Forschungsbericht 1997/98 - Inhalt Forschungsbericht 1997/98

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Slavistik/Literaturwissenschaft


I. Forschungsarbeiten

(a) Namen der beteiligten Wissenschaftler
  Prof. Dr. Hans Günther, HD Dr. Jurij Murašov

(b) Forschungsthemen

(1) Literatur und Kultur der Stalinzeit

Dieser seit längerem bestehende Schwerpunkt wurde auch in dem Berichtszeitraum fortgesetzt. Im Mittelpunkt stand das Problem der Archetypen in der sowjetischen Kultur, inbes. der Figur des "weisen Vaters" Stalin und des sich im sowjetischen Massenlied, der Filmkomödie und dem neuen Frauenbild ausprägenden Mutterarchetyps.

Im Rahmen des Drittmittelprojekts "Glossarium der Literatur des sozialistischen Realismus" fanden zwei Arbeitstagungen an der Universität Bielefeld statt, die den Themen "Motive, Gestalten und Gattungen des Sozrealismus" und "Text und Diskurs des Sozrealismus" gewidmet waren. Das Projekt wurde 1998 abgeschlossen. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse in russischer Sprache in St. Petersburg unter dem Titel "Socrealistic¬eskij kanon" wird vorbereitet.

(2) Erforschung des Werkes von Andrej Platonov

Die Beschäftigung mit dem russischen Autor verläuft in Zusammenarbeit mit dem Moskauer Institut für Weltliteratur (IMLI, bes. N. Kornienko). Im Vordergrund standen kulturwissenschaftliche Fragestellungen, etwa nach der Vaterproblematik und den Erscheinungsformen des "Jurodstvo" im Werk des Autors.

(3) Oralität/Literalität

Die Problematik Mündlichkeit/Schriftlichkeit wurde in einer weiteren medientheoretischen Perspektive u. a. im Kontext dreier Themenbereiche erforscht: a) Literalität und Körperlichkeit; b) Schrift/Literatur und Recht im 19. Jahrhundert (Kireevskij, Dostoevskij, Solov'ev) sowie Sowjetkultur (Schauprozesse); c) Das Medium des Geldes in der russischen Literatur bzw. Kultur (17. -19. Jh. und frühe Sowjetperiode); die Forschungsvorhaben b) und c) wurden mit DFG-Mitteln für Arbeitsaufenthalte in Rußland unterstützt. Eine Monographie zum Thema "Schrift und Geld in Rußland" ist in Vorbereitung.

(4) Slavistische Filmtage

Zusammen mit Frau Dr. Natascha Drubek Meyer, Universität München, und mit Unterstützung des Münchner Filmmuseums wurden vom 30. Jan - 1. Febr. 98 die II. Slavistischen Filmtage veranstaltet, die anläßlich des 100. Geburtstages dem russischen Regisseur Sergej Ejzens¬tejn gewidmet waren. Ein Band mit den Beiträgen wird vorbereitet.



II. Drittmittelprojekte
  1. Antragsteller: Prof. Dr. H. Günther (zusammen mit Prof. Dr. Th. Lahusen und Dr. E. Dobrenko, beide Duke University, USA)
  2. Titel: "Glossarium der Literatur des sozialistischen Realismus"
  3. Drittmittelgeber: Volkswagenstiftung


III. Wissenschaftliche Veröffentlichungen

Günther, H. (1997) "Das Massenlied als Ausdruck des Mutterarchetypus in der sowjetischen Kultur". In: "Mein Russland". Literarische Konzeptualisierungen und kulturelle Projektionen, Wiener Slawistischer Almanach, Sonderband 44, 337-355.

Günther, H. (1998) "Jurodstvo i 'um' kak protivopoloz¬nye toc¬ki zrenija u Andreja Platonova". In: Sprache und Erzählhaltung bei Andrej Platonov, hrsg. von R. Hodel und J. P. Locher, Bern/Berlin/Frankfurt u.a., S. 117-131.

Günther, H. (1998) "Von der 'Vaterlosigkeit' zum 'Vater der Völker'. Zur Entwicklung eines Themas im Werk A. Platonovs", Zeitschrift für Slavische Philologie 57, H. 2, 317-329.

Murašov, J. (1997), Das tastende Auge des Eros. Zur Medialisierung der Liebe in Vl. Nabokovs Lolita, in: Schreibheft 50, S. 219 - 224.

Murašov, J. (1998), Schrift und Geschlecht. Zur medialen Pragmatik des Briefmotivs in A. Puškins Evgenij Onegin, in: Die Welt der Slaven, XLIII, S. 175-188.

Murašov, J. (1998), Schrift unter Verdacht. Zur inszenierten Mündlichkeit in den sowjetischen Schauprozessen der 30er Jahre, in: Sabine Arnold, Christian Fuhrmeister, Dietmar Schiller (Hrsg.), Politische Inszenierung im 20. Jahrhundert. Zur Sinnlichkeit der Macht, Wien: Böhlau Verlag, S. 83 - 94.



IV. Promotionen

Ulrike Brinkjost: Die Wahrheit - Quell der Freude und des Nutzens. Zur Verschränkung von Ästhetik- und Wissenskonzepten im Werk N. M. Karamzins. 1998



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