Forschung

Aktuelle Projekte

BMBF-Projekt „Die Amerikas als Verflechtungsraum“

Projektleitung: Prof. Dr. Olaf Kaltmeier, Prof. Dr. Wilfried Raussert

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Die 3.500 km lange Grenze zwischen den USA und Mexiko ist ein monumentales Sinnbild für die paradoxale Verschränkung zweier gegenläufiger Phänomene: Auf der einen Seite sehen Sie die Versuche territorialer Abschottung durch Militarisierung der Grenze. Auf der anderen Seite wachsen Nord und Süd hier durch die unaufhaltsamen Flüsse von Menschen, Waren, Informationen und Medien immer stärker zusammen.

Das am Center for InterAmerican Studies (CIAS) der Universität Bielefeld angesiedelte interdisziplinäre BMBF-Projekt ?Die Amerikas als Verflechtungsraum? geht in diesem Zusammenhang den folgenden komplementär angelegten Fragen nach: Wie entsteht über transversale, d.h. translokale, transnationale, transregionale, Dynamiken ein hemisphärischer Verflechtungsraum der Amerikas? Und wie wird dieser Verflechtungsraum zunehmend zu einem zentralen Orientierungsrahmen für das soziokulturelle, wirtschaftliche, politische und ökologische Handeln auf dem Doppelkontinent?

Dabei sollen die Amerikas aber nicht als Surrogat eines neuen, übergeordneten Raumcontainers verstanden werden. Stattdessen geht es darum, konzeptionelle Zugriffe auf das Areale angesichts zunehmender Globalisierungsprozesse zu erarbeiten.

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BMBF-Projekt „Kompetenznetz Lateinamerika: Ethnicity, Citizenship und Belonging“

Teilprojekt A (seit 2010): Ethnizität, Citizenship und Belonging in der politischen Kommunikation
Projektleitung: Prof. Dr. Olaf Kaltmeier
Mitarbeiter: Dr. Jochen Kemner

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Das Kompetenznetz Lateinamerika ist ein Zusammenschluss historischer, ethnologischer und soziologischer Institute der Universitäten Köln, Bielefeld und Bonn und zweier assoziierter Wissenschaftler aus Münster und Hannover. Finanziert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung erforschen Geistes- und Sozialwissenschaftler in inter- und transdisziplinärer Projektzusammenarbeit die Konzepte "Ethnicity", "Citizenship" und "Belonging". Dabei wird unter anderem die Anwendbarkeit dieser Begriffe in der wissenschaftlichen und politischen Praxis in transregionalen Kontexten in den folgenden thematischen Clustern untersucht:

  • Ethnizität, Citizenship und Belonging in der politischen Kommunikation
  • Die Bedeutung von Räumlichkeit für die drei Leitbegriffe
  • Interdependenzen mit anderen Unterscheidungs- und Identitätskategorien

Die Forschungsarbeit des Netzwerks wird durch regelmäßig stattfindende Tagungen und Workshops international implementiert.

Ziel des interdisziplinären Netzwerkes ist die strukturelle Stärkung und Erweiterung des institutionellen Rahmens der auf Lateinamerika bezogenen Forschung im Bereich der Regionalstudien sowie die gemeinsame Entwicklung innovativer methodischer sowie theoretischer Ansätze.

Das regionale Experten-Netz stellt einen kompetenten Ansprechpartner für in- und ausländische WissenschaftlerInnen, Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit, Politiker und die interessierte Öffentlichkeit dar, die hier auf eine ausdifferenzierte Expertise zu historisch gewachsenen, aktuell brisanten Konfliktlinien in der Entwicklungszusammenarbeit, Politik, Wirtschaft und Kultur Lateinamerikas zugreifen können.

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Abgeschlossene Projekte

Nation-building, Citizenship und Belonging zwischen Kolonialherrschaft und Nationalstaat. Kommunale Verwaltung, "interethnische" Beziehungen und Formen indigenen Widerstands in Ecuador (1765-1857)

BMBF-Projekt „Kompetenznetz Lateinamerika: Ethnicity, Citizenship und Belonging“
Teilprojekt A: Ethnizität, Citizenship und Belonging in der politischen Kommunikation
Marc-André Grebe
Projektleitung: Prof.Dr. Christian Büschges

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Zentrales Anliegen des Forschungsvorhabens ist es, für den Zeitraum von 1765 bis 1857 die Aushandlung politischer Repräsentation und Partizipation zwischen indigenen Gruppen und Akteuren der spanischen Kolonialverwaltung bzw. des Nationalstaats in Ecuador herauszuarbeiten. Ein besonderer Schwerpunkt soll auf der kommunalen Ebene liegen, um die komplexen rechtlichen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Rahmenbedingungen politischer Teilhabe in den Blick nehmen zu können.
Anhand von ausgewählten Phasen konfliktiver Verdichtung, diskursiven Konjunkturen und Momenten der Politisierung wird für verschiedene Regionen Ecuadors -u.a. Otavalo, Pichincha, Tungurahua, Chimborazo- analysiert werden, mit welchen Strategien verschiedene Akteure Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe respektive -nach der Unabhängigkeit- Staatsbürgerschaft finden bzw. ob und auf welche Weise diese Teilhabe verweigert wurde. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf der Frage nach der Bedeutung ethnischer Identitäten als Ressource politischer Inklusion und Exklusion. Mit der Arbeit sollen vor der Folie der ausgehenden spanischen Kolonialherrschaft, der Unabhängigkeitsbewegung und des nation-buildings im andinen Raum der Wandel bzw. die Kontinuitäten des Nexus zwischen ethnischer Zugehörigkeit und dem Kampf um politische Teilhabe herausgearbeitet werden.

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Politische Gewalt und state formation. La Violencia in Tolima, Kolumbien 1946-1964

Teilprojekt des SFB 584: "Das Politische als Kommunikationsraum in der Geschichte"
Dr. Lukas Rehm
Projektleitung: Prof.Dr. Christian Büschges

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Das Projekt untersucht den als La Violencia bekannten Bürgerkrieg in Kolumbien zwischen 1946 und 1964 in der Provinz Tolima. Das Projekt fragt zum einen auf der Akteursebene, wie Gewalt als Mittel der politischen Exklusion und Inklusion eingesetzt wurde bzw. wie Machtstrukturen durch gewaltsames Handeln festgeschrieben oder unterminiert wurden. Das Projekt geht von der These aus, dass sich der Gewaltakt nicht nur an das Opfer, sondern - als eine Form der Kommunikation (ritualisierte und symbolische Gewalt) - auch an dritte Akteure wie Medien, das soziale Umfeld des Opfers etc. richtet. Daher untersucht das Projekt zum anderen auf einer zweiten Analyseebene die diskursiven Deutungskämpfe um den Charakter der Gewalthandlungen und ihre Legitimität. Diese entscheiden darüber, ob Akteure über Akte der Gewalt die Partizipation am Politischen erreichen. Dabei wird gefragt, wie der politische Raum durch die Gewalt selber und die Diskurse über sie verändert, ausgeweitet oder verengt wird und ob neue Machtverhältnisse in ihm etabliert werden. Auf einer dritten Untersuchungsebene nimmt das Projekt Prozesse der state formation in den Blick. Dabei untersucht es, wie der Staat auf der regionalen Ebene (gewaltsam) seinen Führungs- und Souveränitätsanspruch durchsetzte, ergo konstituiert wurde bzw. ob und wie der Staat (gewaltsam) in seinem Machtanspruch angefochten wurde.

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Diskurse, Praktiken und Instrumentalisierung von Ethnizität und Identität in Prozessen und Szenarien der gesellschaftlich-politischen Verhandlungen zwischen 1980-1995:
Die bewaffneten Bewegungen und die Nationale Verfassungsversammlung ("Asamblea Nacional Constituyente" - ANC) in Kolumbien 1991

BMBF-Projekt „Kompetenznetz Lateinamerika: Ethnicity, Citizenship und Belonging“
Teilprojekt A (Seit 2010): Ethnizität, Citizenship und Belonging in der politischen Kommunikation
Eric Javier Bejarano Vargas
Projektleitung: Prof.Dr. Christian Büschges

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Das Forschungsprojekt untersucht, wie und warum sich mehrere bewaffnete Bewegungen in Kolumbien demobilisiert und in den Verfassungsgebungs-(ANC) Prozess des Jahres 1991 integriert haben. Unter besonderer Berücksichtigung der Konstellation der Guerilla-Gruppen M-19, MAQL, PRT und EPL im Zeitraum der Jahre 1980-1995 werden deren politische und kulturelle Praktiken sowie deren symbolische Formen in Verbindung mit dem ANC-Prozess analysiert. Ferner sollen ihre Organisationsformen, die von ihnen mobilisierten Ressourcen, ihre Strategien und ihre Beziehungen zu anderen Gruppen betrachtet und gezeigt werden, wie sie sich als Bewegung erhalten konnten. Darüber hinaus wird die Rolle und Instrumentalisierung von neuen Konzepten wie "kollektiver Identität", von neuen (kulturellen oder ideologischen) Faktoren und neuen Themen (wie "Ethnizität" oder "Staatsbürgerschaft") untersucht, um ein Verständnis davon zu erlangen, wie es diese den betreffenden Gruppen erlaubt haben, ihre politische Legitimität und ihre kollektiven Aktionen zu erhalten, um sich besser im Gegensatz zu den traditionellen politischen Parteien positionieren und populäre Forderungen besser vertreten zu können - und wie sie dadurch ihre Ziele zu einem gewissen Grad erreichen konnten, während sie zugleich neue kognitive Modelle, Werte, Ideologien und/oder Politiken der Identität repräsentierten.

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Ethnisierung und De-Ethnisierung des Politischen. Medien, Akteure und Semantiken des Ethnischen im transnationalen Kommunikationsraum

Teilprojekt B13 des SFB 584 (seit 2008): "Das Politische als Kommunikationsraum in der Geschichte"
Projektleiter: Prof.Dr. Christian Büschges, Prof. Dr. Joanna Pfaff-Czarnecka, Prof. Dr. Wilfried Raussert, Prof. Dr. Sebastian Thies
Mitarbeiter: Dr. Jochen Kemner, Annette Rukwied, Naveen Dubey

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Das interdisziplinär angelegte Projekt legt seinen Fokus auf die für die dritte Förderphase des SFB angestrebte stärkere Gewichtung der Transnationalität, der historischen Semantik und auf eine deutliche medien- und kulturhistorische Schwerpunktsetzung.
Wie das Vorgängerprojekt für den nördlichen Andenraum und Südasien gezeigt hat und wie auch durch die aktuelle Situation in der Contact Zone zwischen Mexiko und den USA (Migrationsproblematik, Ethnisierung des Mainstreams) nachdrücklich unterstrichen wird, drängen sich Ethnizitätspolitiken zeitgeschichtlich - aber auch in der diachronen Perspektive seit der frühen Neuzeit - als ein zentrales Forschungsfeld bei der Untersuchung des historischen Wandels des politischen Kommunikationsraums auf. Diese Tendenzen sind mit dem Ende des kalten Krieges beträchtlich gestärkt worden. Durch die stark polarisierende Wirkung der ethnischen Dimension sozialer Konflikte auf der einen sowie durch die Entwicklung von kulturpolitischen Akkomodations- bzw. Integrationsstrategien und Mechanismen zur Konflikteindämmung auf der anderen Seite, wirkt die Politisierung des Ethnischen auf eine nachhaltige und strukturelle Veränderung der kulturellen und politischen Macht- und Repräsentationsverhältnisse hin.
Die Semantiken des Ethnischen bestimmen zunehmend die politische Kommunikation in der sich formierenden Weltgesellschaft. Dies gilt sowohl in Hinblick auf sich ethnisch definierende Widerstandskulturen als auch auf nationale und supranationale Interventionsstrategien. Ungeachtet ihrer enorm gesteigerten Medienpräsenz ist die mediale Rahmung von Ethnizitätspolitiken noch kaum untersucht worden. Diese Lücke in der Kultur- und Sozialforschung gilt es zu beheben, wird doch das Verständnis dafür, wie die ethnischen Akteure mediale Aufmerksamkeit erlangen, mehr Aufschluss über die globale Erfolgsgeschichte der Ethnisierung des Politischen geben.

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Politiken der Ethnizität und ihre Institutionalisierung in supranationalen Aushandlungsprozessen

Teilprojekt des SFB 584: "Das Politische als Kommunikationsraum in der Geschichte"
Dr. Jochen Kemner
Projektleitung: Prof.Dr. Christian Büschges

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Im Fokus der Studie steht die Frage der Angleichung ethnischer Legitimationsfiguren im supranationalen Raum des Politischen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Ethnizität seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts zu einem wichtigen transnationalen Phänomen geworden ist, das inzwischen zahlreiche Artikulationsforen gefunden hat, unter denen die unter dem Dach der Vereinten Nationen etablierten Einrichtungen von größter Bedeutung sind. Ziel des Habilitationsprojektes ist es, die sich ausbreitende Weltkommunikation des Ethnischen in ihrer gegenseitigen Beeinflussung von weltpolitischen Veränderungen und Einwirkungen lokaler Konstellationen zu erfassen. Dazu greift die Untersuchung Ergebnisse der Regionalstudie zum südamerikanischen Andenraum (Ecuador) aus der vorherigen Projektphase des SFB-584 auf und untersucht, inwiefern und in welcher Form einerseits lokale Akteure aus dieser Region in den globalisierten Diskurs von Ethnizität einwirken und dieser Diskurs andererseits Auswirkungen zeigt auf die Aushandlungsprozesse um Rechte ethnischer Gruppen vor Ort. Der Untersuchungszeitraum reicht von den Anfängen transnationaler ethnischer Mobilisierung in den späten 1960er-Jahren bis in die Gegenwart.

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E Pluribus Unum? Ethnic Identities in Transnational Integration Processes in the Americas

Prof. Dr. Olaf Kaltmeier zus. mit Prof. Dr. Sebastian Thies und Josef Raab (Duisburg-Essen)
ZiF-Forschungsgruppe 2008/2009

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This research group will explore (contemporary) constructions and uses of ethnicity in North, Central and South America against the background of intensifying transnationalism. Ethnicity will be examined in this inter-American context as a factor in positioning Self and Not-Self and as cultural capital. The goal of this project is to apply Pierre Bourdieu's model of identity politics to ethnic identities in the Americas and to refine and reshape this model in the process.
The age of globalization has spawned a renewed focus on political and cultural negotiations in what one might call with Bourdieu the field of identity politics. This development manifests itself throughout the American hemisphere: new indigenous movements have contested post-colonial forms of political representation in Ecuador and Bolivia; the debates on ecological consequences of industrialization and on intellectual property rights have put indigenous groups from the Amazonian region on international agendas; large numbers of people have been mobilized for and against immigration reform in the U.S.; and so-called "ethnic minorities" may decide the current electoral process in the United States. Academic debates on identity politics have shifted from assumptions of a "post-ethnic" age to the foregrounding of ethnically defined communities.
This renewed focus on ethnic identity demonstrates the need for a comprehensive and interdisciplinary model of analysis that incorporates the complexity of identity constructions in the context of transnational integration. The Research Group aims to contribute to a comprehensive understanding of key factors in the field of identity politics, of the changing semantics of ethnicity, as well as of the cultural practices of identity construction. How are identity-shaping strategies and discourses translated into everyday practices and how do social elites, political institutions, businesses, the media, and agents of civil society mediate between local, national, and transnational horizons of interaction?

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Ethnisierung und De-Ethnisierung des Politischen. Prozesse von Inklusion und Exklusion in andinen und südasiatischen Kommunikationsräumen

Teilprojekt B13 des SFB 584 (2004 - 2008): "Das Politische als Kommunikationsraum in der Geschichte"
Prof. Dr. Olaf Kaltmeier und Friso Hecker
Projektleiter: Prof.Dr. Christian Büschges, Prof. Dr. Joanna Pfaff-Czarnecka

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Am 9. November 1990 trat in Nepal eine neue Verfassung in Kraft, die den nepalischen Nationalstaat als "multiethnisch, multisprachig, demokratisch und konstitutionell" definiert. Im Juni desselben Jahres kam es in Ecuador zu einem mehrtägigen landesweiten Indianeraufstand, zu dessen Zielen die verfassungsmäßige Anerkennung der kulturellen Identität und der politischen Repräsentation der verschiedenen indigenen Gruppen des Landes gehörte. 1998 wurde schließlich die ecuadorianische Verfassung reformiert, die den Staat nunmehr als "demokratisch, plurikulturell und multiethnisch" definiert.
Die beiden Verfassungen sind Ausdruck und - zumindest formalrechtlich - vorläufiger Höhepunkt einer sich gegenwärtig in den Ländern des südamerikanischen Andenraumes und Südasiens manifestierenden Ethnisierung des Politischen. Dieser Ethnisierungsprozess zeigt sich in der von verschiedenen politischen Akteuren geforderten Anerkennung und Wahrung der Lebensformen ethnischer Minderheiten, der politischen Repräsentation von sich ethnisch identifizierenden Personengruppen und der Neudefinition dessen, wie die nationale Einheit zu denken sei.
Dieser Prozess ist nicht nur der transformativen Potentiale und der gesellschaftlichen Sprengkraft wegen von Interesse, sondern ebenfalls angesichts eines Paradoxes: In den aktuellen Unrechtsdiskursen der ethnischen Minderheiten und in den nationalen wie ethnischen Selbst-Repräsentationen ist die Tendenz stark, das Einzigartige, Gruppenspezifische und Unverwechselbare zu betonen. Die beteiligten Akteure ringen daher darum, ihre jeweils partikulare Vision der gesellschaftlichen Inklusion zu kommunizieren und sie verwenden in den öffentlichen Auseinandersetzungen eigene Symbole und Ideologeme, deren Legitimität postuliert wird. Zugleich betonen die verschiedenen Akteure jedoch im Zuge demokratischer Aushandlungen den universellen Charakter der eigenen Ansprüche.
Die Parallelen in den beiden Regionen sind unübersehbar und zugleich frappant. Das Teilprojekt untersucht daher in vergleichender Perspektive die Präsenz und Bedeutung ethnisch begründeter Semantiken (Diskurse und Symbole) im politischen Kommunikationsraum der Länder Ecuador und Nepal und fragt nach den politischen Akteuren, die diese Semantiken in die politische Kommunikation einbringen bzw. die Ethnisierung des Politischen zurückweisen. Das Teilprojekt unterscheidet dabei verschiedene historische Phasen der diskursiven Inklusion und Exklusion ethnisch bzw. nicht-ethnisch definierter Akteure und Themen.
Das Teilprojekt gliedert sich in zwei Untersuchungsebenen. Auf einer ersten, die Langzeitachse des 19. und 20. Jahrhunderts in den Blick nehmenden Ebene analysieren die Projektleiter in Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen aus den jeweiligen Untersuchungsländern ausgewählte historische Momente der durch Ethnisierungs- und De-Ethnisierungsprozesse gekennzeichneten politischen Kommunikation seit den Anfängen der modernen Staatsbildung im frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Hierbei lassen sich für beide Länder drei aufeinander folgende Phasen unterscheiden, in denen je spezifische politische Integrationsmodelle öffentlich kommuniziert wurden. Auf einer zweiten, zeitgeschichtlichen Ebene wird anhand je eines Dissertationsprojektes die gegenwärtige Hochkonjunktur der Ethnisierung des Politischen untersucht und nach den Akteuren und Diskursen gefragt, die eine ethnische Identitätspolitik zurückweisen und für eine De-Ethnisierung des Politischen eintreten.

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Freie Farbige in Santiago de Cuba: Eine Kollektivbiographie (1850-1886)

Promotionsprojekt (2000-2005)
Dr. Jochen Kemner

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In den rigiden sozialen Hierarchien der Sklavereigesellschaften kam den freien Nachfahren von Sklaven eine Mittlerrolle zu. Relativ hohe Zahlen an individuellen Sklavenfreilassungen sowie natürliches Bevölkerungswachstum sorgten dafür, dass durchgehend 15-20% der Bevölkerung Kubas bis Mitte des 19. Jahrhunderts freie Mulatten und Schwarze waren.
Das Dissertationsprojekt untersucht in Form einer Mikrostudie vor allem soziale und ökonomische Aspekte der Wirklichkeit der libres de color in Kuba, in einer Epoche, die von der Desintegration des Sklavereiregimes und damit der Aufhebung der Unterscheidung von freien und unfreien Farbigen gekennzeichnet ist. Konkret geht es um die Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs, des Zugangs zu Bildung, der beruflichen Ausdifferenzierung und der Ausübung der Mittlerfunktion zwischen weißer Bevölkerung und Sklaven. Dabei sollen auch mentalitätsgeschichtliche Fragen beantwortet werden.
Der gemeinsame rechtliche Status kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei den freien Farbigen um ein ideologisches gesellschaftliches Konstrukt handelte und nicht um eine Selbstzuschreibung als soziale Gruppe. Auf der Grundlage der Kriterien Herkunft, Hautfarbe, Geburt und Besitz lassen sich so verschiedene Einzelgruppen unterscheiden, die ein breites Spektrum repräsentieren und an deren Polen die Barrieren zu Weißen und Sklaven verschwanden.
Schließlich gilt es zu beachten, inwieweit sich diese traditionelle Sozialordnung im Zuge der kubanischen Unabhängigkeitsbewegung ab 1868 aufzulösen begann, inwieweit der gemeinsame Kampf gegen die Kolonialmacht sich auch in einem veränderten Zusammenleben von Weißen und Farbigen in den Städten niederschlugen.

Akten, Archive, Absolutismus? Die Entwicklung und Rolle der Archive als Herrschaftsinstrument der spanischen Krone (1516-1598)

Projekt des GK 1049: Archiv, Macht, Wissen. Organisieren, Kontrollieren, Zerstören von Wissensbeständen von der Antike bis zur Gegenwart
Marc-André Grebe

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Das Projekt möchte vor der Folie der Absolutismus-Debatte am Beispiel des Kronarchivs in Simancas untersuchen, wie Herrschaft in der Frühen Neuzeit funktionierte. Anhand von Weisungen, Korrespondenzen, Instruktionen, politischen Testamenten, etc. soll die Organisation des Archivs, die Sicherung von Beständen, sowie die Aushandlung von politischen Kräfteverhältnissen wie auch Identität(en) auf der iberischen Halbinsel mittels des Archivs als Herrschaftsinstrument im Zuge der Herausbildung des postfeudalen Staates untersucht werden.

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Aktuelles

Kolloquium IAS

06.12.2016

Olga Odgers Ortíz
(Colegio de la Frontera Norte, México)

Mudando el hogar al Norte: la integración de los mexicanos en Estados Unidos