Forschungsprojekte

Der Arbeitsbereich setzt einen Schwerpunkt auf die Erforschung globaler Mikro- und Verflechtungsgeschichten. Vier Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse: Akteure globaler Verflechtung, Orte globaler Verflechtung, Diskurse/Imaginarien der Verflechtung sowie Dynamiken der Verflechtung und Globalisierung/en.


Interdisziplinäre Verbundprojekte



Habilitationsprojekte

Icon: Plus  Globalisierung und Kolonialismus. Eine Geschichte des europäisch-ostafrikanischen Waffenhandels und der Versuche seiner Regulierung, 1850-1900

Das Projekt widmet sich dem immensen europäisch-ostafrikanischen Feuerwaffenhandel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es nähert sich diesem Phänomen im Kontext der Globalisierung der ost- und zentralafrikanischen Handelsbeziehungen, untersucht Modalitäten des interkulturellen Kontaktes, der translokalen Verflechtung sowie Entflechtung, und fragt nach Zusammenhängen von Handel, Gewalt und Moralisierung. Es erforscht afrikanische und europäische Regulierungsversuche der Waffeneinfuhr und beleuchtet das Verhältnis von Humanitarismus und Kolonialismus. Es untersucht schließlich das koloniale Waffenregime und den Widerstand gegen dasselbe

Bearbeiter: Dr. Felix Brahm

Icon: Plus  Migration und Vergesellschaftung jenseits des nationalen Paradigmas. Eine Mikrogeschichte der Ruhrpolen, 1870–1950 (gefördert durch die DFG)

Das Projekt befasst sich mit dem Ruhrgebiet als Region verdichteter europäischer Kontakte und Mobilität im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Deutschland ist nach dem neuesten OECD-Bericht weltweit das zweitbeliebteste Zielland von Migration. Der Blick auf die frühe(n) polnisch-deutsche(n) Zuwanderung(en) in die Ruhrregion soll dazu beitragen, die lange und wechselvolle Geschichte der Migration nach Deutschland und die damit einhergehenden Austauschprozesse zu verstehen, zugleich aber auch vorherrschende Denkmuster zu reflektieren und im Hinblick auf vergessene Erfahrungen zu überdenken. Die Arbeit zielt darauf ab, die Beziehungen und Wechselwirkungen unter Zugezogenen und Sesshaften in der Ruhrregion aus unterschiedlichen Perspektiven – von Unternehmern, Kirchen, Polizei, staatlicher und städtischer Verwaltung, Mobilen und Zurückgebliebenen – auszuleuchten und dadurch das Verhältnis von Migration und Vergesellschaftung jenseits von Begriffen wie ›Integration‹, ›Assimilation‹ und ›Parallelgesellschaft‹ genauer zu fassen. Sie lotet Handlungsspielräume, Tendenzen der Adaption und der Resistenz im Lokalen in Relation zu einem sich steigernden und schwächer werdenden Nationalismus und einer globalen Ökonomie aus. Insgesamt soll sie so einen Beitrag dazu leisten, wie eine kulturell sensible, Mikro- und Makrostrukturen austarierende Geschichte von Migration und Gesellschaft aus dem Blickwinkel von Menschen unterschiedlicher Herkunft begründet werden kann.

Bearbeiterin: Dr. Anne Friedrichs

Icon: Plus  Shades of empire – photographies and policing in colonial Southern Africa

Das Forschungsprojekt Shades of empire – photographies and policing in colonial Southern Africa beschäftigt sich mit photographischen Sammlungen, die im Kontext polizeilicher Überwachung und Kontrolle im südlichen Afrika (Südafrika und Namibia) seit dem späten 19. Jh. entstanden sind. Im Einzelnen werden Gefängnisphotographien, polizeiliche Fahndungsbilder, Steckbriefe, Identitätsdokumente und Pässe analysiert und in ihrem jeweiligen spezifischen institutionellen und gesellschafts-politischen Entstehungszusammenhang analysiert. Das Projekt leistet einen innovativen Beitrag zur visuellen Geschichte des südlichen Afrikas, indem es konventionelle Bildkategorien, Genres und Typologien aufbricht, wie etwa die Unterscheidung zwischen „administrative and vernacular photography“ und Handlungsstrategien verschiedener – staatlicher und nicht-staatlicher - an photographischen Praktiken beteiligter Subjekte in den Blick nimmt. Theoretisch setzt sich das Projekt mit Fragen von Visualität und historischer Erzählung auseinander und diskutiert das koloniale Archiv als zentrale diskursive Form zur Herstellung photographischer Bedeutung.

Bearbeiterin: Dr. Lorena Rizzo



Promotionsprojekte

Icon: Plus  Die Rolle der Sowjetunion im Diskurs des argentinischen Peronism (1943-1955)

Nach dem argentinischen Militärputsch von 1943 entwickelte sich Oberst Juan Domingo Perón zum bedeutendsten politischen Protagonisten innerhalb des Militärs und wurde 1946 zum Präsidenten des Landes gewählt. Seine Regierungszeit bis zum Putsch von 1955, sein Einfluss aus dem Exil, seine Rückkehr 1973 und seine kurze erneute Präsidentschaft bis zu seinem Tod 1974 haben ihn zu einer prägenden Figur der argentinischen und lateinamerikanischen Geschichte gemacht. Die unter ihm entstandene Politik, Peronismus genannt, ist bis heute ein entscheidendes Element Argentiniens. Während die Bedeutung der USA für den Peronismus bereits Inhalt zahlreicher Studien ist, wird die Rolle der Sowjetunion, dem damaligen primären Gegenspieler der USA auf globaler Ebene, oft vernachlässigt. Der direkte sowjetische Einfluss in Argentinien war zwar in der Tat gering, die Positionierung der peronistischen Regierung gegenüber der UdSSR war jedoch ein wichtiger Bestandteil des damaligen Diskurses. Dies galt besonders im Zusammenhang mit der Betonung einer „Dritten Position“ zwischen den Supermächten des Kalten Krieges, was dem Versuch einer Neudefinition der argentinischen Stellung im globalen Kontext gleichkam. Diese „Dritte Position“ beinhaltete auch die bilateralen Beziehungen zur Sowjetunion, insbesondere um innenpolitisch die Rhetorik einer unabhängigen Stellung gegenüber den USA zu pflegen. Dabei verlor Perón jedoch nie aus dem Blick, sich vom sowjetischen Ideologiemodell zu distanzieren, das er mit seinen Befürchtungen einer Revolution in Argentinien in Verbindung brachte. Die diskursiven Bezüge auf die Sowjetunion weisen im Laufe des Untersuchungszeitraums einige Kontinuitäten als auch markante Brüche auf. Quellenbasis der Dissertation sind die Schriften und Reden Peróns, Interventionen anderer wichtiger Akteure des Peronismus sowie die Presseberichterstattung in Bezug auf zentrale Ereignisse, in denen die Sowjetunion und deren internationale Stellung wichtige Faktoren sind. Die Studie orientiert sich an der Methodik der historischen Diskursanalyse, verwendet darüber hinaus jedoch theoretische Überlegungen Ernesto Laclaus, die dieser in seinen Werken zum Thema Populismus entfaltet hat.

Bearbeiter: Mirko Petersen

Icon: Plus  Europäische Beobachter im griechisch-türkischen Krieg von 1897. Ein lokales Ereignis im globalen Vergleichshorizont

Der griechisch-türkische Krieg von 1897 zwang Freiwillige und Beobachter zu weltweiten Vergleichen. Was zwischen April und Mai 1897 in Thessalien geschah, ließ sich nicht mit lokalen Maßstäben beschreiben. Die Welt mit ihren technischen, kommunikativen und 'zivilisatorischen' Errungenschaften und Unterschieden diente den meist männlichen Europäern als Vergleichshorizont. Meine Dissertationsprojekt fragt, wie Kriegsberichterstatter und -teilnehmer, Militärs und Mediziner aus Großbritannien, Frankreich, und Deutschland die Ereignisse auf der historischen Bühne Griechenlands beobachteten und verglichen. Zugleich will es erklären, weshalb der globale Vergleich gerade zur Jahrhundertwende möglicherweise eine Veränderung erfuhr.

Bearbeiter: Niko Rohé

Icon: Plus  Deutsch-Chinesischer Waffenhandel (1928-1941)

Das Promotionsprojekt untersucht den deutsch-chinesischen Waffenhandel in der Zwischenkriegszeit, um Einsichten in die deutsch-chinesischen Beziehungen vor und nach dem erforschten Zeitraum zu erhalten. Ziel der Arbeit ist, auf Grund chinesisch- und deutsch-sprachiger Quellen, nicht allein den deutsch-chinesischen Waffenhandel in der Zwischenkriegszeit zu rekonstruieren, sondern auch die komplexen Selbst- und Fremdbeschreibung der historischen Akteure bzw. ihrer Kommunikation über den Waffenhandel einer kulturhistorischen Analyse zu unterzuziehen. Dabei werden die Machtverhältnisse zwischen China und Deutschland, die durch den deutsch-chinesischen Waffenhandel dargestellt, erzeugt und umgestaltet wurden, ins Zentrum der Fragestellung gestellt.

Bearbeiter: Lili Zhu

Icon: Plus  The American military at the margins of world society, 1865-1900

Why did the American state in the late 19th century abandon its traditional politics of anti-militarism and began to prepare for war in peacetime?

After the Civil War, a movement formed within the American military that wanted the armed forces to modernize and assume a greater role in the world and the nation. Early efforts of this reform movement were met with indifference, as the government quickly dismantled the wartime military and relegated its officers to political isolation. Toward the end of the century, however, America caught up with European military modernization, building a new navy and expanding the army, thus preparing for future conflicts. This research project will investigate why this change from anti-militarism to militarism occurred.

The proposed hypothesis is that this development was caused by changes in how the American state observed world politics. After 1865, military professionals looked to European states for models to fear and follow, whereas the public and the civilian state had little interest in global power politics. The “shrinking of the world” had contradictory effects on the United States, strengthening both anti-militaristic globalism as well as “Realpolitik” nationalism within different segments of the state. Only when these different modes of observation began to align did a political consensus emerge and reform became possible.

This research project contributes to the study of political development by showing how the uniquely American relationship between the military and the civilian state resulted in a bifurcated view of world politics. This will relate domestic developments to changes in world politics. Bringing the often-neglected case of American history into the discussion of state formation and world politics will add a new perspective to debates on comparisons and global entanglements. This project will draw on historiographic primary source analysis as well as methods from qualitative process-analytic political science.

Bearbeiter: Johannes Nagel

Icon: Plus  The Creation of American Regional Integration and the Origination of the Inter-American System after Independence. The Congress of Panama (1826) and the American Congress of Lima (1847)



Sonstige Forschungsprojekte

Icon: Plus  Doing Comparisons. Ein praxeologischer Zugang zur Geschichte der Globalisierung/en

Globaler Wandel wird durch Mikrodynamiken entscheidend beeinflusst. Ausgehend von dieser These entwickelt das Projekt einen neuen praxeologischen Ansatz zur Erforschung der Geschichte der Globalisierung/en. Dieser neue Zugang zur Globalisierungsgeschichte rückt die Analyse von Vergleichspraktiken sowie die handelnden Akteure ins Zentrum.

Bearbeiterin: Angelika Epple

Icon: Plus  Umkämpfte imperiale Ordnung. Komparative Praktiken translokaler Akteure im Umfeld des Spanisch-Amerikanisch-Kubanisch-Philippinischen Krieges

Der Krieg von 1898 hatte nachhaltige globale Konsequenzen, indem er etablierte Ordnungsmuster in Frage stellte: Zum einen realisierten die europäischen Großmächte, dass die USA nun als imperialer Rivale, der die amerikanische Hemisphäre für sich beanspruchte, ernst genommen werden musste. Zum anderen kämpften Kuba und die Philippinen um ihre Unabhängigkeit und versuchten, sich jeweils als Nationalstaat zu etablieren. Schließlich suchten die USA eine neue innere Einheit. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die eskalierenden sozialen und rassistischen Konflikte kontrolliert werden konnten: eher durch lokale Autoritäten oder durch bundes- bzw. zentralstaatliche Interventionen.

Das Projekt untersucht mit einem multiperspektivischen Ansatz erstens, wie sich in Folge und während des Krieges von 1898 die vielfältigen Gewalt-Dynamiken auf (trans-) lokaler, (trans-) nationaler und weltregionaler Ebene gegenseitig so beeinflussten, dass es zu einer Erosion und Neujustierung der imperialen Ordnung kam. Es geht zweitens der Frage nach, inwiefern für diese doppelte Bewegung Praktiken des Vergleichens grundlegend waren. Dabei stellt es konsequent translokale Verflechtungsbeziehungen ins Zentrum der Analyse. Es geht davon aus, dass mithilfe temporalisierter Vergleiche unterschiedlicher Akteure aus ganz unterschiedlichen Interessenlagen eine je spezifische Zukunft entwarfen, die den aktuellen mit dem zu erreichenden bzw. dem unbedingt zu verhindernden gesellschaftlichen Zustand in eine komparative Beziehung stellte. Die Vergleichspraktiken, so die Ausgangshypothese setzten Dynamiken frei, die zu neuen lokalen, nationalen und globalen Asymmetrien führten.

BearbeiterInnen: Angelika Epple, Klaus Weinhauer

Icon: Plus  Geschichte der Globalisierung/en

Die Geschichte der Globalisierung wurde bisher als ein Prozess der zunehmenden weltweiten Vereinheitlichung beschrieben. Das Buchprojekt setzt dagegen die Analyse zahlreicher Ver- und Entflechtungsprozesse, mit der die Welt seit dem 15. Jahrhundert einerseits einheitlicher, zugleich aber auch heterogener geworden ist. Ausgehend von einem mikrogeschichtlichen und akteurszentrierten Ansatz setzt es einen zeitlichen Schwerpunkt im langen 19. Jahrhundert und behandelt exemplarisch drei Themenfelder, die als entscheidende Kräfte hinter Globalisierungsprozessen gelten: Krieg und Frieden, die Produktion von Wissen und die Geschichte globaler Waren.

Bearbeiterin: Angelika Epple

Icon: Plus  Urbane Gewalt seit dem 19. Jahrhundert

Weltweit scheinen Gewalt und Stadt untrennbar verflochten zu sein. Diese Verbindung speist spätestens seit dem 19. Jahrhundert Untergangs- und Verfallsszenarien. Trotz dieser Dramatik und Relevanz fehlen immer noch historische Studien zu diesem Themenfeld, vor allem für das 20. Jahrhundert. Das Verhältnis von Stadt und Gewalt zu erforschen, berührt viele Sektoren der Geschichtswissenschaft: Stadtgeschichte, die Geschichte kollektiver Proteste, sozialer Bewegungen sowie die Arbeiter- und Arbeiterbewegungsgeschichte, aber auch die Wissens- Erinnerungsgeschichte. Zudem bietet sich das Themenfeld für interdisziplinäre Studien sowie für innovative methodische Ansätze (Transfers, Verflechtungen, lokale und globale Interaktionen) geradezu an. Zum einen verstehen die nachfolgend skizzierten Projekte Stadt als Knotenpunkt raumbezogener bisweilen gewaltsamer Kommunikation, beeinflusst von translokalen, transregionalen und transnationalen Imaginarien und Wissenssystemen. Zum anderen sind sie fokussiert auf kollektive körperliche Gewalt. Drittens wird Gewalt, neueren Forschungen folgend, als Kommunikationsakt verstanden.

Bearbeiter: Klaus Weinhauer

Icon: Plus  Urbane Gewalt in den USA und Lateinamerika der 1960/80er Jahre

(Teilprojekt 1)

Urbane Gewalt in Lateinamerika ist zwar in anthropologischen sowie sozial- und politikwissenschaftlichen Studien analysiert, jedoch fehlen speziell für das 20. Jahrhundert erstaunlicherweise geschichtswissenschaftliche Arbeiten. Ähnliches gilt für US-amerikanische Großstädte. Das sozial- und kulturgeschichtliche Projekt untersucht vor allem die markante Phase urbaner Unruhen von Mitte der 1960er bis in die 1980er Jahre. Methodisch werden Verflechtungs-, Vergleichs- und Transferperspektiven verknüpft. Mit diesem Ansatz sollen Leitbilder stadtgesellschaftlicher Integration, auf urbane Gewalt bezogene Wissenstransfers ebenso untersucht werden wie die Gewalt- und Befriedungspraktiken sowie Erinnerungskulturen relevanter zivilgesellschaftlicher und staatlicher Akteure.

Bearbeiter: Klaus Weinhauer

Icon: Plus  Der große Aufruhr (c. 1916-1923)

(Teilprojekt 2)

Zwischen etwa 1916 und 1923 gab es global unzählige kollektive Proteste. Arbeitsbezogene Streiks gehörten ebenso dazu wie Hungerunruhen, Mietstreiks und urbane Proteste; vereinzelt entstanden sogar Revolutionen. Erstaunlicherweise hat die Forschung diese Unruhen bislang noch nicht im Zusammenhang untersucht. Einzig die Revolutionen der ersten und zweiten Dekade des 20. Jahrhundert sind relativ gut untersucht – zumeist allerdings mit politikgeschichtlichen Ansätzen. Das Projekt untersucht diese große globale Unruhe aus sozial- und kulturhistorischer Verflechtungsperspektive, die sich auf Städte konzentriert und Labour-, Locality- und Global Studies methodisch integriert. Das Projekt geht von drei Fragen aus. 1.) Welche Ängste und Unsicherheiten prägen diese Unruhen und welche Einflüsse gehen dabei von den Revolutionen in Mexiko und Russland aus? 2.) Lassen sich im Anschluss an das Buch von Linebaugh/Rediker (The many-headed Hydra, 2003) in dieser globalen Unruhe auf lokaler, regionaler, nationaler und/oder transnationaler Ebene Verflechtungen der Kollektivakteure nachweisen. Handelte es sich gar um eine Wiederkehr der many-headed hydra? 3.) Welche konkreten Auswirkungen hatte der Erste Weltkrieg, der pauschal immer wieder als wichtiger Auslösefaktor genannt wird, auf diese Unruhen?

Bearbeiter: Klaus Weinhauer



Abgeschlossene Forschungsprojekte

Icon: Plus  From Amoy to Zanesville: American Children and World Geography at the Turn of the Twentieth Century

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert veränderten sich die nationalen Prioritäten der USA, als eine junge, aufstrebende Weltmacht. Das Ziel dieser Doktorarbeit ist es, die Art und Weise zu untersuchen, wie diese nationalen und internationalen Imperative die Praktiken und Vorstellung über Weltgeographie und Kartografie in den USA veränderten und wie letztere durch verschiedene Medien an amerikanische Jugendliche vermittelt wurden, damit diese als zukünftige erwachsene Amerikaner ihrer imperialen Rolle besser entsprachen. Bezugnehmend auf Raumtheorien von unter anderen David Harvey und Fredric Jameson, sowie methodisch basierend auf dem „close reading“, werden hauptsächlich Geografieeinführungswerke für die Schule und beliebte Geografiespiele analysiert, welche um die Jahrhundertwende von Erwachsenen für amerikanische Kinder der Mittel- und gehobenen Mittelschicht produziert und vermarktet wurden. Des Weiteren untersuche ich die Konsummuster dieses geografischen Wissenskomplexes, indem ich die von Kindern geschriebenen Briefe und entworfenen geografischen Puzzle analysiere, welche diese an die zwei berühmtesten Jugendzeitschriften der Zeit schickten. Durch diesen Korpus an verschiedenen Primärquellen erforsche ich erstens die konstruktiv konkurrierenden Welten einer tatsächlichen und imaginären Geografie, welche sowohl durch professionelle Geografen

Bearbeiterin: Mahshid Mayar

Icon: Plus  Koloniale Spurensuche in Bielefeld und Umgebung

Das aus einem Seminar mit MA-Studierenden und Doktoranden hervorgegangene Projekt fragt nach Spuren einer kolonialen Vergangenheit in Bielefeld und Umgebung. Es beleuchtet Regionalgeschichte aus einer globalen Perspektive und thematisiert die translokale Verflechtung Bielefelds. Die Ergebnisse weisen auf eine frühe und intensive ökonomische Verflechtung mit den ehemaligen deutschen Kolonien hin und zeigen die lokale Verankerung von kolonialem Aktivismus und missionarischem Engagement auf.

Bearbeiter: Felix Brahm / Bettina Brockmeyer

Icon: Plus  Locality and Transnational Processes. Modalities of Entanglement

HK Research Team for Locality and Humanities, Pusan National University

The objective of this interdisciplinary project was both to discuss and to clarify the theoretical concept of Locality, bringing together colleagues from the historical sciences with sociologists, anthropologists, linguists, and geographers. It inquired into reciprocal dependencies between local and transnational entanglements with the globalization process and tried to identify modalities of trans-local relations.

Bearbeiter: Angelika Epple / Felix Brahm

Icon: Plus  „Vogel-Mensch-Beziehungen. Eine Geschichte der Haustiere und der Pariser Aufklärung“

Bearbeiterin: Julia Breittruck

Icon: Plus  Fair Trade. Eine global-lokale Geschichte am Beispiel des Kaffees

"Fair Trade ist in. Die wachsende Nachfrage nach Waren mit symbolischen Wertzuschreibungen wie der des "gerechten Handels" hat dazu geführt, dass sich immer mehr wissenschaftliche Disziplinen dem Phänomen einer "Moralisierung der Märkte" (Nico Stehr) zuwenden. An historischen Untersuchungen mangelte es aber bislang. Diese Lücke füllt Ruben Quaas mit seiner Dissertation zur Geschichte des Fairen Handels. Der Fokus der Untersuchung liegt sowohl auf den Akteuren, die in der Arbeit über das Konzept der sozialen Felder gegriffen werden, als auch auf der Ware Kaffee. Quaas zeigt, dass die Wertzuschreibungen der Waren und das Verständnis eines Fairen Handels immer von der Interpretation globaler Zusammenhänge und von lokalen Wert- und Normvorstellungen geprägt war. Die Dissertation bietet den Diskussionen um eine Moralisierung der Märkte und um Sinn und Nutzen von Fair Trade ein historisches Fundament und wird sie so in ein ganz neues Licht stellen.
Die Dissertation wurde im Mai 2014 verteidigt und ist im Frühjahr 2015 beim Böhlau Verlag als Buch erschienen.

Bearbeiter: Ruben Quaas