Abteilung Geschichtswissenschaften - Geschichte moderner Gesellschaften
 
 
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Forschung

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fördert neues Forschungsprojekt:

"Strukturwandel der Anerkennung im 21. Jahrhundert"

beim "Institut für Sozialforschung" (IfS), Frankfurt/Main, in Zusammenarbeit mit u.a. Prof. Dr. Werner Plumpe (Universität Frankfurt/Main) - mehr Informationen auf der enstsprechenden Website des IfS: www.ifs.uni-frankfurt.de/forschung/anerkennung/index.htm


Auszug aus dem Forschungskonzept:

"Anerkennung ist ein Schlüsselbegriff unserer Zeit. Gesellschaftliche Konflikte werden von den Beteiligten meist nicht nur als Kämpfe um materielle Besserstellung beschrieben, sondern ebenso als Kämpfe um Anerkennung. Menschliches Sozialverhalten wird auch vom Bemühen motiviert, emotionale Zuwendung, Achtung, Respekt und individuelle Wertschätzung zu erlangen. Die Erfüllung von Anerkennungsbedürfnissen ist eine notwendige Bedingung für die Ausbildung unbeschädigter intersubjektiver Beziehungen und personaler Identität.

Anerkennung lässt sich nicht als eine einheitliche Einstellung konzeptualisieren, sondern tritt in Form von mehreren irreduziblen Varianten auf. Das Projekt geht von drei komplementären "Anerkennungssphären" aus, denen drei verschiedene "Anerkennungsmodi" entsprechen: In den Systemen von Recht und Politik wird ein formalistisch-allgemeiner Anspruch auf Anerkennung realisiert; im Arbeits- und Berufsleben geht es um die Anerkennung von kollektiven Besonderheiten; in Familie und Partnerschaft sucht das Individuum Anerkennung seiner unverwechselbaren Einzigartigkeit.

In historischer Perspektive wird das komplexe, intern differenzierte System der Anerkennung als ein zentrales Charakteristikum der abendländischen Moderne verstanden, das aus vielfältigen Ausdifferenzierungsprozessen einer einheitlichen Ehrsemantik hervorgegangen ist. Die Rekonstruktion seiner Historizität untersucht die konkreten historischen Umbrüche seit 1750, auf die die Ausdifferenzierung der Anerkennungsbeziehungen reagiert hat, und bildet die Grundlage für zeitdiagnostische Analysen aktueller Veränderungen, die sowohl die Sphärendifferenzierung als auch die in ihnen verwirklichten Anerkennungsformen betreffen. [...]

Das Forschungsprojekt bringt historiographische, juristische, soziologische und philosophische Fragestellungen in der Erforschung einer zentralen Gegenwartskategorie zusammen. Dabei stellt es sich in die Forschungstradition der Kritischen Theorie.

Das Projekt ist unterteilt in drei große Teilprojekte. Das erste Teilprojekt beschäftigt sich mit der Sozialgeschichte der Anerkennung; das zweite ist mit dem Strukturwandel der Sphären der Anerkennung zu Beginn des 21. Jahrhunderts, insbesondere in den Bereichen des Rechts, der Wirtschaft und der Arbeit, befasst; das dritte schließlich erarbeitet deontologische Kategorien für eine normative Reflexion von Anerkennungsansprüchen."