Forschungsbericht 1997/98 - Inhalt Forschungsbericht 1997/98

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Volkswirtschaftstheorie I Wirtschaftspolitik I

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Schwerpunkt Volkswirtschaftstheorie II


I. Forschungsarbeiten

(a) Beteiligte Wissenschaftler/innen

Hochschullehrer: Prof. Dr. Thorsten Hens
Wiss. Mitarbeiter/innen: Dr. Wolfgang Rohde
Dipl.Volkswirt Thomas Siwik
Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler:
Prof. Dr. Igor Evstigneev


(b) Darstellung aktueller Forschungsgebiete

Evolution in Finanzmärkten
Ziel des Projekts ist es, neue Modelle zu entwickeln, die zu einer besseren theoretischen Fundierung der Dynamik von Finanzmärkten beitragen. Ein wesentlicher Aspekt dieser Dynamik besteht darin, daß die zur Verfügung stehenden Finanzierungsinstrumente und die benutzten Anlageregeln nicht für alle Zeiten unveränderlich festliegen, sondern sich in einem stetigen Wandel befinden. Zur Modellierung dieser für Finanzmärkte zentralen Konzepte werden wir evolutionäre dynamische Prozesse formulieren, welche die Markt-Selektion von Finanzierungsinstrumenten und von Anlageregeln beschreiben. Diese dynamischen Prozesse verknüpfen durch evolutionäre Übergangsfunktionen (Fitneßfunktionen) Abfolgen von kurzfristigen Gleichgewichten. Eine erste Aufgabe ist die Definition evolutionär stabiler Zustände dieser Prozesse. Solche Zustände sollen zunächst in einfachen Finanzmarktökonomien, wie z.B. des in der Theorie und der Praxis wohl bedeutendsten Finanzmarktmodells, des CAPM, charakterisiert werden.

Evolution von Finanzmärkten
Um das Problem der zu hohen Rationalitätsanforderung an die Finanzinnovatoren in den bisher bekannten Modellen zu umgehen und um die Dynamik von Finanzmärkten zu betonen, haben wir einen Prozeß von Finanzinnovationen modelliert. Dabei werden nicht so sehr die Entstehungsgründe von neuen Wertpapieren, sondern vielmehr die Kräfte modelliert, die für das 'Überleben' oder das 'Aussterben' von Wertpapieren verantwortlich sind. Speziell haben wir begonnen, ein Modell zu entwickeln, das eine evolutionäre Struktur über ein einfaches Finanzmarktmodell legt. In diesem Modell werden stationäre Gleichgewichte bezüglich ihrer Stabilität gegenüber dem Auftreten von bisher nicht vorhandenen Wertpapieren ('Innovationen') studiert.
Erste Resultate haben wir in dem Diskussionspapier Bettzüge und Hens (1997): 'An Evolutionary Approach to Financial Innovation' festgehalten.
Die evolutionären Stabilitätsresultate in Bettzüge und Hens (1997) sind lokaler Natur. D.h. es wird gezeigt, daß stationäre Gleichgewichte stabil bezüglich kleiner Abweichungen sind. Pilgrim (1998) hat diese lokalen Resultate durch Simulation von interessanten Beispielen auf die globale Dynamik erweitert. Dem Aufsatz von Güth und Ludwig (1998) liegt dieselbe Grundstruktur des evolutionären Ansatzes wie Bettzüge und Hens (1997) zugrunde. Die Übergangsfunktion zwischen den einzelnen Perioden beruht allerdings auf einem interessanten Imitationsprozeß.

Evolution von Anlageregeln
Ansatzpunkte für weitergehende Analysen der Evolution von Anlageregeln liefern die vereinfachten Annahmen des Modells von Blume und Easley, Journal of Economic Theory (1992). Grundlegend für deren Argumentation ist die Vollständigkeit des Wertpapiermarktes und die sehr spezielle Form der Wertpapiere, gegeben durch 'Arrow Securities'. Die Vollständigkeit gewährleistet dabei, daß sich jeder Investor für jeden Zustand der Welt versichern kann. Dies wird in der Realität wohl kaum zutreffen. Ebenso gibt es in den existierenden Finanzmärkten eine wesentlich größere Vielfalt von verschiedenartigen Wertpapieren.
In einem ersten Ansatz zur Erweiterung der Analyse betrachtet S. Güth (1998) ein ähnliches Modell wie Blume und Easley, in dem die Menge der Wertpapiere aber nicht auf Arrow Securities beschränkt ist und keine Vollständigkeit des Finanzmarktes vorausgesetzt wird.



II. Wissenschaftliche Veröffentlichungen

Gottardi, P. und T. Hens (1999): On the Disaggregation of Excess Demand Functions when Markets are Incomplete: The Case of Nominal Asset, Economic Theory 13, pp.287-308.

Hens, T. (1998): Incomplete Markets: Chapter 5 in: Elements of General Equilibrium Theory, Festschrift in Honor of G. Debreu, A. Kirman (ed.), Blackwell Publishers.

Bottazzi, J.-M., A. Löffler und T. Hens (1998): Market Demand Functions in the CAPM, Journal of Economic Theory, Vol.79, pp.192-206.

Hens, T. (1997): Stability of Tâtonnement Processes of Short Period Equilibria with Rational Expectations, Journal of Mathematical Economics, Vol.28, pp.41-67.

Zur Veröffentlichung angenommene Aufsätze:

Hens, T., K. Schmedders und B. Voß (1998): On Multiplicity of Competitive Equilibria when Financial Markets are Incomplete, Theory of Markets and their Functioning, KNAW, Amsterdam.

Bettzüge, M., T. Hens, M. Laitenberger und T. Siwik (1997): On Choquet Prices in Financial Market Models with Intermediation Costs, Ricerche Economiche.



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