Fakultät für Chemie - Chemie und Didaktik der Chemie I
 
 
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Philipp Diebels


Philipp Diebels

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E-Mail:

 








 

Lebenslauf

seit Okt. 2014    wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Chemiedidaktik
2012 – 2014   Master-Studium der Fächer Erziehungswissenschaft (Lehramt Gym/Ge) und Biologie an der Universität Bielefeld
2013   Studienaufenthalt an der Roskilde University (Dänemark)
2012   Kurt-Hansen-Stipendium der Bayer Science & Education Foundation
2009 – 2012   Bachelor-Studium der Fächer Chemie (Lehramt Gym/Ge) und Biologie an der Universität Bielefeld

 

 

 

PROMOTIONSVORHABEN

 

Hands-on Chemie! Experimentiereinheiten für MINT-Engpassberufe in der Phase der beruflichen Orientierung an Haupt- und Gesamtschulen

 

Ausgangslage:

 

Die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen stehen in Deutschland in einem starken Zusammenhang mit der sozialen Herkunft und dem Migrationshintergrund (vgl. PISA 2012). Demnach spielen die kulturellen und sozioökonomischen Hintergründe der Heranwachsenden sowie die familiäre Herkunft mit Blick auf den schulischen Erfolg eine wesentliche Rolle.

 

Diese Bildungsungerechtigkeit setzt sich am Übergang in Ausbildung und Beruf weiter fort. Jugendliche, auf die diese ungünstigen Faktoren zutreffen, sind in besonderem Maße gefährdet nicht in eine Berufsausbildung einzumünden (vgl. BEICHT, FRIEDRICH & ULRICH 2008). Die Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt hängen dabei auch von dem erworbenen Schulabschluss ab (vgl. SOLGA 2005), da Kinder aus sozial benachteiligten Familien und / oder mit Migrationshintergrund signifikant häufiger an Haupt- und Förderschulen unterrichtet werden (vgl. KRISTEN 2002, KEMPER 2009). Etwa drei Viertel der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss und ca. die Hälfte der Schulabgänger mit Hauptschulabschluss gelang es 2008 nicht direkt in eine berufliche Ausbildung vermittelt zu werden, sondern mussten zunächst zusätzliche Qualifizierungsangebote im Übergangssystem durchlaufen (vgl. AUTORENGRUPPE BILDUNGSBERICHTERSTATTUNG 2010). Diese dramatische Entwicklung spiegelt sich ebenfalls in den Arbeitslosenzahlen wider, wonach mehr als die Hälfte der Erwerbslosen im Jahr 2013 über keinen Schulabschluss (13.4%) oder einen Hauptschulabschluss (39.5%) verfügte (vgl. BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT 2014).

 

Damit sich die Situation der benachteiligten Kinder und Jugendlichen langfristig verbessern kann, sollte diese Zielgruppe inner- und außerschulisch besonders gefördert werden. Letzteres konnte z.B. WEHMEIER (2012) in ihren Untersuchungen in Jugend- und Freizeiteinrichtungen realisieren. Dabei wurde nicht nur ein erheblich gesteigerter affektiver Zugang zu Phänomenen der unbelebten Natur auf Seiten der Lernenden nachgewiesen, sondern auch ein erhöhtes Verständnis der Bedeutung chemischer Themenstellungen für Alltag und Beruf. In dieser Forschungsarbeit liegt der Fokus auf der innerschulischen, berufsvorbereitenden Förderung von Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien und / oder mit Migrationshintergrund – ein Anliegen, welches in der chemie-didaktischen Forschungslandschaft in jüngster Zeit wenig Beachtung fand.

 

Ziel der Untersuchung:

 

Um Schülerinnen und Schüler in der Phase der beruflichen Orientierung zu unterstützen, wurde ein handlungsorientiertes Konzept entwickelt, das Ausbildungsberufe mit chemischen Bezügen in den Vordergrund rückt. Bei der Auswahl der Berufe wurden solche berücksichtigt, die als Engpassberufe gelten und/oder traditionell von Schulabgängern mit einem Hauptschulabschluss ergriffen werden (z.B. Maler/Lackierer/in, Anlagenmechaniker/in Sanitär, Heizung, Klima). Neben der Heranführung an einen MINT-bezogenen Berufskontext soll zudem ein affektiver und kognitiver Zugang zu konkreten chemischen Fragestellungen erleichtert werden. Demnach stellt sich im Rahmen des Dissertationsvorhabens die Frage, ob es mit Hilfe von handlungsorientierten Experimentiereinheiten gelingen kann, adressatenspezifische Lernbarrieren (etwa geringe Konzentrationsfähigkeit oder mangelndes Selbstkonzept) zu überwinden, so dass die Berufsrelevanz von Themen der unbelebten Natur deutlich werden kann.

 

Hierzu wurden 90-minütige Experimentiereinheiten konzipiert, die in einer zehnwöchigen Interventionsstudie jeweils an einer Haupt- (als Experimentier-AG) sowie an einer Gesamtschule (im naturwissenschaftlichen Ergänzungsunterricht) eingesetzt wurden. Jede Einheit war zugeschnitten auf einen Beruf, zu dem zwei Experimente durchgeführt und deren naturwissenschaftliche Hintergründe kleinschrittig ohne Fachvoraussetzung erarbeitet wurden. Zudem wurden wichtige, auch standortgebundene Informationen über den Beruf mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet und diskutiert.

 

Die entwickelten Maßnahmen wurden mit klassischen Methoden (teilnehmende Beobachtung, videografiegestützte Erlebnisprotokolle, Prä-/Post- und Follow-Up-Tests mittels leitfadengestützter Interviews) der qualitativen Sozialforschung evaluiert. Erste Ergebnisse zeigen u.a., dass der Chemiebezug nicht-klassischer Chemieberufe den Schülerinnen und Schülern kaum bekannt war und beim Experimentieren nur durch ein hohes Maß an Instruktionen ein Gelingen des Versuches gewährleistet werden konnte.

 

In Zukunft sollen die Einheiten aufgrund dieser ersten Erfahrungen so optimiert werden, dass sie lehrplankonform im Regelunterricht eingesetzt werden können.

 

 

Literatur

 

Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hrsg.). (2010). Bildung in Deutschland 2010. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Perspektiven des Bildungswesens im demografischen Wandel. Bertelsmann Verlag. Bielefeld.

 

Beicht, U. Friedrich, M., Ulrich, J. G. (Hrsg.). (2008). Ausbildungschancen und Verbleib von Schulabsolventen. Berichte zur beruflichen Bildung. Bertelsmann Verlag. Bielefeld.

 

Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.). (2014). Arbeitsmarkt 2013. In. Amtliche Nachrichten der Bundesagentur für Arbeit. 61 (2014) 2.

 

Kemper, T. (2009). Räumliche Ungleichverteilung von nichtdeutschen Schülern. Regionale und staatsangehörigkeitsspezifische Bildungsdisparitäten. In: Schulverwaltung. Nordrhein-Westfalen 20 (2009) 3.

 

Kristen, C. (2002). Hauptschule, Realschule oder Gymnasium? Ethnische Unterschiede am ersten Bildungsübergang. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. 54 (2002) 3.

 

Prenzel, M., Sälzer, C., Klieme, E., Köller, O. (2013). Pisa 2012 - Fortschritte und Herausforderungen in Deutschland. Waxmann Verlag GmbH. Münster.

 

Solga, H. (2005). Ohne Abschluss in die Bildungsgesellschaft. Die Erwerbschancen gering qualifizierter Personen aus soziologischer und ökonomischer Perspektive. Barbara Budrich Verlag. Opladen.

 

Wehmeier, M. (2012). „Experimentier‘ nach 4“ - Steigerung der Bildungschancen von Lernenden aus sozial benachteiligten Schichten durch außerschulische Projekte zur unbelebten Natur. Culliver Verlag. Göttingen.