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Geschlechtersensible Sprache

Die Sprache ist eines unserer wichtigsten Kommunikationsmedien und zugleich auch Bewusstseinsträgerin. Sie spiegelt Realität nicht nur wider, sondern sie konstruiert gesellschaftliche Wirklichkeit.

Die Diskriminierung von Frauen in der Gesellschaft drückt sich in und durch Sprache aus. In der deutschen Sprache finden sich verschiedene „vermännlichte“ Bezeichnungen, wie z.B. Herrschaft, Mannschaft, mannshoch, Herrenhaus usw. Im Gegensatz dazu werden die wenigen Begriffe, die sich auf Frauen oder Weiblichkeit beziehen, eher zu Zwecken der Verniedlichung oder Ablehnung eingesetzt, z.B. Fräulein oder alte Jungfer. Im Alltag finden sich darüber hinaus viele Beispiele von Verabsolutierung in Sätzen wie „ein Mann ohne Frau ist überhaupt kein Mensch“, „Jeder hat das Recht auf freie Meinungsäußerung“ oder in Begriffen wie ‚Studentenausweis’. In der deutschen Sprache wird stillschweigend ‚der Mann’ als ‚der Mensch’ gesetzt, ein Umstand, der unsere Denk- und Lebensweisen prägt.

Es existieren einige wichtige Grundregeln für geschlechtersensible Formulierungen:

1. Kongruenz: weibliche Personen werden in der weiblichen Form genannt. Bsp.: anstatt „sie ist Student“, „sie ist Ingenieur“ wird formuliert: „sie ist Studentin“, „sie ist Ingenieurin“; entsprechend gilt für männliche Personen die männliche Form. Diese Kongruenzregel gilt auch bei Nomen. Bsp.: „die Hochschule ist als Arbeitgeberin…“

2. Vermeidung von sexistischen bzw. abwertenden Ausdrücken: anstatt „Fräulein“ wird „Frau“ verwandt; anstatt „Hausmädchen“ wird „Hausangestellte“ genutzt.

3. Explizite Nennung von Frauen: anstatt „für Studenten ist der Eintritt frei“ wird „für Studentinnen und Studenten ist der Eintritt frei“ verwandt. (Paarformulierung)

4. Neutralisierung des Geschlechts: Es sollte darauf geachtet werden, dass Texte weiterhin flüssig lesbar sind, also stellt das Neutralisieren des Geschlechts eine Alternative zur Bildung von Paarformeln dar. Bsp.: „für Studierende ist der Eintritt frei“

a. Personenbezeichnungen: Es gibt Wörter, bei denen weder im Singular noch im Plural erkennbar ist, ob es sich dabei um weibliche oder männliche Personen handelt. Die Verwendung der folgenden Wörter erfolgt also, solange es keine Alternativen gibt, automatisch geschlechtsneutral. Bsp.: die Person/die Personen; das Mitglied/die Mitglieder; die Fachkraft/die Fachkräfte; das Elternteil/die Elternteile

b. Bezeichnungen der Funktion, des Amtes oder der Gruppe: Endungen wie „-ung“, „-ium“, „-schaft“ oder „-amt“ sind als geschlechtsneutral anzusehen. Bsp.: die Leitung; die Vertretung; das Ministerium; die Belegschaft

c. Pluralbildung: Im Singular ist das Geschlecht der Person durch den Artikel bzw. die Endung ersichtlich. Wird der Plural gebildet, so verschwindet die geschlechtliche Zuweisung. Bsp.: anstatt „die/der Beschäftigte“, „die Beschäftigten“; „die/der Interessierte“, „die Interessierten“.

d. Sache statt Person: Viele zusammengesetzte Wörter bestehen aus einem männlich konnotierten Wortteil. Es ist bei einigen Wörtern aber möglich, diesen maskulinen Anteil zu neutralisieren, indem man sich auf eine Sache bezieht. Bsp.: anstatt „Teilnehmerliste“, „Teilnahmeliste; anstatt „Rednerpult“, „Redepult“.

e. Relativsätze: Um eine geschlechtsspezifische Bezeichnung zu umgehen, steht das Relativpronomen „Wer“ zur Verfügung. Dieses lässt eine geschlechtsneutrale Umformulierung zu, die geschlechtsspezifische Personenbeziehung entfällt und wird mit einem Verb umschrieben. Bsp.: anstatt „der Antragssteller“: „Wer einen Antrag stellt…“; anstatt „Alle Besucher der Veranstaltung…“: „Wer die Veranstaltung besucht…“

f. Adjektiv/Partizipium statt dem männlichen Nomen: Unter Verwendung von Adjektiven und Partizipien lassen sich männliche Substantive einfach umschreiben. Bsp.: anstatt „die Unterstützung der Kollegen…“: „die kollegiale Unterstützung…“; anstatt „Verfasser“: „verfasst von“; anstatt „Vertreter“: „vertreten durch“. Substantivierte Adjektive und Partizipien haben im Plural keine Genusunterschreidung. Die Formen für beide Geschlechter sind gleich. Bsp.: Die Vorsitzenden, die Beisitzenden, die Beschäftigten, die Antragstellenden, die Anwesenden, die Berufstätigen, die Abgeordneten, die Sachverständigen.

g. Passiv Formulierungen: Durch Passiv Formulierungen lassen sich manche Teste geschlechtergerecht umformulieren. Bsp.: anstatt „Die Bewerberin/der Bewerber hat ein Abschlusszeugnis nachzureichen.“: „Ein Abschlusszeugnis ist nachzureichen.“

5. Groß I/R/N-Schreibung: Diese Art der geschlechtersensiblen Verwendung von Sprache wird in der schriftlichen Sprache angewandt. Bsp.: „UniversitätsprofessorIn“, „jedeR“, „…wir stellen eineN VerwaltungsfachangestellteN ein.“

Bei der Verwendung von geschlechtersensiblen Formulierungen ist auf die Lesbarkeit und auf die Verständlichkeit zu achten. In wissenschaftlichen Publikationen wird häufig darauf hingewiesen, dass aufgrund der besseren Lesbarkeit die grammatikalisch männliche Form benutzt wird, wobei Frauen mit gemeint seien; selbstverständlich gibt es auch Möglichkeit, die grammatikalisch weibliche Form zu benutzen und somit allgemein zu setzen.

6. Der Unterstrich _ bzw. das Sternchen * kommen als Umgang mit und zur Abgrenzung von einer zweigeschlechtlichen Ordnung zunehmend zum Einsatz: Die Rede ist dann von „Kolleg_innen“ oder „Student*innen“. Hintergrund ist, einen Raum für komplexe und vielgestaltige Geschlechtlichkeiten einzuziehen, die in der zweigeschlechtlichen Struktur von Sprache nicht vorkommen und somit unsichtbar gemacht werden (vgl. Herrmann 2003). Auch hier gibt es die Möglichkeit, auf die eindeutige Benennung zum Beispiel als „Autorin“ zurückzugreifen, etwa um eine ansonsten marginalisierte weibliche Subjektposition sichtbar zu machen.

 

Weiterführende Literatur:

Herrmann, Steffen Kitty (2003): Performing the Gap - Queere Gestalten und geschlechtliche Aneignung, in: arranca! Nr.28, Aneignung I, Berlin, S. 22-26. (Wiederabdruck in: A.G.Gender-Killer (Hg.) (2007), Das gute Leben. Münster: Unrast, S. 195-204)

Hellinger, Marlis (2000): Feministische Sprachpolitik und politische Korrektheit - der Diskurs der Verzerrung. In: die deutsche Sprache zur Jahrtausendwende. Sprachkultur oder Sprachverfall. – Mannheim: Dudenverlag

Prof. Dr. Friederike Braun: „Mehr Frauen in die Sprache“: http://www.fh-luebeck.de/Inhalt/09_Fachhochschule_intern/07_Services/04_Login/01_Archive/03_Q_Medienarchiv/04_Archive_der_Redakteure/Meinecke_Sabine/PDFs/Broschuere.pdf