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Intersektionalität

Intersektionalität (engl. intersection: Kreuzung, Schnittpunkt) beschreibt die integrative Analyse des Zusammenwirkens unterschiedlicher Formen und Dimensionen von Ungleichheit, Differenz und Herrschaft. Die in der Intersektionalitätsforschung verwendeten Differenzkategorien (die meist genannten sind race, class, gender), in denen Machtverhältnisse wirken, die einige Eigenschaften privilegieren und andere diskriminieren, werden dabei gesellschaftlich konstruiert.

Im politischen Kontext bezeichnet „intersectionality“ Konzepte, welche sich auf vielfältige Problemlagen und Formen von Diskriminierungen und Herrschaftsverhältnisse richten, denen bestimmte Gruppen in besonders hohem Maße ausgesetzt sind. In der Wissenschaft bezeichnet diese Perspektive den Anspruch, gesellschaftliche, institutionelle und subjektbezogene Dimensionen bei der Untersuchung von sozialen Ungleichheiten und Diskriminierungsformen zu verbinden.

Ansatzpunkte dieses Konzepts finden sich schon Mitte des 19. Jahrhunderts, als sich im Kontext der Frauenbewegung mit der Überschneidung von Rassismus, Sexismus und Klassizismus auseinandergesetzt wurde. In den 1990er Jahren wurde die Debatte um Intersektionalität vor allem in den USA im Kontext des Black Feminism erneut aufgegriffen und thematisiert.

Das Konzept der Intersektionalität impliziert einen komplexen Blick auf soziale Realität und wirft einige Fragen auf, welche aktuell diskutiert werden: Es handelt sich dabei keineswegs um eine einfache Addition der einzelnen Diskriminierungskategorien, vielmehr sind diese miteinander verwoben, beeinflussen sich wechselseitig oder verstärken bzw. schwächen einander ab. Welche Kategorien sind demnach wann und in welcher Form bedeutsam? Und können überhaupt alle relevanten Kategorien adäquat berücksichtigt werden? Darüber hinaus wird in der Intersektionalitätsforschung die soziale Konstruktion der verwendeten Differenz- und Ungleichheitskategorien hinterfragt und die Ausprägungen und Unterschiede (beispielsweise die Unterschiedlichkeit von Frauen) innerhalb einer Kategorie diskutiert.

Mittlerweile werden in der Intersektionalitätsforschung (auch „intersectional analysis“) bis zu zehn Differenzkategorien kombiniert, erweitert wurden Rasse, Klasse und Geschlecht unter anderem um die Kategorien Sexualität, Religionszugehörigkeit, Nationalität und Alter. Dieser Ansatz ermöglicht komplexere Auseinandersetzungen mit unterschiedlichen Formen von sozialer Ungleichheit und der (Re-)Produktion von Herrschaftsverhältnissen und erweitert die feministische Theorie um unterschiedlichste Perspektiven.

 

Weiterführende Literatur:

Crenshaw, Kimberlé Williams (1991): Mapping the Margins: Intersectionality, Identity Politics, and Violence against Women of Color. Stanford Law Review, Vol. 43, No. 6, S. 1241–1299.

Crenshaw, Kimberlé Williams (1991): Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics; In: The University of Chicago Legal Forum, S. 139–167.

Knapp, Gudrun-Axeli (2008): Intersectionality – ein neues Paradigma der Geschlechterforschung? In: Casale, Rita/ Rendtorff, Barbara (Hrsg.): Was kommt nach der Genderforschung? Zur Zukunft der feministischen Theoriebildung. Bielefeld: Transcript Verlag.

Klinger, Cornelia/ Knapp, Gudrun-Axeli (2005): Achsen der Ungleichheit: Zum Verhältnis von Klasse, Geschlecht und Ethnizität. Frankfurt am Main: Campus Verlag.

Lutz, Helma (Hrsg.) (2010): Fokus Intersektionalität. Bewegungen und Verortungen eines vielschichtigen Konzeptes. Wiesbaden: VS Verlag. Winker, Gabriele/ Degele, Nina (2010): Intersektionalität. Zur Analyse sozialer Ungleichheiten. Bielefeld: Transcript Verlag.