

Ausgangspunkt der Überlegungen für das international vergleichende Forschungsprojekt ist die Frage nach dem subjektiven Wohlbefinden und den Bedingungen eines „gelingenden Lebens“ aus der Perspektive von Kindern zwischen 6 und 12 Jahren. Im Fokus steht damit eine empirische Analyse kindlicher Vorstellungen vom guten Leben im Kontext sozialer, kultureller und politischer Transformationsprozesse. Der Capability Ansatz wird in diesem Zusammengang als interdisziplinäre Forschungsperspektive zugrunde gelegt (vgl. Sen 1992; Nussbaum 1999), mit dem Potential, ein alternatives Fundament der Bildungs- und Wohlfahrtsforschung anzubieten (vgl. Oelkers/Schrödter 2008). Kinder werden im Sinne der neueren sozialwissenschaftlichen Kinder- und Kindheitsforschung als Akteure begriffen, die in ihren sozialen Praktiken ihren Alltag aktiv herstellen. Während in bisherigen Forschungen zu der Perspektive von Kindern weitestgehend die Sicht von Erwachsenen vorherrschend einbezogen wurde, wird im Zusammenhang mit der geplanten internationalen Studie eine kind- und akteursbezogene Forschungsperspektive eingenommen. Einer verengten Perspektive auf Kindheit und Kinderleben (‚Adultismus’) soll mit der Studie auch erstmalig international begegnet werden. An der Studie werden Länder aus West- und Osteuropa beteiligt sein. Zur weiteren Vorbereitung ist eine internationale Tagung geplant.
Das Gesamtziel des Vorhabens ist die Untersuchung von kindlichen Vorstellungen über ein gutes Leben im internationalen Vergleich. Dazu gilt es, sich dem Spannungsverhältnis zwischen subjektivem Erleben von Handlungsmöglichkeiten sowie der struktureller Verfasstheit kindlicher Lebenswelten zu stellen. Somit wird der Forschungsfrage aus zwei unterschiedlichen Perspektiven (subjektive Perspektiven und Strukturbedingungen) nachgegangen. Das Forschungsprogramm gliedert sich demnach in zwei Forschungsdimensionen:
Der erste Teil des Forschungsvorhabens fokussiert explizit die Perspektive der Kinder. Der Zugang erfolgt anhand drei aufeinander abgestimmter Forschungsphasen (qualitative Explorationsstudie, quantitative Fragebogenuntersuchung, qualitative problemzentrierte Vertiefung), die zeitlich, inhaltlich sowie methodisch aufeinander aufbauen.
Der zweite Teil des Forschungsvorhabens untersucht den länderspezifischen sozialstrukturellen Kontext, in denen Kinder aufwachsen. Die Kombination von Aussagen über kindliche Lebensvorstellungen eines guten Lebens einerseits mit der Analyse des sozialstrukturellen Kontextes andererseits ermöglicht im Ergebnis eine empirisch gesättigte und umfassende, ganzheitliche Betrachtung unserer Fragestellung.
Beteiligt sind an der Universität Bielefeld, Fakultät für Erziehungswissenschaft, die Arbeitsgruppen 1 (Allgemeine Erziehungswissenschaft), AG 9 (Medienpädagogik, Forschungsmethoden und Jugendforschung) und AG 10 (Migrationspädagogik und Kulturarbeit).