Fakultät für Chemie - Fachschaft Chemie
 
 
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Das chemische Praktikum

Das chemische Praktikum


Jeder Naturwissenschaftler bekommt seine Daten aus dem Experiment, doch auch Experimentieren will gelernt sein. Und genau dies, also die praktische Seite des (Bio-)Chemie Studiums, verbirgt sich hinter dem Chemischen Praktikum. Bei diesen Praktika handelt es sich um universitätsinterne Veranstaltungen, welche in speziellen Laborräumen der Universität stattfinden, es hat also nichts mit einem betrieblichen Praktikum zu tun.

Das chemische Praktikum untergliedert sich in fünf Bereiche, welche die einzelnen Schwerpunkte im (Bio-)Chemiestudium darstellen, und können in höheren Semestern mehr oder weniger nach Wahl kombiniert werden:



Die Praktika der einzelnen Bereiche bauen aufeinander auf: Zunächst müssen die Grundpraktika AC, PC und OC absolviert werden, bevor die entsprechenden Weiterführenden Praktika in diesen Bereichen belegt werden können. Den Abschluss bilden die Fortgeschrittenen Praktika, welche nur noch als Wahlpflicht belegt werden. Das BC-Praktikum ist nur für die Biochemiker Pflicht, während die TC-Praktika von allen Studierenden nur als Wahlpflicht belegt werden können.


Ein Tag im Praktikum

Ein normaler Tag im Praktikum läuft etwa so ab:

Zunächst wird in einem Antestat durch den Laborassistenten überprüft, ob sich alle Studenten entsprechend vorbereitet haben, d.h. die Details des Experiments kennen und mit den Sicherheitsbestimmungen vertraut sind. Viele Informationen diesbezüglich findet ihr im Versuchsskript, oft muss aber auch ein Lehrbuch und das Internet zu rate gezogen werden, damit man nicht vom Assistenten zur „Nachrecherche” in die Bibliothek geschickt wird.

Hat man das Antestat überstanden, kann das Experiment losgehen. Zunächst muss man sich die Chemikalien organisieren und die Gerätschaften aufbauen, die für das Experiment nötig sind. Zum Glück stehen „Hiwis” (kurz für Hilfswissenschaftler) - also Studenten aus höheren Semestern - mit Rat und Tat zur Seite. Die Assistenten kontrollieren die Arbeit und geben hin und wieder auch hilfreiche Tipps.

Abschließend muss noch zuhause das Versuchsprotokoll angefertig werden, in welchem die Ergebnisse präsentiert werden. Dieses wird vom Assistenten korrigiert und wenn es den Anforderungen genügt auch abgezeichnet. Ist dies nicht der Fall, darf man sich am nächsten Praktikumstag über ein weiteres Protokoll zur Korrektur freuen.



Das AC-Praktikum


Das erste Praktikum im Studium ist das AC-Grundpraktikum, es findet im 1. Semester statt und muss von allen (Bio-)Chemie Studierenden besucht werden. Im AC-Praktikum lernt man, was es heißt, im Labor zu arbeiten. Sicherheit und Sauberkeit im Experiment sind hier die Fähigkeiten, die es zu erlernen gilt. Aber natürlich wird auch nach Herzenslust experimentiert. Aber Vorsicht: Gute Vorbereitung ist hier das A und O, besonders wenn man mit gefährlichen Chemikalien arbeitet. Und natürlich müssen die theoretischen Grundlagen des Experiments auch verstanden werden, schließlich muss nachher ein Versuchsprotokoll erarbeitet werden.

Um das Praktikum erfolgreich zu bestehen, müssen alle Protokolle vom Assistenten abgezeichnet werden. Den Abschluss des Praktikums bildet dann eine Substanzanalyse, welche erfolgreich absolviert werden muss, um das Praktikum endgültig zu bestehen - daran ist schon so mancher gescheitert. Als Belohnung findet zum Abschluss des Praktikums die Traditionelle AC-Laborparty statt, wo das bestandene Praktikum gefeiert werden kann.


Im 4. Semester folgt das weiterführende AC-Praktikum, welches von allen Chemiestudierenden belegt werden muss. In den Semesterferien des 5. Semesters findet das AC-Praktikum für Fortgeschrittene statt, welches als Wahlpflichtveranstaltung belegt werden kann.



Das PC-Praktikum


Das zweite Praktikum ist das PC-Praktikum, es findet in den Semesterferien des 1. Semesters statt. Im Gegensatz zur AC spielen hier Mathematik und Physik eine elementare Rolle. Die Experimente selbst sind meist recht einfach durchzuführen, dafür haben es die Protokolle meistens in sich. Genau wie im AC-Praktikum gilt auch hier die Struktur: Antestat, Versuch, Abtestat. Wer sich hier auf das Antestat nicht vorbereitet hat, der hat wirklich ein Problem, denn die Theorie steht hier im Vordergrund und wird auch im Abtestat, sowie im Protokoll noch einmal abgeprüft. Besteht ein AC-Protokoll zum größten Teil aus der Durchführung, nimmt im PC-Protokoll eine detaillierte Auswertung mit Programmen wie Origin die meiste Zeit in Anspruch. Zusätzlich werden Antestat, Protokoll und Abtestat benotet und wer zu schlecht abschneidet muss beim Praktikumsleiter vorsprechen. Aber die Mühe wird belohnt, zum Abschluss gibt es wieder eine Party.


Im 4. Semester folgt das weiterführende PC Praktikum, welches ebenfalls Pflicht für alle Studierenden der (Bio-)Chemie ist. Im 5. Semester kann optional das PC-Praktikum für Forgeschrittene belegt werden.



Das OC-Praktikum


Das OC-Praktikum beginnt in der Mitte des 2. Semesters und legt den Focus wieder eher auf das praktische Experimentieren. Zwar sind Antestat und Abtestat auch hier Pflicht - insbesondere die Vorbereitung auf die Gefahrstoffe - aber das Experiment steht im Vordergrund. Die Versuchsapparaturen müssen nach Anleitung selbst zusammengestellt und aufgebaut werden. Denn Techniken wie Umkristallisation, Vakuumdestillation und Extraktion wollen erlernt werden. IR-Spektren, Siedepunkt u.a. der selbst hergestellten Substanzen müssen selbst bestimmt werden, was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man bis spät Abends im Labor steht. Spätestens für dieses Praktikum ist es sinnvoll eine Glasbruchversicherung abzuschließen, denn viele der verwendeten Geräte sind teuer und bestehen aus Glas - eine recht heikle Kombination.

Die Protokolle, die natürlich auch hier angefertigt werden wollen, sind allerdings deutlich weniger aufwendig als im PC Praktikum. Zum Abschluss des Praktikums gibt es wie gewohnt eine Laborparty.



Das BC-Praktikum


Das BC-Praktikum findet im 4. Semester statt und ist selbstverständlich nur für die Biochemiestudenten Pflicht. Hier geht es um das Erlernen Biochemischer Grundlagen, wie z.B. dem Edmann-Abbau, der Gelelektrophorese oder der Säulenchromatographie. Einige Experimente nehmen viel, andere weniger Zeit in Anspruch, die Protokolle sind weniger ausführlich als in PC aber nehmen mehr Zeit in Anspruch als in AC oder OC. Das eigentliche Schema aus Antestat, Experiment und Abtestat findet sich natürlich auch hier wieder. Durch die bereits erworbene Erfahrung in AC, OC und PC ist das BC-Praktikum meist gut zu bewältigen und bietet so einen kleinen Einblick in den Arbeitsalltag eines Biochemikers.



Das TC-Praktikum


Das Praktikum in der Theoretischen Chemie stellt eine Sonderform des chemischen Praktikums dar, denn hier werden keine „Experimente” im klassischen Sinne durchgeführt. Stattdessen werden die in den TC-Vorlesungen erworbenen theoretischen Grundlagen genutzt, um am Computer numerische Simulationen durchzuführen und unter anderem die Struktur einfacher chemischer Verbindungen zu berechnen. Das TC-Praktikum baut auf den Vorlesungen TC I (Pflicht für alle Chemiker) und TC II (wählbar) auf, ist dementsprechend am Ende des Bachelors angesiedelt und nicht als Pflichtpraktikum gedacht. Die Teilnahme setzt ein gewisses Interesse an den mathematischen Methoden der Theoretischen Chemie voraus.