Fakultät für Erziehungswissenschaft
 
 
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Universität Bielefeld > Fakultät für Erziehungswissenschaft > AG 8 Soziale Arbeit
  

Die aktivierungspädagogische Bearbeitung von Übergängen von der Schule in den Beruf: Biographische Übergänge zwischen individuellem Selbstprojekt und institutioneller Regulierung

An der Schnittstelle von Übergangs-/Lebenslaufforschung, Organisationsanalyse und mikrosoziologischen Analysen Sozialer Arbeit nimmt die Studie institutionelle Bearbeitungsmuster von Übergängen durch Organisationen des Übergangssystems in den Blick. Auf der Basis von biografischen Interviews, Expert*inneninterviews und Beobachtungen im Rahmen einer institutionellen Ethnografie werden die konkreten lokalen Ausprägungen von Aktivierungspraxen sowie die darin stattfindende interaktive Herstellung von marktförmigen Biografien rekonstruiert.

Organisationen im Feld Sozialer Arbeit entscheiden über Mitgliedschaftsrollen in wichtigen gesellschaftlichen Teilsystemen mit und sind empirischer Ort ungleichheitsrelevanter Differenzkonstruktions-, Unterscheidungs- und Klassifikationspraxen. Die Arbeit folgt der These, dass die „Regulierung“ von Übergängen auch in der konkreten Bearbeitung von Biografien stattfindet, insofern die institutionellen diskursiven Umwelten als Entstehungszusammenhang für praktische Selbstverhältnisse fungieren. Die biografischen Interviews werden vor dem Hintergrund subjektivierungstheoretischer und Agency-theoretischer Ansätze analysiert und als spezifische Ausformung von biografischer Subjektivität im Rahmen diskursiv, durch den institutionell abgesteckten Rahmen an intelligiblen Selbstbeschreibungen hervorgebracht verstanden.

Promovierender: Stephan Dahmen

Subjektkonstitution in Hilfeplangesprächen – Zur Positionierung von Kinder und Jugendlichen in Differenzordnungen und ihrem Status als Subjekt

In der Dissertation werden Hilfeplangespräche mit einem subjektivierungs- sowie anerkenungstheoretisch informierten Fokus analysiert. Die qualitativ-empirische Analyse geht dabei zunächst theoriegenerativ vor und fragt nach den Fremd- und Selbstpositionierungen von Kindern und Jugendlichen in (hilfeplan-relevanten) Differenzordnungen. Unter anerkennungstheoretischer Perspektive wird in einem zweiten Schritt danach gefragt, inwiefern die „Ansprachen“ von Fachkräften an Kinder und Jugendliche eine Selbstkonstitution als Subjekt zugestehen bzw. deren Subjektstatus infrage stellen oder aberkennen.

Promovierende: Birte Klingler

Wirkungsorientierung in der Jugendhilfe - Ziele und ihre Implikationen

Ausgehend von den Erfahrungen mit und den Erkenntnissen aus der Evaluation des Bundesmodellprogramms „Wirkungsorientierte Jugendhilfe“ werden im Rahmen der Dissertation die ethischen und normativen Implikationen des Wirkungsdiskurses im Allgemeinen und die Auswahl spezifischer Wirkungsindikatoren zu Evaluations-/Controllingzwecken im Besonderen beleuchtet. Rückgebunden an die Diskurse um Teilhabegerechtigkeit und kindliche Bedürfnisorientierung werden in diesem Zusammenhang auch die Potenziale des Capabilities Approach als evaluatives Rahmenkonzept ausgelotet.

Promovierende: Stefanie Albus

Soziale Arbeit als biographisierte Lebenslaufpolitik (Arbeitstitel)

Die lebenszeitliche Dimension individueller Lebenssituationen und Problemlagen ist eine wichtige Bezugsgröße fachlicher Ansätze in der Sozialen Arbeit: Es werden sowohl vergangene biographische Erfahrungen wie auch auf die Zukunft gerichtete Lebensperspektiven in Hilfeplanung und Hilfeprozesse - mehr oder weniger systematisch - einbezogen. In meiner Arbeit gehe ich der Frage nach, was diese handlungspraktischen Sachverhalte zur theoretischen Bestimmung Sozialer Arbeit beitragen. Unter Rückgriff auf soziologische und erziehungswissenschaftliche Lebenslauf- und Biographietheorien wird die Bedeutung der meist konträr genutzten Begriffe 'Lebenslauf' (als gesellschaftlich normierte Lebensverläufe) und 'Biographie' (als individuell gelebtes, erlebtes und erzählbares Leben) für die Soziale Arbeit herausgearbeitet. Dabei fokussiere ich die Rolle des modernen Staates und seiner Sozialpolitik als regulierende Instanz der Lebenszeit, um vor diesem Hintergrund die Relevanz der Sozialen Arbeit als sozialpolitische Interventionsform zu diskutieren. Daran anschließend nehme ich die Rolle von Jugend als politisch und pädagogisch hergestellte und regulierte - und für die Soziale Arbeit besonders zentrale - Lebensphase in den Blick, die mit bestimmten Individuations- und Integrationsanforderungen ausgestattet ist. Die Ergebnisse aus einer eigenen biographischen Studie mit sog. 'Teenagermüttern' geben Einblicke in Bewältigungsstrategien und Belastungserfahrungen junger Mütter in Einrichtungen Sozialer Arbeit und machen so anhand dieser 'besonderen' Zielgruppe exemplarisch deutlich, wie sich die Bearbeitung 'riskanter' und 'abweichender' Lebensverläufe durch Soziale Arbeit als biographisch ausgerichtete Lebenslaufpolitik darstellt. Die Arbeit leistet insofern einen Beitrag zur Hilfe-Kontrolle-Debatte in der Sozialen Arbeit, als dass die vermeintlichen Pole der Ermöglichung von Biographie und der Kontrollierung von (Normal-)Lebenslauf aufeinander bezogen werden und Biographie als praktischer Modus gesellschaftlich geordneter Lebenszeit diskutiert wird.

Autorin: Bettina Ritter

Abschied vom Managerialismus: das Verhältnis von Profession und Organisation in der Sozialen Arbeit

Diese Arbeit leistet eine Verhältnisbestimmung von Organisation und Profession im Kontext Sozialer Arbeit und geht der Bedeutung von spezifischen Organisationsformen und hiermit verknüpfter Managementstrategien für die professionelle Praxis nach. Die Arbeit reagiert damit auf die mangelnde organisationstheoretische Fundierung des Professionsdiskurses und der damit verbundenen Schwierigkeit, den Einzug betriebswirtschaftlichen Managements im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe ("Managerialisierung") in seiner Relevanz und potentiellen Gefahr für die fachliche Arbeit angemessen einschätzen zu können.
Die Verhältnisbestimmung von Organisation und Profession erfolgt zunächst entlang organisationstheoretischer Ansätze, insbesondere im Anschluss an Mintzbergs Typus der "professionellen Organisation" und neoinstitutionalistische Überlegungen. Die theoretisch entwickelten Annahmen werden auf Grundlage der Befunde einer quantitativen Befragung von rund 1800 Fachkräften aus insgesamt 56 Leistungsträgern aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe überprüpft (u.a. mittels Regressions- und Clusteranalysen).
Empirisch zeigt sich, dass Merkmale des professionellen Organisationstyps eine konstitutive Bedingung einer professionellen Sozialer Arbeit darstellen. Managerialistisch geprägte Organisationen sind hingegen stärker von inneren Spannungen geprägt und restringieren in mehrerer Hinsicht die Möglichkeiten zur professionellen Leistungserbringung.

Autor: Simon Mohr
Die Dissertation kann hier heruntergeladen werden