themengebiete statt; der Schwerpunkt liegt insbesondere in der Vermittlung pädagogischer Kompetenzen. Zum anderen existieren noch kaum Fortbildungen zur Vermittlung chemisch-didaktischer Kompetenzen. Weiter muss davon ausgegangen werden, dass das Gebiet der unbelebten Natur bei vielen (angehenden) MitarbeiterInnen im Kinder- und Jugendbereich aufgrund ihrer eigenen Bildungsbiographie eher negativ besetzt ist, so dass eine große Hemmschwelle besteht, sich überhaupt mit diesem Themenfeld zu befassen.

Doch gerade die offene Arbeit im außerschulischen Bereich bietet sich besonders als Lernfeld an, um eine neue Herangehensweise an chemisch-physikalische Phänomene zu ermöglichen. Ohne externe inhaltliche Vorgaben bietet sie Gelegenheit für ein selbstbestimmtes, viel stärker affektiv betontes Experimentieren, welches sich vom in der Schule erteilten und bei den LernerInnen oft negativ konnotierten Unterricht abhebt. Zudem sind in diesem Arbeitsfeld überdurchschnittlich häufig Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Gesellschaftsgruppen sowie solche mit Migrationshintergrund anzutreffen. Daher erweisen sich die genannten Institutionen als besonders geeignet, um die Zielgruppe zu erreichen.

Eine erste Studie von Frau Mareike Wehmeier zeigt deutlich den Erfolg, den Experimentierprojekte zur unbelebten Natur in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit haben können: Neben einem stark verbesserten affektiven Zugang zu den Phänomenen konnte auch nachgewiesen werden, dass die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen eine verbesserte Wahrnehmung der Relevanz chemischer Phänomene für den Alltag und für verschiedene Berufsfelder zeigen.

 

Ziel der Untersuchung:

 

Um in der Zukunft eine breitere Vermittlung von Themen der unbelebten Natur auch im außerschulischen Bereich zu gewährleisten, sind Maßnahmen zu suchen, den naturwissenschaftlich-didaktischen Bildungsbereich in effektiver Weise in die Aus- und Fortbildung der MitarbeiterInnen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu integrieren.

Im Rahmen einer Interventionsstudie setzt die geplante Arbeit damit an zwei Punkten an: Erstens sollen Fortbildungsangebote für MitarbeiterInnen, die aktuell in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit tätig sind, entwickelt und erprobt werden. Weiterhin sollen in Zusammenarbeit mit Fachhochschulen Module ausgearbeitet und praktisch umgesetzt werden, die bereits im Rahmen der Ausbildung eine Annäherung an den naturwissenschaftlichen Bildungsbereich und dessen praktische Umsetzungsmöglichkeiten gewährleisten.

Die Untersuchung der geplanten Maßnahmen erfolgt mit verschiedenen Methoden der qualitativen Sozialforschung. Besonders interessiert hier der Einfluss der Maßnahmen auf den affektiven sowie kognitiven Zugang der Untersuchungsteilnehmer zu Phänomenen der unbelebten Natur sowie die Veränderung ihrer Motivation hinsichtlich einer selbstständigen Durchführung naturwissenschaftlicher Einheiten in ihrem Berufsfeld. Die teilnehmende Beobachtung soll hierbei insbesondere Daten zur Befindlichkeit der TeilnehmerInnen während der Maßnahmen generieren; weiterhin werden Pre- und Posttests sowie persönliche Befragungen Aufschluss über die Effektivität der Maßnahmen entsprechend der o.g. Kriterien geben. Die Triangulation der verschiedenen Methoden soll dazu beitragen, ein möglichst ganzheitliches Bild des Untersuchungsgegenstandes zu erhalten.

 

 

Literatur

 

Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter (2001). Qualitätsentwicklung in der Jugendarbeit: Ein Beitrag zur aktuellen Fachdiskussion. Köln

 

Deinet, U. (2005). Handbuch offene Kinder- und Jugendarbeit. Wiesbaden: VS Verlag

 

Flick, U. (2010). Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. Reinbek: Rowohlt Verlag

 

Hurrelmann, K.; Andresen, S. (2007). Kinder in Deutschland 2007. 1. World Vision Kinderstudie. Frankfurt am Main: Fischer Verlag

 

Konsortium Bildungsberichterstattung (2006). Bildung in Deutschland. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration. Bielefeld: Bertelsmann Verlag

 

Sturzenhecker, B.; Lindner, W. (Hrsg.) (2004). Bildung in der Kinder- und Jugendarbeit. Vom Bildungsanspruch zur Bildungspraxis. Weinheim: Juventa Verlag