Forschungsbericht 1997/98 - Inhalt Forschungsbericht 1997/98

Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft

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Arbeitsbereich IV "Sportunterricht und Erziehung"


Der Arbeitsbereich "Sportunterricht und Erziehung" bearbeitet in Forschung und Lehre die pädagogischen Möglichkeiten des Sports. Dabei wird nach der Bedeutung des Sporttreibens für Kinder und Jugendliche sowie für Erwachsene gefragt.

I. Forschungsarbeiten

(a) Beteiligte Wissenschaftler
  Prof. Dr. Dietrich Kurz, Prof. Dr. Klaus-Peter Brinkhoff, Prof. Dr. Christa Kleindienst-Cachay, Dr. Inge Berndt, Kirsten Endrikat, Maike Tietjens, Petra Deutsch, Uta Lindemann, Dr. Kurt K. Schock, Dr. Ralf Sygusch, Dr. Andrea Menze-Sonneck

(b) Forschungsthemen

Prof. Dr. Christa Kleindienst-Cachay: Sportsozialisation und Identitätsentwicklung hochsportiver muslimischer Mädchen und Frauen in der Bundesrepublik Deutschland.

Dieses Projekt setzt sich unter Verwendung qualitativer Interviews das Ziel, Aufschluß darüber zu erhalten, wie die Sozialisation türkisch-muslimischer Mädchen und Frauen zum Sport verläuft und welche Bedeutung dem Sport im Rahmen der Entwicklung dieser spezifischen Form weiblicher Identität zukommt. Es sollen insbesondere folgende Fragen beantwortet werden: Wie schaffen es diese jungen Frauen zwischen der traditionellen muslimischen Migrantenkultur in der BRD und deren Vorstellungen vom Frau-Sein und der modernen, an Egalität, Leistung und Konkurrenz orientierten Welt des Sports zu balancieren? Welche Rolle spielt der Sport im Rahmen der jugendlichen Entwicklung dieser Mädchen und jungen Frauen? Welche Einflüsse gibt es zwischen dem Sportengagement einerseits und den Bildungs- und Berufswahlprozessen andererseits? Welche Rolle spielt der Sport bei der Ablösung vom Elternhaus? Wie entwickelt sich unter dem Einfluß des Sports das Verhältnis zum eigenen Körper? Welche Bedeutung hat der Sport für die Lebensplanung der Frauen? Erfolgt über den Sport der Aufbau eines eigenständigen Freundeskreises, der die Integration in die Aufnahmegesellschaft verbessert? Ein Zwischenbericht zum Projekt Sportsozialisation und Identitätsentwicklung hochsportiver muslimischer Mädchen und Frauen in der Bundesrepublik Deutschland liegt vor.

Prof. Dr. Dietrich Kurz, Prof. Dr. Klaus-Peter Brinkhoff, Dr. Inge Berndt, Kirsten Endrikat, Maike Tietjens: Sportliches Engagement und soziale Unterstützung im Jugendalter (Jugend und Sport in Deutschland).

Zentrale Ziele der Studie sind, sportliche Aktivitäten im Jugendalter zu beschreiben, individuelle sowie soziale Voraussetzungen des Sportengagements aufzudecken und die moderierenden Funktionen des Sports, d.h. seine Integrationsleistungen und seinen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge, zu analysieren. Welche sozialisatorischen Effekte hat z.B. das Sportengagement in der Jugendphase? Welchen Beitrag leistet das Sporttreiben für die erfolgreiche Bewältigung jugendtypischer Entwicklungsaufgaben? Kann Sportengagement als Schutzfaktor wirken und Risikoverhaltensweisen beeinflussen?

Es wird untersucht, ob und ggf. unter welchen Bedingungen sportliche Aktivität Jugendliche dabei unterstützen kann, typische Belastungen besser zu verarbeiten bzw. Entwicklungsaufgaben erfolgreicher zu bewältigen. In diesem Zusammenhang bezieht sich die Untersuchung u. a. auf die wahrgenommene Problembelastung, auf Belastungssymptome, gesundheitliche Selbstbeurteilung und Risikoverhalten sowie Dimensionen des Selbst- und Körperkonzepts. Besonders beachtet wurde auch, inwiefern die Jugendlichen in ein soziales Netz eingebunden sind, das sie in ihrer Entwicklung stützen kann.

In der Untersuchung, die im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 227 stattfand (Förderphase: 1995-1997), sind repräsentative Daten mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens aus den Bundesländern Brandenburg und Nordrhein-Westfalen erhoben worden. Die Stichprobe umfaßt insgesamt 3426 Jugendliche der Schuljahrgänge 7 bis 13. Ein DFG-Abschlußbericht wurde im Herbst 1997 publiziert.

Dr. Kurt K. Schock: Integrative Aspekte der Sportvermittlung.

Sportarten werden nach einer grundlegenden Phase der Gewöhnung in der Regel sportartspezifisch vermittelt. In den letzten Jahren sind jedoch auch Modelle sportartübergreifender Ansätze entwickelt worden. Auf Basis der Annahme, daß Bewegungsprogramme einer Bewegungsklasse zentral gesteuert werden (vgl. z.B. Schmidt, Roth), lassen sich integrative Modelle der Sportvermittlung entwickeln. So liegen plausible Ergebnisse dafür vor, daß integrative Ansätze z.B. in den Rückschlagspielen (Badminton, Tennis, Tischtennis, Volleyball u.a.) oder in den Gleichgewichtssportarten wie Inline Skating, Schlittschuhfahren oder Skifahren schnell zu einem Pool von Gleichgewichtsfertigkeiten und -fähigkeiten führen, die als Variationen sofort in den Einzelsportarten angewendet werden können.

Dr. Kurt K. Schock: Gleichgewicht und Wahrnehmung in Gleichgewichtssportarten.

Gemeinsamkeiten von Gleichgewichtssportarten lassen sich einmal in den Strukturen der Einzelsportarten finden und herausarbeiten, zum anderen können gemeinsame Fertigkeiten und Fähigkeiten des Menschen isoliert werden, die zur Ausübung einer oder mehrerer Gleichgewichtssportarten benötigt werden. Die Orientierung an Fertigkeiten und Fähigkeiten des einzelnen Menschen (Fähigkeitsorientierung) hat den Vorteil, daß eine genauere Analyse des Fertigkeits-/Fähigkeitsstandes des Individuums möglich wird, daß einzelne Fertigkeiten und Fähigkeiten als Variationen in mehreren Sportarten zu nutzen sind und daß auf niedrigem Leistungsniveau zunächst die Präzision und Schnelligkeit von Bewegungsausführungen nicht eine so bedeutende Rolle spielt wie auf höherem Leistungsniveau. Anhand der Gleichgewichtsfähigkeiten bzw. der Wahrnehmungsfähigkeit wird z.Zt. untersucht, welche gemeinsamen Fähigkeiten als Ausgangspunkt für die Entwicklung sportartspezifischer Fähigkeiten gelten können.



II. Drittmittelprojekte
  1. Prof. Dr. Christa Kleindienst-Cachay
  2. Sportsozialisation und Identitätsentwicklung hochsportiver muslimischer Mädchen und Frauen in der Bundesrepublik Deutschland
  3. Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen
  1. Prof. Dr. Dietrich Kurz, Prof. Dr. Klaus-Peter Brinkhoff
  2. Sportengagement und soziale Unterstützung im Jugendalter
  3. DFG


III. Wissenschaftliche Veröffentlichungen

Brinkhoff, K.-P.: Sport und Sozialisation im Jugendalter. Entwicklung, soziale Unterstützung und Gesundheit. Weinheim 1998.

Kurz, D./ J. Mester: Doping im Sport. In Memoriam Hans Donike. Köln 1997.

Kurz, D.: Zur pädagogischen Grundlegung des Schulsports in Nordrhein-Westfalen. In: Vorschläge zur Curriculumrevision in Nordrhein-Westfalen. In: Landesinstitut für Schule und Weiterbildung. Werkstattbericht 3. Soest 1997, 8-42.

Menze-Sonneck, A.: Mädchen und junge Frauen im Sportverein. Schorndorf 1998.

Sygusch, R.: Sportliche Aktivität und subjektive Gesundheitskonzepte von Jugendlichen. Diss. Bielefeld 1998.

Weitere Veröffentlichungen:

Berndt, I.: Distanz und Nähe - Sportinteresse und Sportbeteiligung bei jugendlichen Mädchen. In: Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport in NRW (Hrsg.). Düsseldorf 1997, 20-33.

Berndt, I: Frauen im Sport - akzeptiert, emanzipiert, integriert. In: Landessportbund NRW (Hrsg.): Sport in NRW. Duisburg (1997), 272-285.

Brinkhoff, K.-P./ Mansel, J.: Armut und soziale Ungleichheit bei Kindern. Weinheim 1998.

Brinkhoff, K.-P./Kurz, D.: Sportliches Engagement und soziale Unterstützung im Jugendalter. In: Sonderforschungsbereich 227: Prävention und Intervention im Kindes- und Jugendalter. Arbeits- und Ergebnisbericht über die vierte Förderphase 1995-1997. Bielefeld 1998, 257-283.

Eggert, S./Schock, K. K. : Feelings Of Movement in Alpine Skiing. In: Müller, E./Schwameder, H./Kornexl, E./Raschner, C. (Ed.): Science and Skiing. Cambridge 1997, 395-407.

Kleindienst-Cachay, C.: Breitensport im Sportverein – Erwartungen und Wünsche ausländischer Frauen und Frauen unterer sozialer Schichten. In: Zwischen Utopie und Wirklichkeit. Breitensport aus Frauensicht. Reihe: Materialien zum Sport in Nordrhein-Westfalen. Heft 47. Redaktion: Ulrike Kraus. Hg. v. Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf 1998, 99-122.

Kleindienst-Cachay, C. , u.a.: Mehr Chancen für Mädchen und Frauen im Breitensport. Ein Arbeitsgruppenbericht. In: Zwischen Utopie und Wirklichkeit. Breitensport aus Frauensicht. Reihe: Materialien zum Sport in Nordrhein-Westfalen. Heft 47. Redaktion: Ulrike Kraus. Hg. v. Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf. 1998, 139-148

Kleindienst-Cachay, C.: Sportengagement muslimischer Mädchen und Frauen in der Bundesrepublik Deutschland – Forschungsdesiderate und erste Ergebnisse eines Projekts. In: Klein, M.-L./Kothy, J.(Hrsg.): Ethnisch-kulturelle Konflikte im Sport. Hamburg 1998, 113-125.

Kleindienst-Cachay, C.: Verschläft die Fachdidaktik die Zukunft der Grundschule? Anstöße zur fachdidaktische Diskussion aus grundschulpädagogischer Sicht. In: Zeitschrift Sportunterricht 47 (1998), 231-242.

Kurz, D./Tietjens, M.: Kinder und Jugendliche. In: W. Brehm/K. Bös (Hrsg.): Handbuch Gesundheitssport. Schorndorf 1998, 95-107.

Kurz, D./Sack, H.-G./Brinkhoff, K.-P.: Le club de sport et son rôle. Enfance, jeunesse et sport en Rhénanie-du-Nord-Westphalie. In: Macolin - Revue mensuelle de l'EFSM et de Jeunesse + Sport 1 (1997), 16-20.

Kurz, D.: Sporterziehung und Drogenaufklärung in der Jugend als Maßnahmen einer frühen Anti-Doping-Edukation. In: D. Kurz/ J. Mester ( Hrsg.): Doping im Sport. Im Memoriam Hans Donike. Köln 1997, 59-65.

Kurz, D./Deutsch, P.: Über Bewegungserziehung, Sportunterricht und das Bewegungsleben in der Grundschule. In: H.R. Becher/ J. Bennack/ E. Jürgens (Hrsg.): Taschenbuch Grundschule. Baltmannsweiler 1998, 166-174.

Lindemann, U. : Aufwachsen in der Risikogesellschaft - was kann der (Leichtathletik)-Verein leisten?. In: Deutscher Leichtathletik-Verband (Hrsg.) Kinder in der Leichtathletik. Darmstadt 1997, 233 - 247.

Schock, K.K.: Das integrative Lehrkonzept "Rückschlagspiele" an der Universität Bielefeld. In: Hoffmann, B./Koch, P. (Hrsg.): Integrative Aspekte in Theorie und Praxis der Rückschlagspiele. Hamburg 1997, 161-171.

Schock, K.K.: Big Foot als methodisches Mittel in der Anfängerschulung. In: Schoder, G. (Red.): Skilauf und Snowboard in Lehre und Forschung (12). Hamburg 1998, 45-57.

Schock, K.K.: Vom Carven auf Big Foot zum Carven auf taillierten Ski. In: Schoder, G. (Red.): Skilauf und Snowboard in Lehre und Forschung (12). Hamburg 1998, 59-72.

Schock, K.K.: Inline Skating aus handlungstheoretisch-fähigkeitsorientierter Sicht. In: Nagel, V. (Hrsg.): Bericht zum 1. Sportwissenschaftlichen Hochschulsymposium zum Inline-Skating. Hamburg 1998, 77-92.

Schock, K.K./Schulte, A.: Zur Belastung der Gelenke beim alpinen Skifahren aus anatomischer und methodischer Sicht. In: Schoder, G. (Red.): Skilauf und Snowboard in Lehre und Forschung (12). Hamburg 1998, 143-165.



IV. Promotionen

Andrea Menze-Sonneck: Mädchen und junge Frauen im Sportverein.

Peter Neumann: Das Wagnis im Sport.



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