Forschungsbericht 1997/98 - Inhalt Forschungsbericht 1997/98

Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft

Suchen nach:
Niederdeutsche Sprache und Literatur Neuere deutsche Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft

5. Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft  >>  B. Spezielle Darstellung  >>  B.1. Forschungsbereich Linguistik

Deutsch als Fremdsprache


I. Forschungsarbeiten
 
Projekt 1

(a) Namen der beteiligten Wissenschaftler
  Prof. Dr. Lutz Götze (Saarbrücken), Prof. Dr. Gerhard Helbig (Leipzig), Prof. Dr. Gert Henrici (Bielefeld), Prof. Dr. Hans-Jürgen Krumm (Wien)

(b) Forschungsthemen

Fortsetzung der Arbeit am Handbuch Deutsch als Fremdsprache, das im Jahr 1999 in der Reihe 'Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft' (de Gruyter) erscheinen wird.

 
Projekt 2

(a) Namen der beteiligten Wissenschaftler
  Dr. Lutz Köster

(b) Forschungsthemen

Phraseodidaktik: Phraseolexeme in Horoskopen

Phraseologismen gehören ohne Zweifel zum heutigen Deutsch, man mag sogar annehmen, wie es Hausmann (1993) provokant formuliert hat, daß in einer Sprache "(fast) alles idiomatisch" ist. Sie finden sich in der alltagssprachlichen Kommunikation, in Fachsprachen, journalistischen Texten, begegnen also dem Deutschlernenden auf Schritt und Tritt. Vor diesem Hintergrund muß man allerdings konstatieren, daß die Phraseologie ein Stiefkind der DaF-Didaktik ist. Viele Übungsmaterialien zur Phraseologie Deutsch als Fremdsprache haben konzeptionelle Schwächen, sie sind strukturtypologisch konzipiert; auf diesem Hintergrund bietet sich die kontrastive Arbeit mit authentischen Texten, die Phraseologismen enthalten, in DaF-Lernergruppen an.
Ein Problem, das sich bei der Vermittlung des Deutschen als Fremdsprache als erstes stellt, ist die Ermittlung des frequenten Kernbereichs oder phraseologischen Optimums. Bislang konnte die Forschung keine begründete und verläßliche Frequenzliste bereitstellen. Textsorten wie das Horoskop, in denen Phraseolexeme typischerweise vorkommen, bieten sich nun für die unterrichtliche Arbeit an, da die Horoskopmacher wegen der Zielgruppenorientiertheit der Unterhaltungsillustrierten von einem naiven und nativen, von allen geteilten Welt- und Sprachwissen ausgehen müssen. Die linguistische Sekundärliteratur zu Horoskopen ist spärlich. Eine eigene empirische Analyse von Horoskopen in Unterhaltungszeitschriften bestätigt die Vorkommenshäufigkeit von Phraseologismen und bestimmt formale und funktionale Eigenschaften der sehr frequenten verbalen Phraseolexeme.

 
Projekt 3

(a) Namen der beteiligten Wissenschaftler
  Dr. Lutz Köster

(b) Forschungsthemen

Lehrwerkforschung: Literarische Texte in Lehrwerken Deutsch als Fremdsprache

Ein noch wenig erforschter Aspekt der Lehrwerkforschung DaF, die umfassende Beurteilung der spracherwerbsstützenden, literaturdidaktisch und landeskundlich motivierten Einbindung von literarischen Texten in allgemeinsprachliche Lehrwerke, wird in diesem Forschungsprojekt untersucht. Dies geschieht am Beispiel der in die Auslandslehrwerke DaF aufgenommenen Texte von Erich Kästner; dieser Autor gehört nicht nur zum Literaturkanon der Auslandsgermanistik, seine Texte (Gedichte, Erinnerungen, zeitgenössische Berichte) finden sich auch bevorzugt in den Lehrwerken für den Sprachunterricht DaF.
Auslandslehrwerke DaF werden in den umfangreichen Lehrbuchsammlungen am Goethe-Institut München und am Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung in Braunschweig gesammelt. Im Wintersemester 1998/99 fuhren die Teilnehmer meines Hauptstudiums-Seminars zu den beiden Instituten; als Ergebnis der Lehrforschung liegt ein Reader mit Beispielanalysen zum Einsatz literarischer Texte in Lehrwerken vor.
Meine Publikation im Kästner-Jahr zu den Funktionen der Kästner-Texte beruht auf der Analyse von 180 Fundstellen aus DaF-Lehrwerken aus 20 Ländern.

 
Projekt 4

(a) Namen der beteiligten Wissenschaftler
  Dr. Lutz Köster

(b) Forschungsthemen

Museumspädagogik DaF: Vermittlung historischer Aspekte der Landeskunde

Innerhalb der Diskussion um die Landeskunde im Fach Deutsch als Fremdsprache ist es schon seit langem unbestritten, daß der deutschen Geschichte ein hoher Stellenwert einzuräumen ist: "Landeskunde ist in hohem Maße auch Geschichte im Gegenwärtigen" (ABCD-Thesen, 1990). Theoretische Positionen, verschiedene geschichtswissenschaftliche Ansätze (seit einiger Zeit etwa die kulturwissenschaftliche "Wende" innerhalb der Geschichtswissenschaft) und methodische Überlegungen bedürfen für das Fach Deutsch als Fremdsprache weiterhin der Diskussion und genaueren Klärung.

Ein Museum, das sich aufgrund seiner Zielsetzung besonders für einen Besuch von an deutscher Geschichte interessierten ausländischen Gruppen anbietet, ist das nach zwölfjähriger Planung am 14. Juni 1994 eingeweihte "Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland" in Bonn. Es gilt aber für die Integration des HdG in einen DaF-Unterricht das Ergebnis der Besucherforschung zu berücksichtigen, daß Besucherinnen und Besucher ohne Basiswissen über das Ausstellungsthema kaum neue Erkenntnisse hinzugewonnen, daß hingegen sehr kenntnisreiche Besucher überdurchschnittlich von einem Austellungsbesuch profitiert hätten.

Die im Zusammenhang mit einem Museumsbesuch durchgeführte Befragung von deutschen und ausländischen DaF-Studierenden mit Hilfe von Fragebögen und semistrukturierten Nachgesprächen ergab aufschlußreiche Bemerkungen zur innenarchitektonischen Konzeption des Museums, den Texttafeln, Objekten, Installationen, ließ aber auch den Schluß zu, daß angesichts eigener defizitärer Geschichtskenntnisse eine gezielte Vor- und Nachbereitung notwendig ist. Und das Museum setzte – auch das ist ein großer Vorteil der multimedialen Präsentation – bei den deutschen und ausländischen Studierenden die Reflexion des eigenen methodischen Vorgehens in Gang.

 
Projekt 5

(a) Namen der beteiligten Wissenschaftler
  Dr. Karin Aguado

(b) Forschungsthemen

Kolloquium zur Forschungsmethodologie in der Fremd-/Zweitsprachenerwerbsforschung (November 1997; Dokumentation erscheint)

 
Projekt 6

(a) Namen der beteiligten Wissenschaftler
  Dr. Karin Aguado

(b) Forschungsthemen

Merkmale fremdsprachlicher vs. muttersprachlicher Sprachproduktion unter besonderer Berücksichtigung der fluency

Im Rahmen des Pilotprojekts wurde zunächst querschnittartig die mündliche L2-Sprachproduktion von 13 Lernenden des Deutschen als Fremdsprache mit den Muttersprachen Ungarisch bzw. Spanisch ermittelt, beschrieben und analysiert. Die Probanden erhielten die Aufgabe, einen ihnen unbekannten 15-minütigen Film sowohl in der Fremdsprache Deutsch als auch in ihrer jeweiligen Muttersprache nachzuerzählen. Mit einem Fragebogen wurde ihre Lerngeschichte in bezug auf die Fremdsprache Deutsch erfaßt; weiter wurden sie nach ihrer emotionalen und motivationalen Stimmung während der Nacherzählung befragt sowie nach ihrer Zufriedenheit mit der eigenen Sprachproduktion, den von ihnen subjektiv wahrgenommenen Schwierigkeiten, ihren eigenen Ansprüchen in formaler und inhaltlicher Hinsicht, nach ihrem Interesse am Thema, ihrer Wahrnehmung des Zuhörers und dessen Einfluß auf die Produktion sowie nach ihrer allgemeinen Beurteilung ihrer mündlichen produktiven Fähigkeiten und ihren Sprechgewohnheiten in der Fremdsprache Deutsch. Ferner wurden sie mit Ton- und Videoaufnahmen ihrer eigenen L2-Produktionen konfrontiert und in einem retrospektiven Interview nach ihren Eindrücken dazu befragt. Außerdem erhielten sie ein Transkript ihrer Sprachproduktion mit der Aufgabe, diese nach Zufriedenheit und Sicherheit zu beurteilen.

In ihrer deutschsprachigen Produktion zeigten sich individuell unterschiedliche Muster der Umsetzung lernersprachlichen Wissens, des Umgangs mit Unsicherheiten und Aktualisierungsproblemen bzw. Wissenslücken und Formulierungsschwierigkeiten und damit zusammenhängend Unterschiede hinsichtlich der Sprechgeschwindigkeit, des Pausenverhaltens, des Rhythmus' und der Verwendung von Routineformeln.



II. Drittmittelprojekte
Projekt 1
  a) Antragsteller: Lehr- und Forschungsgebiet Deutsch als Fremdsprache
  b) Titel: Kooperationsprojekt mit der Universität Tomsk (Rußland): Fortbildung russischer Lehrkräfte
  c) Drittmittelgeber: DAAD

Projekt 2
  a) Griechische Fernuniversittät in Patras
  b) Titel: Fernstudienprojekt zur Ausbildung postgraduierter GermanistInnen zu LehrerInnen für Deutsch als Fremdsprache
  c) Drittmittelgeber: DAAD


III. Wissenschaftliche Veröffentlichungen

Henrici, G. (1997) Anforderungen an die Fremdsprachendidaktik als Wissenschaft von der Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens fremder Sprachen. Einige Essentials. In: K.-R. Bausch/H. Christ/F. Königs/H.-J. Krumm (Hrsg.): Fremdsprachendidaktik und Sprachlehrforschung als Ausbildungs- und Forschungsdisziplinen. Tübingen, 71-75.

Henrici, G. (1998) Wege und Forschung im Fach Deutsch als Fremdsprache: Ein (möglicher) Ansatz. In: Grucza, F. (Hrsg.): Deutsch und Auslandsgermanistik in Mitteleuropa. Geschichte - Stand - Ausblicke. Dokumentation einer internationalen Konferenz. 10.-12. Oktober 1996. Warszawa 1998, 400-420.

Henrici, G. (1998) Entwicklungsstrukturen des Hochschulfachs Deutsch als Fremdsprache in der Bundesrepublik Deutschland: Bestandsaufnahme und Perspektiven. In: Universität Bielefeld, Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft (Hrsg.): 25 Jahre für eine neue Geisteswissenschaft. Bielefeld, 69-80.

Ehnert, Rolf (1998) Unica Zürn – "Der Wille, sich selbst nicht zu verstehen". In: "I beg to differ" - Festschrift für Hans Hunfeld, hrsg. Von Hans-Eberhard Piepho und Angelika Kubanek-German. München: iudicium, 95-102.

Ehnert, Rolf & Bhatti-Küppers, Heidemarie Selbsteinschätzungen von Lehrern und Lehrerinnen für Deutsch als Fremdsprache - ein Projektbericht. In: Info DaF - Informationen Deutsch als Fremdsprache 5/1998, S. 553-576.

Köster, Lutz (1997) Phraseologismen im Sprachunterricht. Kontrastives Vorgehen mit Hilfe der Textsorte 'Horoskop'. In: Das Wort. Germanistisches Jahrbuch 1997. Moskau/Bonn (DAAD) 283-308

Köster, Lutz (1997) Phraseolexeme in Horoskopen. Funktionale Analyse und didaktische Potenz dieser Textsorte für die Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache. In: Jan Wirrer (Hg) Phraseologismen in Text und Kontext. Phrasemata I. Bielefeld: Aisthesis Verlag 1998, 97-120

Köster, Lutz Verwertungsvarianten - Literarische Texte von Erich Kästner in Lehrwerken für Deutsch als Fremdsprache. In Deutsch als Fremdsprache (erscheint)

Köster, Lutz [zus. mit Uwe Koreik] "Das Museum ist besser als ein Buch" - Das 'Haus der Geschichte' im Landeskundeunterricht. In Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache 23.1997, 349-365

Schmidt, R. Das Dependenzmodell in Theorie und Praxis. In: Henrici, G. & Kohn, J. (eds.) DaF-Unterricht im Spannungsfeld zwischen Forschung und Praxis. Szombathely 1997, 97-111.

Schmidt, R. Moment mal! Lehrwerk für Deutsch als Fremdsprache. München: Langenscheidt; Lehrbuch 3 (1998), Arbeitsbuch 3 (1998).



IV. Promotionen

Su-Yon Yu: Wirkungen von Modifizierungen auf den Fremdsprachenerwerb. Eine diskursanalytische Untersuchung von Gesprächen zwischen Muttersprachlern und Nicht-Muttersprachlern. Bielefeld 1998.

Maryse Nsangou: Kommunikatives Verhalten von Deutschlernenden in Kontaktsituationen. Eine exemplarische Untersuchung am Beispiel sprachlichen Problemlösungsstrategien kamerunischer Deutschlernender. Bielefeld/Saarbrücken 1998.

Lanlan Yin: Interkulturelle Argumentationsanalyse (1998). Frankfurt am Main u.a.: Lang, 1999.

Nilgün Yüce: Deutschlandstudien und Kulturökologie (1998). Frankfurt am Main u.a.: Lang, 1999 (demnächst).

Andrea Hansmeier: Möglichkeiten und Grenzen von hypermedialen Programmen im fremdkulturellen Versthensprozeß. (1997). Http://www.uni-mannheim.de/mateo/verlag/diss/hansmeier/hansm.html. Buchhandel: ISBN 3-932178-07-6



V. Herausgeberschaften (chief editor)

Henrici, Gert Perspektiven Deutsch als Fremdsprache Reihe, Verlag: Schneider

Ehnert, Rolf: Werkstatt DaF, Verlag: Lang; Info DaF, Verlag: iudicium



Niederdeutsche Sprache und Literatur Neuere deutsche Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft