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Forschungsbericht 1997/98
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Institut für Didaktik der Mathematik IKG (spezielle Darstellung)

19. Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG)

IKG - Allgemeine Angaben

Homepage: http://www.uni-bielefeld.de/ikg/

I. Strukturdaten

(a) Wissenschaftliches Personal

(Stand 31.12.1998)

Hochschullehrer: 4
Wiss. Ass., wiss. Mitarb., wiss. Hilfskräfte: 12


(b) Eingeworbene Drittmittel (Sach- und Personalmittel)

1997: 1.018.600 DM
1998: 1.045.600 DM



II. Organisatorische Aspekte und Schwerpunkte der Forschung

Internet: http://www.uni-bielefeld.de/institute/ikg/
E-Mail: ikg@uni-bielefeld.de
Fax: 0521/106-6415

Die Ziele des Instituts konzentrieren sich auf theoriegeleitete und empirische Analysen von innergesellschaftlichen Konflikten und Gewalt.

Die Formen dieser Destruktion, ihre Ausmaße und Folgen für die psychische und physische Integrität von Personen, für das Zusammenleben sozialer Gruppen oder die moralische Verfassung einer Gesellschaft sind vielfach beschrieben worden. Zumeist schwingt in solchen Analysen die Hoffnung mit, daß die moderne Gesellschaft eine kulturell humane und strukturell auf sozialen Ausgleich gerichtete Entwicklung nehme, in der politische Einflußnahmen dafür sorgen, daß individuelles und soziales Leben von immer weniger Gewalt bedroht sei. Diese Hoffnung wird von der Annahme eines zivilisatorischen Fortschritts geprägt. Es hängt vom gewählten historischen Zeitrahmen ab, welche Einschätzung hinsichtlich der Gewaltentwicklung dann die heutige Situation erfährt, in der wir es innerhalb der Gesellschaft sowohl mit institutioneller Gewalt als auch mit mannigfaltigen expressiven, instrumentellen und regressiven, d.h. hinter den erreichten Entwicklungsstand des Zusammenlebens zurückfallenden Formen wie der ethnisch motivierten Gewalt, zu tun haben, die von Personen und Gruppen erfahren oder ausgeübt wird.

Aktuellen Erklärungsbedarf schaffen besonders die Rückkehr ethnisch-kultureller Konflikte und die damit verbundene politisch motivierte Gewalt auch in den modernen westlichen Industriegesellschaften. Diese Entwicklung wurde bisher nicht als besonderes Problem wahrgenommen, weil die ethnisch-kulturellen Schichtungen mit den Konstitutionsbedingungen moderner Gesellschaften unvereinbar schienen. Die zunehmende sozio-ökonomische Polarisierung in westlichen Gesellschaften, ihre wachsende ethnisch-kulturelle Heterogenisierung und sozialräumliche Segregation verweisen auf neue komplexe Problemstrukturen, die hochgradig konflikthaft angelegt sind. Diese zunehmende Konflikthaftigkeit wird begleitet von strukturellen Problemen der systemischen und sozialen Integrationsfähigkeit westlicher Industriegesellschaften. Deshalb stehen im Mittelpunkt der Arbeit des Instituts Untersuchungen zu der Frage, welche Formen der Integrations-Desintegrationsdynamik für weitreichende Problemlagen sorgen. Dabei wird von der Annahme ausgegangen, daß es zunehmend zu Desintegrationsprozessen und damit einhergehender Gewalt kommt.

Daraus ergeben sich zentrale Forschungsfragen danach, welche Strukturen (etwa der Ökonomie oder des Rechts), Mechanismen (etwa der psychischen Entwicklung oder der politischen Sozialisation), Akteursgruppen (etwa von politischen Parteien oder ethnischen Gruppen) im komplexen Zusammenwirken an der Entstehung von Gewalt, u.a. gegen ethnisch-kulturelle Minderheiten, beteiligt sind und ob sie die Gewalt, die durch Teile der Minderheitsbevölkerung ausgeübt wird, etwa über islamischen Fundamentalismus, anreizen.

Die Arbeitsschwerpunkte des Instituts gruppieren sich aktuell und zukünftig um verschiedene Themenkomplexe wie

  • die entwicklungs- und sozialpsychologische Genese von Stereotypen, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus;
  • die Zusammenhänge zwischen sozialer Identität, interethnischen Kontakten und kulturell-ästhetischen Präferenzen;
  • die Entwicklung rechtsextremistischer Orientierungen;
  • die gesellschaftliche Desintegration, Sozialisation und Gewalt;
  • die Analyse fremdenfeindlicher Gewalt in unterschiedlichen Institutionen, z.B. in der Polizei, und die Reaktion der Polizei auf interethnische Konflikte in der Gesellschaft;
  • die Untersuchung des Kampfes um die rechtliche Anerkennung religiöser Symbole und Praktiken von Minderheiten;
  • die Entwicklung islamisch-fundamentalistischer Orientierungen in muslimischen Minderheiten;
  • die gesellschaftlichen Desintegrationsprozesse und ihre Auswirkungen auf ethnisch-kulturelle Gruppenbeziehungen und Konflikte in städtischen Kontexten;
  • die Auswirkungen von ökonomischer und kultureller Globalisierung auf die innergesellschaftlichen Konflikte und Entstehungsbedingungen neuer autoritärer Bewegungen.


III. Habilitationen und Wissenschaftspreise

Dr. Rainer Strobl: Bremer Studienpreis der Gesellschaft der Freunde der Universität Bremen für die Dissertation "Soziale Folgen der Opfererfahrungen ethnischer Minderheiten. Effekte von Interpretationsmustern, Bewertungen, Reaktionsformen und Erfahrungen mit Polizei und Justiz, dargestellt am Beispiel türkischer Männer und Frauen in Deutschland", Baden-Baden 1998.



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