Fakultät für Chemie - Fachschaft Chemie
 
 
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Chemiestudium

Chemie - ein vielseitiges Studium mit Zukunft


„Chemie ist, wenn es raucht und stinkt. Physik ist, wenn es nie gelingt”,


sagt der Volksmund. Doch so ganz richtig ist beides nicht. Warum? Nun, zum einen mag auch den Physikern hin und wieder etwas gelingen, zum anderen ist Chemie deutlich mehr als die Aneinanderreihung von explodierenden Schauversuchen, wie man sie vielleicht aus der Schule kennt.

Genau genommen ist Chemie „die Lehre von den Reaktionen von Stoffen aus der belebten und unbelebten Umwelt und den dahinter stehenden Gesetzmäßigkeiten”. Ob chemische Reaktionen in der Atmosphäre, die uns unter anderem das Ozonloch bescheren, oder die Synthese neuer Katalysatoren für unsere Autos, ob Verbesserung von Kunststoffen oder die Entwicklung von neuen Medikamenten - all dies und noch viel mehr fällt in den Bereich der Chemie.

Dementsprechend vielfältig ist auch das Berufsbild des Chemikers. Nicht nur die chemische Industrie stellt Chemiker für Entwicklung, Produktion und Verkauf ein, auch Betriebsberater und Marketingagenturen bieten zahlreiche Jobs für Naturwissenschaftler an.

Die Gehälter in der Chemie sind entsprechend gut. 2009 betrug der tarifliche Jahreslohn für promovierte Chemiker im zweiten Berufsjahr stolze 62.590 Euro. Somit sind derzeit die Bereiche der Chemie- und Pharmaindustrie unter den drei am besten zahlenden Branchen. Allerdings wird für die meisten Stellen der Abschluss einer Doktorarbeit vorausgesetzt.


Bachelor

Im dreijährigen Bachelorstudium wird der Grundstein für selbstständiges wissenschaftliches Arbeiten in der Chemie gelegt. Theoretische und methodische Fachkenntnisse in den allgemeinen Naturwissenschaften (neben dem Schwerpunkt Chemie insbesondere auch in der Physik und der Mathematik) werden in Vorlesungen, Übungen und Laborkursen vermittelt. In diesen Laborpraktika wird den Studenten beigebracht, unabhängig chemische Fragestellungen zu bearbeiten und die nötige Vorab-Recherche in naturwissenschaftlichen Zeitschriften und Büchern zu leisten.

Gegen Ende des Bachelors kann zwischen den Profilen Experimentalchemie und theoretische Chemie gewählt werden. Im Profil Experimentalchemie werden die Spezialisierungspraktika der anorganischen, organischen und physikalischen Chemie belegt, für das Profil theoretische Chemie die Vertiefungs- und Spezialisierungsmodule der theoretischen Chemie.

Genaue Informationen über die Veranstaltungen können den Netzplänen entnommen werden.

Den Abschluss des Bachelors bildet eine eigenständige Forschungsarbeit in einer der universitären Forschungsgruppen mit einem Zeitrahmen von knapp 2 Monaten, nach deren Absolvieren man den Titel „Bachelor of Science” tragen kann.

Es bleibt anzumerken, dass mit einem naturwissenschaftlichen Bachelorabschluss der Berufseinstieg schwierig, wenn nicht gar unmöglich, ist. Die meisten Stellenangebote setzen einen Masterabschluss oder eine Doktorarbeit voraus.


Master

Im zweijährigen Master wird das im Bachelorstudium gesammelte Chemiewissen vertieft und spezialisiert. Der Master ist streng auf Forschung ausgerichtet und beinhaltet Forschungspraktika, die an den Ablauf der Bachelorarbeit angelehnt sind. Da diese Praktika auch im Ausland absolviert werden können, ist dies ein geeigneter Zeitpunkt, um internationale Erfahrungen zu sammeln.

Im Master Chemie findet die erste individuelle Spezialisierung durch die Auswahl zwischen den Profilen “Physikochemie”, “Synthese” und “theoretische Chemie und Computeranwendungen” statt.

Den Abschluss des Studiums bildet eine halbjährige Forschungsarbeit - die Masterarbeit - mit der man sich den Titel „Master of Science” verdient.


Promotion

In der Chemie ist es gang und gäbe, im Anschluss an den Master (bzw. das frühere Diplom) eine ca. dreijährige Doktorarbeit anzufertigen, um den naturwissenschaftlichen Doktortitel zu erlangen. In dieser Zeit forscht der Doktorand selbsttätig für längere Zeit in einer der Arbeitsgruppen der Chemiefakultät an hochaktuellen Themen. Währenddessen ist der Doktorand in der Regel im Arbeitskreis angestellt und bezieht ein (geringes) Gehalt. Als Gegenleistung beteiligt er sich am Lehrbetrieb der Universität (Assistent in Praktika oder Tutor für Vorlesungen).

Der Abschluss einer Doktorarbeit ist für viele ausgeschriebene Stellen eine Voraussetzung und wird durch erhöhte Einstiegsgehälter und -positionen belohnt.


Ein Chemiestudium braucht Zeit und Hingabe

8 Jahre sind die Regelstudienzeit eines naturwissenschaftlichen Studiums, die bei nicht-Bestehen einer Klausur oder privaten zeitlichen Engpässen oft nicht erreicht wird. Ohne die Doktorarbeit ist das Studium in 5 Jahren beendet, bietet allerdings nicht so gute Berufsaussichten. Doch der Vergleich mit anderen Studiengängen wie Jura und Medizin zeigt, dass auch hier das Studium lange dauert, folgt doch in diesen Bereichen z.B. ein Referendariat oder die Ausbildung zum Facharzt auf das Studium an der Universität.

Schwerer wiegt die Zeit, die man während des Studiums opfern muss, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Vorlesungen, Übungen und Praktika halten die Studenten während des Semesters und der vorlesungsfreien Zeit (von Vielen leichtfertig als „Semesterferien” bezeichnet) gut beschäftigt. Die wenigsten Studenten können sich leisten, nebenbei einen zeitintensiven Nebenjob auszuüben. Das legendäre „Partyleben” eines Studenten ist (zumindest in den Naturwissenschaften) nur ein Mythos.

Doch wer die Zeit investiert, wird mit einem abwechslungsreichen und interessanten Studium belohnt, das eine angenehme Mischung aus Theorie und Praxis bietet.


Was muss ein Chemiestudent mitbringen?

Die allerwichtigsten Voraussetzungen für die Aufnahme eines Chemiestudiums sind Interesse und Motivation! Ein Vorwissen in den Bereichen Physik, Chemie, Mathematik und Biologie ist hilfreich, aber keine Pflichtvoraussetzung, denn Wissen kann mit Zeit und Hingabe erarbeitet werden. Wichtig sind darüber hinaus eine analytische Denkfähigkeit,da experimentelle Ergebnisse analysiert und interpretiert werden müssen, keine Berührungsängste mit Mathematik (Chemie ist deutlich mathematischer als man vermutet, siehe auch Stolperfalle Mathematik) oder Englisch (die meisten guten Bücher und nahezu alle modernen wissenschaftlichen Veröffentlichungen sind auf Englisch verfasst, sieh auch English, please) sowie Geduld und Frusttoleranz: Klappt das Experiment heute nicht, klappt es - vielleicht - morgen.

Es schadet auch nicht, sich bereits vor Aufnahme des Studiums Gedanken über die Finanzierung zu machen, denn wie erwähnt schließen sich naturwissenschaftliche Studiengänge und Nebenjobs in der Regel aus.

Für den eiligen Leser

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