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Forschungsbericht 1997/98
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28. Zentrum für Lehrerbildung

Zentrum für Lehrerbildung

Homepage: http://www.zfl.uni-bielefeld.de

I. Strukturdaten

(a) Wissenschaftliches Personal

(Stand 31.12.1998)

2 HochschullehrerInnen
5 wissenschaftliche MitarbeiterInnen
2,5 abgeordnete LehrerInnen


(b) Eingeworbene Drittmittel
1997: 23.500,- DM
1998: 2.500,- DM


II. Organisatorische Aspekte und Schwerpunkte der Forschung

Das Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) ist eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität, die vor dem Hintergrund der Zusammenführung von Pädagogischer Hochschule und Universität im Jahre 1980 gegründet wurde.

Das ZfL initiiert und begleitet übergreifende Entwicklungen in der Lehrerbildung, bereitet Entscheidungen der zuständigen Gremien vor und setzt diese organisatorisch um. Lehrende wie Studierende werden zu allgemeinen Fragen der Lehramtsausbildung beraten.

Am ZfL sind deshalb solche Aufgaben gebündelt, die über die Zuständigkeit oder auch Möglichkeit einer Fachfakultät hinausgehen. Dazu gehören Organisations- und Entwicklungsaufgaben in der Lehreramtsausbildung allgemein, bei den Schulpraktika und in der Lehrerfortbildung. Darüber hinaus vertritt das ZfL ausgewählte Themenschwerpunkte, die in der Lehrerausbildung wie für die Schule defizitär sind: Derzeit sind solche Themenschwerpunkte "Sachunterricht","Übergang Schule - Arbeitswelt" und "Schule und Migration". Vorrangig in diesen Arbeitsbereichen werden auch Forschungsaufgaben wahrgenommen.



III. Forschungsaktivitäten

1. Arbeitsbereich: Sachunterricht

1.1 Projekt: "Umweltbildung, Unterrichtsvorbereitung und Internet - Wie nutzen Lehrerinnen und Lehrer Umweltinformationen im Internet?"

(a) Beteiligte Wissenschaftler

Prof. Dr. J. Kahlert; Dr. R. Hedtke; V. Schwier


(b) Gegenstand

Informationsfülle, lange Wartezeiten bei der Informationsbeschaffung und Unübersichtlichkeit der angebotenen Materialien im Internet sind nur einige der Schwierigkeiten, denen Lehrende ausgesetzt sind, die sich des Internets bedienen, um ihren Unterricht vorzubereiten. Ziel der Pilotstudie war es herauszufinden, ob und unter welchen Voraussetzungen Lehrerinnen und Lehrer im Internet tatsächlich Unterstützung bei der Unterrichtsvorbereitung finden können. Lehrende der Primar- und Sekundarstufe II, die sich im Sachunterricht oder in wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fächern mit Themen aus dem Umweltbereich befassen, wurden dazu in ausführlichen Interviews zu ihren Erfahrungen bei der herkömmlichen Unterrichtsvorbereitung und über ihre Arbeit mit dem Internet befragt. Dabei wurden spezielle Bedürfnisse offenbar, aus denen heraus allgemeine Empfehlungen für Anbieter von Internet-Informationen abgeleitet werden konnten. Die Vorschläge sind ausgerichtet auf die Zusammenstellung von schulrelevanten Internetangeboten, auf die Information über diese Angebote und deren Inhalte, auf Inhalt und Gestaltung der angebotenen Informationsprodukte sowie auf deren Zugänglichkeit. Auf dieser Grundlage werden zehn Empfehlungen zur Nutzerfreundlichkeit auf den Ebenen der Organisations-, Kommunikations-, Produkt- und Distributionspolitik von Informationsanbietern entwickelt. Diese Maßnahmen richten sich zunächst auf umwelt(politik)bezogene Informationen, können aber im wesentlichen auf unterrichtsrelevante Informationen insgesamt übertragen werden.


(c) Drittmittelgeber

Umweltbundesamt


1.2 Projekt: "Dimensionen des Sachunterrichts"

(a) Beteiligte Wissenschaftler

PD Dr. D.v. Reeken; V. Schwier


(b) Gegenstand

Ein zentrales Problem der LehrerInnenausbildung im Sachunterricht ist die Notwendigkeit, Kompetenzen in zahlreichen Bezugsdisziplinen aufzubauen. Im Studium kann mit einer sinnvollen Schwerpunktbildung nur ein vertiefter Einblick in wenige fachliche Aspekte des Sachunterrichts ermöglicht werden. Andererseits ist die Kenntnis wesentlicher Fragestellungen, Inhalte, Methoden und Ergebnisse der zahlreichen anderen Bezugswissenschaften (Fachwissenschaften und Fachdidaktiken) notwendig für die Durchführung eines verantwortbaren wissenschaftsorientierten Sachunterrichts, wenn denn nicht das Alltagswissen und die Alltagstheorien zu hinreichenden Voraussetzungen der Unterrichtsvorbereitung und -durchführung erklärt werden sollen. Das auf mehrere Jahre angesetzte Projekt setzt sich daher das Ziel, die wichtigsten Erkenntnisse der Bezugsdisziplinen des Sachunterrichts so aufzubereiten, daß Studierende, ReferendarInnen und im Dienst befindliche LehrerInnen Hilfestellungen bekommen, um sich rasch und kompetent in wesentliche Themenfelder einarbeiten zu können. Geplant sind zunächst mehrere Bände zum Lernbereich Gesellschaftslehre, dessen erster Band zum historischen Lernen 1999 erscheinen wird; weitere Bände zum politischen Lernen, zum ökologischen Lernen und zum ökonomischen Lernen sowie zu Methoden im Sachunterricht sind in Vorbereitung.


2. Arbeitsbereich: Übergang Schule - Arbeitswelt

2.1 Wissenschaftliche Begleitung des Projekts "Die Brücke - Ein handlungsorientiertes System zur Berufsfindung benachteiligter Jugendlicher an kaufmännischen Schulen unter Einbeziehung lokaler Netzwerke" (EU-Programm Leonardo da Vinci)

(a) Beteiligte Wissenschaftlerinnen

Prof. Dr. M. Oechsle; Dr. E. Timmermann; S. Arndt; W. t. Suden



(b) Gegenstand

Das EU-Projekt "Die Brücke" entwickelt handlungsorientierte Strategien zur Verbesserung der Berufsfindung und Vermittelbarkeit der Jugendlichen. Die Strategien beinhalten

  • die Entwicklung und Erprobung handlungsorientierter Module zur Berufsfindung/beruflichenOrientierung der Jugendlichen unter Berücksichtigung notwendiger Schlüsselqualifikationen
  • die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung eines Betriebspraktikums
  • die individuelle Berufswegplanung
  • den Aufbau lokaler Netzwerke der an Berufsorientierung und beruflicher Erstausbildung Beteiligten
  • den Transfer der Projektergebnisse
  • die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Erfordernisse.
Die wissenschaftliche Begleitung des Projektes beinhaltet insbesondere die Evaluation des Projektverlaufs und des Projekterfolgs und die Erstellung eines Moduls Lebensplanung. Für dieses Modul wird ein Seminarkonzept entwickelt, das Kompetenzen zur Lebensplanung und zur aktiven Gestaltung des eigenen Lebenslaufs vermitteln soll.
(c) Drittmittelgeber

EU-Programm: Leonardo da Vinci


2.2 Projekt: "Geschlechterkonstruktionen und Familienkonzepte im Lehrerberuf"

(a) Beteiligte Wissenschaftlerinnen

Prof. Dr. M. Oechsle; Dr. B. Kortendiek


(b) Gegenstand

Das Projekt untersucht, welche Geschlechterkonstruktionen, welche Leitbilder von Weiblichkeit/Männlichkeit, Mutterschaft/Vaterschaft/Kindheit und welche Familienmodelle Lehramtsstudierende sowie Lehrerinnen und Lehrer in ihrem professionellen Handeln entwerfen und wie sich im schulischen Berufsfeld Professionalität, Organisationsentwicklung und Geschlechterkultur miteinander verschränken. Dazu werden Gruppendiskussionen mit verschiedenen Gruppen von Lehramtsstudierenden und LehrerInnen durchgeführt und ausgewertet.


2.3 Projekt: "Schulische Berufsorientierung in der Sekundarstufe II - Konzepte und Implementation"

(a) Beteiligte Wissenschaftlerinnen

Prof. Dr. M. Oechsle; S. Arndt


(b) Gegenstand

Nachdem Konzepte zur Berufsorientierung zunächst v.a. im Rahmen von Modellprojekten entwickelt wurden und hierbei ein besonderer Schwerpunkt auf der Berufsorientierung für Mädchen lag, gibt es seit einiger Zeit verstärkt Ansätze, Konzepte zur schulischen Berufsorientierung schulintern zu entwickeln. Hierbei scheint insbesondere ein ‚Nachholbedarf' im Bereich der Sekundarstufe II zu bestehen. Allerdings gibt es bislang keine systematische Bestandsaufnahme und Analyse dieser neueren schulischen Konzepte zur Berufsorientierung; unklar ist auch, inwieweit hierbei geschlechtsspezifische Aspekte berücksichtigt werden.

An diesem Forschungsdefizit setzt das Projekt an: Es wird zunächst eine Übersicht über vorhandene schulinterne Konzepte zur Berufsorientierung an Schulen, zunächst bezogen auf den Regierungsbezirk Detmold, erstellt und dokumentiert. In einem zweiten Schritt werden dann Erfahrungen mit der Implementation solcher Konzepte mit Hilfe von Expertengesprächen und Fragebogen erhoben und ausgewertet.


3. Arbeitsbereich: Schule und Migration

3.1. Dokumentationsstelle "Migration und Minoritäten"

(a) Beteiligte WissenschaftlerInnen

Dr. L. Hoffmann; I. Meinjohanns


(b) Gegenstand

Zur Unterstützung des Zusatzstudiengangs "Interkulturelle Pädagogik" und anderer an Fragen der Migration interessierter Studierender werden am Zentrum für Lehrerbildung einschlägige Literaturangaben und - soweit möglich - Dokumente gesammelt, verschlagwortet und mittels EDV erfaßt, erschlossen und zugänglich gemacht.


3.2 Projekt "Ethnische Konflikte"

(a) Beteiligter Wissenschaftler

Dr. L. Hoffmann


(b) Gegenstand

Die wachsende Aufmerksamkeit, die die Kategorie des Ethnischen seit einigen Jahren erfährt, erklärt sich vor allem durch ihre Konfliktträchtigkeit. Wenn ethnische Gemeinsamkeit den Vorrang vor allen anderen Zugehörigkeiten erhält, dann verschärfen sich Grenzziehungen und entzünden sich Konflikte. Dabei bleibt offen, ob die Konflikte eine Folge des Ethnischen sind oder ob ein umgekehrter Zusammenhang überwiegt. Um nicht vorschnell die Selbstdefinition der Konfliktparteien zu übernehmen, dekonstruiert das Projekt zunächst die Kategorie des Ethnischen als ein Phänomen von Modernisierungsprozessen.


3.3 Projekt "Anti-Islamismus"

(a) Beteiligter Wissenschaftler

Dr. L. Hoffmann


(b) Gegenstand

Etwa drei Millionen Menschen in der Bundesrepublik Deutschland sind Muslime. Sie und ihre Gemeinden streben zunehmend danach, ihren Glauben so auszuüben, daß davon die öffentliche und die staatliche Sphäre berührt werden. Sie bauen Moscheen, wollen den Gebetsruf durch Lautsprecher ausrufen, streben nach öffentlich-rechtlicher Anerkennung, wollen den Islam als ordentliches Religionsfach an den Schulen eingeführt sehen, verweigern den koodukativen Sport- und Schwimmunterricht und tragen als Frauen ein Kopftuch. Dabei ergeben sich häufig Konflikte, die innerhalb der deutschen Öffentlichkeit ausgetragen werden. Das Projekt untersucht - vor allem an Hand von Leserbriefen - die dabei gegen den Islam vorgebrachten Argumente.



III. Wissenschaftliche Veröffentlichungen

Arndt, Silke, Das Geschlechterverhältnis als Thema im Unterricht, Eine Bibliographie zu Unterrichtseinheiten der politischen Bildung in Fachzeitschriften im Zeitraum von 1990 bis 1997 (IFF-Forschungsreihe; Bd. 8), Bielefeld 1998.

Hedtke, Reinhold/Kahlert, Joachim/Schwier, Volker, Umweltbildung, Unterrichtsvorbereitung und Internet – Wie nutzen Lehrerinnen und Lehrer Umweltinformationen im Internet? Pilotstudie im Auftrag des Umweltbundesamtes, hrsg. vom UBA, Berlin 1998.

Hedtke, Reinhold/Kahlert, Joachim/Schwier, Volker, Unterrichtsmaterialien aus dem Internet, Eine empirische Studie über das Rechercheverhalten von Lehrenden. In: Gegenwartskunde 47. Jg. (1998), H. 3, S. 363-375.

Hoffmann, Lutz, Wer gehört zu "uns"? Ethnisierung, Solidarität und das territoriale Prinzip. In: Deutsch lernen 2/1998, S. 99-112.

Hoffmann, Lutz, Der Islam als Gegenidee der westlichen Moderne. In: Iranzamin, Echo der iranischen Kultur, XI. Jg. (neue Folge), Ausgabe 2/3, 1998/99, S. 104-123.

Hoffmann, Lutz, Die Konstruktion von Minderheiten als gesellschaftliches Bedrohungspotential. In: W.-D. Bukow u.a. (Hg.), Fundamentalismus in der Diskussion, Opladen 1999 (im Erscheinen).

Kahlert, Joachim/Hedtke, Reinhold/Schwier, Volker, Internet und Unterrichtsvorbereitung, Elektronische Planungshilfen im Urteil von Lehrerinnen und Lehrern. In: Die Deutsche Schule 90. Jg. (1998), H. 3, S. 284-299.

Möhle, Volker/Mürmann, Martin, Studienberatung in der Lehrerbildung. In: S. Blömeke (Hg.), Reform der Lehrerbildung? Bad Heilbrunn 1998, S. 151-167.

Oechsle, Mechtild, Zwischen guter Mutter und selbständiger Frau - Zur widersprüchlichen Modernisierung weiblicher Leitbilder. In: M. v. Lutzau (Hg.), Frauenkreativität macht Schule, Weinheim 1998.

Oechsle, Mechtild, Geschlecht und Geschlechterverhältnisse - Keine Kategorien der politischen Bildung? In: B. Dausien u.a. (Hg.), Erkenntnisprojekt Geschlecht, Feministische Perspektiven verwandeln Wissenschaft, Opladen 1999 (im Erscheinen).

Oechsle, Mechtild/Geissler, Birgit (Hg.), Die ungleiche Gleichheit, Junge Frauen und der Wandel im Geschlechterverhältnis, Opladen 1998.

Oechsle, Mechtild/Wetterau, Karin (Hg.): Politische Bildung und Geschlechterverhältnis, Opladen 1999 (im Erscheinen).

Reeken, Dietmar von, Kinderrepubliken. In: U. Carle/A. Kaiser (Hg.), Rechte der Kinder, Baltmannsweiler 1998, S. 39-47.

Reeken, Dietmar von, Konservative Kontinuität und beginnende Modernisierung, Die Heimatbewegung in Niedersachen 1945-1960. In: B. Weisbrod (Hg.), Von der Währungsreform zum Wirtschaftswunder, Wiederaufbau in Niedersachen, Hannover 1998, S. 57-74.

Reeken, Dietmar von, Von der Gefahrenabwehr zum Risikobewußtsein, Mobilitätsbildung statt Verkehrserziehung. In: Sache-Wort-Zahl, 26. Jg., Heft 16, Juli 1998, S. 36-40.

Reeken, Dietmar von, Historisches Lernen im Sachunterricht, Didaktische Grundlegungen und unterrichtspraktische Hinweise, Seelze-Velber 1999 (im Erscheinen).

Schlautmann, Herbert, Vorsicht Strom! Elektrizität und andere technische Risiken im Handlungsfeld von Kindern. In: Sache-Wort-Zahl, 26. Jg., Heft 16, Juli 1998, S. 41-46.


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