Forschungsbericht 1997/98 - Inhalt Forschungsbericht 1997/98

Fakultät für Geschichtswissenschaft und Philosophie

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Abteilung für Geschichte - allgemeine Angaben


I. Strukturdaten

(a) Wissenschaftliches Personal
Anzahl der Hochschullehrer und -innen: 13
Anzahl der Wissenschaftlichen MitarbeiterInnen: 16 (auf etatisierten Stellen) bzw. 29 (inclusive Drittmittel-Stellen; ohne SFB)
(Stand 31.12.1998)

(b) Eingeworbene Drittmittel (Sach- und Personalmittel)
1997: 1.250.200 DM
1998: 1.808.200 DM
(1997 ohne SFB 177)
Für die Drittmittelgeber s.u. Abschnitt II


II. Organisatorische Aspekte und Schwerpunkte der Forschung

Ein Großteil der Forschungsarbeit ist (bis Ende des Jahres 1997) im Rahmen des Sonderforschungsbereiches 177 erfolgt (s. dort).

Die Sozialgeschichte hat das Ziel, Gesellschaften und ihre Geschichte zu verstehen und zu erklären. Untersuchungen von gesellschaftlichen Teilbereichen, Gruppen und Schichten, Institutionen, Konflikten, Begriffen, Ideen usw. leisten Beiträge zu dieser Aufgabe, die sich schlüssigen Lösungen immer wieder entzieht. In diesem weiten Sinne umfaßt ein gemeinsames sozialgeschichtliches Interesse die Forschungen an der Fakultät.

Die Arbeiten in den verschiedenen Schwerpunkten verbindet zunächst ein Bündel methodischer Ziele: die Orientierung an Theorien als Mittel historischer Argumentation sowie die kontinuierliche Beschäftigung mit den theoretischen Grundlagen der Sozialgeschichte; die Bereitschaft zur Interdisziplinarität; das Interesse am Vergleich sozialer und politischer Systeme; der Versuch, struktur- und prozeßgeschichtliche Ansätze mit handlungs- und erfahrungsgeschichtlichen zu verknüpfen; schließlich die Tendenz zum Pluralismus in den angewandten Forschungsmethoden, die von quantitativ-statistischen Verfahren bis zur hermeneutischen Rekonstruktion von Alltagserfahrungen reichen. Übergreifende materiale Forschungsinteressen richten sich auf die Untersuchung des Wandels der politisch-sozialen Sprache, die als reflektierte Erfahrung und Normsetzung auch einen Weg zur Theorie der Geschichte weist. Ein weiteres grundlegendes Merkmal vieler Arbeiten ist das Problem historisch spezifischer Typen von horizontaler und vertikaler Vergesellschaftung, z.B. der Städte in der Antike und im Mittelalter oder der sozialen Klassen im 19. Jahrhundert. Engverbunden mit diesem zentralen Interesse an sozialen Formationen und Formierungsprozessen ist die Leitfrage nach den vielfältigen Bedingungen, Formen und Wirkungen sozialer Ungleichheit. Die Struktur sozialer Formationen rückt damit in eine prozeßgeschichtliche Perspektive, z.B. in der Analyse von sozialen Bewegungen, der Entstehung und Auflösung von sozialen Schichten und Klassen oder politischen Verbänden.

Die behandelten Themenfelder wie die Untersuchungen im einzelnen spiegeln die allgemeine Ausweitung und Differenzierung der Sozialgeschichte und ihrer Methoden wider. Gleichwohl bleibt zu hoffen, daß häufig geforderte Problemstellungen wie die Geschichte der Geschlechter und Kultur sowie der historische Vergleich in Zukunft über die vorhandenen Ansätze hinaus vertieft werden können. Für die Geschlechtergeschichte ist das schon jetzt der Fall. Der 1985 von der DFG eingerichtete und 1988, 1991 sowie 1994 (bis einschließlich 1997) weiterbewilligte Sonderforschungsbereich 177 Sozialgeschichte des neuzeitlichen Bürgertums: Deutschland im internationalen Vergleich ermöglichte eine wesentliche Intensivierung der vergleichenden Sozialgeschichte.

Die bewährte inneruniversitäre Kooperation mit den Fakultäten für Linguistik und Literaturwissenschaft, für Soziologie, dem USP Wissenschaftsforschung und dem Institut für Bevölkerungsforschung wurde ebenso fortgesetzt und ausgebaut wie die Zusammenarbeit mit den folgenden ausländischen Universitäten bzw. Forschungseinrichtungen: Centre des recherches historiques an der Ecole des Hautes Etudes, Paris; Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales, Paris; Universität Perugia; John Hopkins University, Baltimore, USA; Universität von Kyoto, Erasmus Universität Rotterdam, Niederlande; mit der Universität Wroclaw wird über eine mögliche Kooperation verhandelt.

Das Graduiertenkolleg über die Sozialgeschichte von Gruppen, Schichten, Klassen und Eliten an der Fakultät wurde 1986 mit Mitteln der VW-Stiftung eingerichtet und fördert seitdem Promotionen im genannten Themenbereich; mit Beginn des Jahres 1995 ist das Graduiertenkolleg in das Förder-Programm der DFG übernommen worden.
Das Graduiertenkolleg fördert besonders solche Forschungsarbeiten, die, epochenübergreifend, der Konstituierung sozialer Gruppen in Gesellschaften als einem klassischen Problemfeld der Sozialgeschichte gelten. In den letzten Jahren haben auch kulturgeschichtlich ausgerichtete Projekte und Fragen der Identitätsbildung zunehmend Beachtung gefunden. Somit gewinnt das Graduiertenkolleg durch sein Profil durch die dezidierte Ausrichtung auf die Untersuchung der Entstehung und des Wandels kohärenter, gesellschaftlich relevanter Gruppen in spezifischen gesellschaftlichen Konstellationen. Solche Großgruppen können sehr unterschiedlich, durch Konfession oder Siedlungsweise, Beruf oder Schichtzugehörigkeit, als Altersgruppen oder durch Geschlechterrollen konstituiert sein. Wichtige Arbeitsthemen sind beispielsweise im Bereich der Geschlechtergeschichte (s.u.) angesiedelt. Weitere Arbeiten gelten der Mentalitätsgeschichte, der Rezeptionsgeschichte der modernen Technik, der städtischen Lebensweisen in der frühen Neuzeit, dem frühneuzeitlichen Konfessionskonflikt, der historischen Demographie sowie der Geschichte der Kriminalität. Innerhalb der derzeit knapp 100 Doktoranden im Fach Geschichte an der Fakultät bildet das Graduiertenkolleg als "Graduiertenschule" einen eigenen Forschungsschwerpunkt. Dies wird durch eine Reihe von bereits abgeschlossenen, zum Teil inzwischen publizierten Dissertationen dokumentiert. Das Graduiertenkolleg wird durch alle Hochschullehrer der Fakultät, Abteilung Geschichte, getragen und durch ein Leitungsgremium koordiniert.

Dank des SFB und anderer Bemühungen haben die durch Drittmittel finanzierten Forschungen weiter zugenommen. Die anhaltende ungünstige Lage für den wissenschaftlichen Nachwuchs konnte dadurch wenigstens teilweise kurzfristig verbessert werden.


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