Fakultät für Chemie - Chemie und Didaktik der Chemie I
 
 
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Dr. Stefanie Schwedler


StefanieSchwedler

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HABILITATIONSVORHABEN

 

Optimierung des Studienstarts im Fach Chemie - Wege aus der Überforderung

 

Ausgangslage:

 

Die hohe Abbruchquote zu Beginn des fachwissenschaftlichen Chemiestudiums (Tolciu & Sode, 2011, S. 14) stellt ein bisher zu wenig untersuchtes Problemfeld dar. Das Fach Chemie ist - selbst unter den MINT-Fächern - trauriges Schlusslicht, wenn es um einen Studienabbruch aus Leistungsgründen bzw. Überforderung geht (Heublein et. al., 2010, S. 156 f.); jeder zweite Studienabbruch (49%) in Chemie ist darauf zurückzuführen. Laut HEUBLEIN verlieren auch interessierte Studierende angesichts der Anforderungen „ihre Motivation, die anspruchsvollen Studien- und Prüfungsaufgaben zu erfüllen“ (ebd., S. 157).
Bisher wurden nur wenige chemiespezifische, fachdidaktische Faktoren für Überforderung und Demotivierung untersucht. So zeigt BUSKER den Zusammenhang zwischen Vorwissen und Studienerfolg auf (Busker & Parchmann, 2010) und verweist auf die heterogenen Eingangsvoraussetzungen zu Studienbeginn (Busker et. al, 2011). Inwieweit andere Aspekte wie z.B. das Abstraktionsniveau, der Einfluss differentieller Lernmilieus, laborpraktische Fertigkeiten oder inhärente Fachstrukturen zur Problemlage in Deutschland beitragen, wurde bisher nicht umfassend untersucht.
CHITTLEBOROUGH et. al. (2002) haben gezeigt, dass bei australischen Studierenden ein Mangel an submikroskopischen, mentalen Modellen zu Beginn der ersten Semesters vorliegt und es zudem eine universitäre Tendenz zur Vernachlässigung der submikroskopischen Ebene gibt. In Deutschland ist diese Frage weitgehend unerforscht.

 

Ziele des Forschungsprojekts:

 

Zunächst sollen fach- und lernmilieuspezifische Ursachen für die Überforderung und Demotivierung von Studierenden im ersten Studienjahr identifiziert werden. Es ist das Ziel, auf dieser Grundlage maßgeschneiderte Konzepte und Lösungswege zur Verminderung von Überforderung und Demotivierung zu entwickeln und auf ihre Wirksamkeit zu testen. Ein besonderes Augenmerk liegt in der Frage, ob und wie eine gezielte Förderung mentaler, submikroskopischer Modelle den Studieneinstieg erleichtern kann

 

Methodisches Vorgehen:

 

Eine qualitative Interviewstudie bildet den Ausgangspunkt des Projekts. Dazu wird eine Kohorte fachwissenschaftlicher Chemiestudierender im ersten Semester an der Universität Bielefeld begleitet und zu den auftretenden Überforderungssituationen und ihren Motivationsstand befragt. In problemzentrierten Interviews wird den kritischen Situationen und Fachaspekten im Kontext der individuellen Problemlage der Studierenden nachgespürt. Diagnostische Gesprächsanteile im Rahmen der Interviewstudie sollen klären, inwieweit die fachliche Überforderung mit einem Mangel an submikroskopischen Modellvorstellungen der Studierenden einhergeht.

Dank Anforderungsvielfalt und Betreuungsschlüsssel bietet sich im Laborpraktikum eine einzigaratige Lerngelegenheit, die durch das von AUSUBEL (1970) beschriebene Bedürfnis junger Erwachsener zur respektvollen Auseinandersetzung mit Erwachsenen noch an Wert gewinnt. Mittels teilnehmender Beobachtung werden die Praktikumsabläufe auf die identifizierten Ursachen und auf die Einbindung submikroskopisch-ikonischer Modelle untersucht. Anschließend sollen Konzepte und Materialien entwickelt werden, welche durch den Aufbau mentaler Modelle, die Berücksichtigung altersgemäßer und heterogener Lernvoraussetzungen, die Verbesserung des des differentiellen Lernmilieus (Bornkessel & Asdonk, 2011), den Einsatz von Peers o. ä einer Überforderung und Demotivierung Studierenden entgegenwirken. Die Wirkung wird per Intervention im Prä-Post-Follow-Up-Design Überprüft.

 

 

Förderung


Ich danke dem Fonds der chemischen Industrie für die Förderung meines Habilitationsprojektes

StefanieSchwedler

 

 

 

 

 

Literatur

 

Ausubel, D. P. (1970). Das Jugendalter. Fakten. Probleme. Theorie. München: Juventa.

 

Bornkessel, P., & Asdonk, J. (2011). Der Übergang Schule-Hochschule. Wiesbaden: VS Verlag.

 

Busker, M., Klostermann, M., Herzog, S., Huber, A., & Parchmann, I. (2011). Nicht nur Schulwissen aufrischen: Vorkurse in Chemie. Nachrichten aus der Chemie, 684-688.

 

Busker, M., & Parchmann, I. (2010). Eingangsvoraussetzungen von Studienanfängern im Fach Chemie: Welches Vorwissen und welche Interessen zeigen Studierende? CHEMKON, 163-168.

 

Chittleborough, G. D., Treagust, D. F., & Mocerino, M. (2002). Constraints to the development of first year university chemistry students' mental models of chemical phenomena. In 11th Annual Teaching and Learning Forum for Western Australian Universities (pp. 43-50).

 

Heublein, U., Hutzsch, C., Schreiber, J., Sommer, D., & Besuch, G. (2010). Ursachen des Studienabbruchs in Bachelor- und in herkömmlichen Studiengängen. HIS: Forum Hochschule, Hannover.

 

Johnstone, A. (2000). Teaching of chemistry - logical or psychological? Chemistry Education Research and Practise, 1(1), 9-15. Retrieved from http://pubs.rsc.org/en/content/articlehtml/2000/rp/a9rp90001b

 

Marohn, A., (2008). Ionenbildung durch Strom? Chemkon, 15(2), 75-84. doi:10.1002/ckon.200810073

 

Petermann, K., Friedrich, J., & Oetken, M., (2008). „Das an Schülervorstellungen orientierte Unterrichtsverfahren“. Chemkon, 15(3), 110-118. doi:10.1002/ckon.200810074

 

Tolciu, A., & Sode, M. (2011). Mehr Studienanfänger: Mehr Studienabbrecher? HWWI policy paper No 61.