Fakultät für Chemie - Chemie und Didaktik der Chemie I
 
 
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Dr. Mareike Wehmeier


Promotion:  

Dissertation:  
7. Februar 2012

„Experimentier‘ nach 4“ - Steigerung der Bildungschancen von Lernenden aus sozial benachteiligten Schichten durch außerschulische Projekte zur unbelebten Natur
Mareike Wehmeier


Lebenslauf

Okt. 2008 - Sept. 2011  Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Chemiedidaktik
Aug. 2008  Abschluss „Master of Education“ und Erlangung des ersten Staatsexamens
2007 - 2008 Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Chemiedidaktik
2006 - 2008 Master-Studium des Faches Chemie (Lehramt Gymnasium/Gesamtschule)
Sept. 2006 Abschluss „Bachelor of Science“
2003 - 2006 Bachelor-Studium der Fächer Biologie (Lehramt Gymnasium/Gesamtschule) und Erziehungswissenschaften an der Universität Bielefeld

 

In der Lehre

 

 

Thema der Dissertation

 

„Experimentier‘ nach 4“ - Steigerung der Bildungschancen von Lernenden aus sozial benachteiligten Schichten durch außerschulische Projekte zur unbelebten Natur

 

In Deutschland hängen Bildungschancen stark von der sozialen Herkunft ab. Spätestens die Resultate der Schulvergleichsstudie PISA brachten diesen Zusammenhang öffentlichkeitswirksam ans Licht. Doch auch fast ein Jahrzehnt nach Veröffentlichung der ersten Ergebnisse hat sich an diesen Bildungsungleichheiten nur wenig geändert.

Der Bildungsabschluss der Eltern sowie deren Einkommen spielen eine große Rolle für die Testleistungen ihrer Kinder in Vergleichsstudien. Noch sehr viel schwerwiegender ist der extrem hohe Einfluss eines Migrationshintergrundes auf die Testergebnisse. Kinder so genannter bildungsferner Eltern schneiden im Durchschnitt deutlich schlechter ab als Kinder von Akademikern. Dabei zeigen zumindest Untersuchungen zu naturwissenschaftlichen Phänomenen, dass sich weder die Erinnerungsleistungen noch die Interessen von Kindern aus sozialen Brennpunkten von denen sozial privilegierter Kinder unterscheiden (vgl. Lück 2000)!

Versuche, diese Disparitäten zu beseitigen, können und dürfen jedoch nicht ausschließlich am Elternhaus ansetzen – vielmehr müssen Mängel im Schulsystem aufgedeckt und beseitigt werden, denn dieses ist offensichtlich bisher nicht in der Lage, soziale Ungleichheiten in den Bildungschancen zu kompensieren. Im Zusammenhang mit dem bereits genannten Migrationsaspekt kommt es beispielsweise häufig zu einer frühen Separation ausländischer Kinder an Haupt- und Förderschulen; hier mangelt es insgesamt an gut ausgebildeten Lehrkräften und attraktiven Unterrichtsmaterialien. Die Behebung dieser Missstände erfordert ein flächendeckendes und langfristiges Engagement von Seiten der Bildungsministerien und Universitäten. Um dennoch auf kurzfristigem Wege diese systembedingten Bildungsdefizite anzusprechen, erscheinen außerschulische zielgruppenorientierte Aktivitäten als eine sinnvolle Alternative.

Hier setzt das Promotionsvorhaben an: Im Rahmen einer Interventionsstudie wird der Einfluss außerschulischer Experimentierprojekte auf die Bildungschancen sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler unter Verwendung qualitativer Forschungsmethoden untersucht. Der Schwerpunkt wird dabei besonders auf Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund gelegt. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Bielefelder Jugendeinrichtungen werden für Kinder- und Jugendgruppen mit hohem Ausländeranteil Experimentierangebote entwickelt, um sich zumindest im naturwissenschaftlichen Bereich einem Ausgleich der genannten „systembedingten“ Nachteile anzunähern. Des Weiteren soll der Zusammenhang zwischen diesen Experimentierprojekten und den schulischen Leistungen untersucht und dokumentiert werden. .

Naturwissenschaftliche Bildung ermöglicht eine mündige Partizipation am öffentlichen Leben. Sie schafft Qualifikationen – und somit Berufsperspektiven - und ebnet auf diese Weise Zugänge in Fachbereiche, die Lernenden aus sozial benachteiligten Schichten ansonsten zumeist verwehrt bleiben. Daher sollen im Zuge der Forschungsarbeit auch gezielt erwachsene Angehörige der Kinder und Jugendlichen zur Teilnahme an Experimentierprojekten motiviert werden, um auch bildungspolitisch benachteiligten Elternhäusern naturwissenschaftliche Erkenntnisse näher zu bringen.

 

 

Literatur

Auernheimer, Georg (Hrsg.): Schieflagen im Bildungssystem – Die Benachteiligung der Migrantenkinder, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006.

 

Becker, Rolf; Lauterbach, Wolfgang (Hrsg.): Bildung als Privileg? Erklärungen und Befunde zu den Ursachen der Bildungsungleichheit, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004.

 

Burzan, Nicole: Soziale Ungleichheit – Eine Einführung in die zentralen Theorien, 3., überarbeitete Auflage, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007.

 

Hurrelmann, Klaus; Andresen, Sabine; TNS Infratest Sozialforschung: Kinder in Deutschland 2007 – 1. World Vision Kinderstudie, Fischer Taschenbuchverlag, Franfurt am Main 2007.

 

Lück, Gisela: Naturwissenschaften im frühen Kindesalter. Untersuchungen zur Primärbegegnung von Kindern im Vorschulalter mit Phänomenen der unbelebten Natur, LIT-Verlag Münster 2000.

 

Ueffing, Claudia M.: Pädagogik der frühen Kindheit im Kontext von Migration – Theoretische Grundlagen und erzieherische Praxis, IKO – Verlag für interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main/London 2007.