Kooperationen

Der Lehrstuhl betreibt seit 1991 eine aktive Partnerschaftspolitik, u.a. mit Forschungs- und Lehreinrichtungen in Russland, Polen und der Mongolei. Neben Forschungsprojekten (Finanzierung über Mittel der DFG) standen dabei zunächst vor allem Projekte zur Curriculumsreform im Rahmen des TEMPUS-Tacis-Programms der Europäischen Union in den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften im Vordergrund. Bei diesen Projekten wurde gemeinsam mit der Partneruniversität an einer Reform der Lehrinhalte und der wissenschaftlichen Herangehensweisen gearbeitet. Nach dem Auslaufen der EU-Finanzierung konnten zur Fortsetzung der Arbeit Mittel des DAAD eingeworben werden (Pädagogische Universität Jaroslavl’, Mongolische Staatsuniversität für Pädagogik, 1999-2009). Soweit die Projektförderung ausgelaufen ist, werden die Kooperationen über Eigenmittel der beteiligten Universitäten und maßnahmebezogene Einwerbung von Drittmitteln fortgeführt.

Alle Projekte verfolgen das Ziel, Wissenschaftler und Studierende auszutauschen und dabei mit den Herangehensweisen und dem Studienaufbau an den Partneruniversitäten bekannt zu machen. Ein besonderer Akzent liegt dabei auf dem Austausch von Nachwuchswissenschaftlern zur Förderung ihrer Weiterqualifikation. Zur Verbreitung der Projektergebnisse werden an den Partneruniversitäten Sommerschulen durchgeführt und spezielle Seminare zur Lehrerweiterbildung angeboten. Außerdem finden regelmäßig Studienpraktika in den Fächern Geschichte und Landeskunde in Bielefeld statt und, bezogen auf die Studierenden in MBA-Programmen, Betriebsbesuche und einmonatige betreute Betriebspraktika (in Kooperation mit Prof. Dr. Helmut Steiner, Geschäftsführer der Westfälisch-Lippischen Universitätsgesellschaft).

Ein wichtiger Bestandteil der Zusammenarbeit ist der intensive Austausch von Hochschullehrern zur Herstellung nachhaltiger Kontakte. Der Standort Bielefeld hat es ermöglicht, nicht nur einen erheblichen Teil der Kollegen der Abteilung Geschichte an dieser Arbeit zu beteiligen, sondern auch Kollegen aus den Nachbardisziplinen (Philosophie, Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Pädagogik, Soziologie, Politische Wissenschaft und Deutsch als Fremdsprache) einzubeziehen. Bei Fragen der Hochschulreform und des Universitätsmanagements beteiligen sich auch die Rektoren von Prorektoren (zuletzt im November 2010 bei der Teilnahme am Forum in Jaroslavl’). Im Kalenderjahr 2010 wurden am Lehrstuhl insgesamt 41 Gastwissenschaftler, Studierende (einschließlich MBA-Programm) und Doktoranden aus der Mongolei, Russland, Polen und den USA betreut.

Alle Kooperationen umfassen den Austausch von Hochschullehrern, Nachwuchswissenschaftlern und Studierenden. Darüber hinaus bestehen spezifische Ziele im Bereich von Forschung, Ausbildung oder Curriculumsentwicklung bei den folgenden Projekten:

Seit 2009 wird von der VW-Stiftung das Forschungsprojekt “From Kolkhoz to Jamaat. The Transformation of Rural Islamic-Background Communities in the Former USSR: An Interregional Comparative Study, 1960s-2000s” finanziert, das gemeinsam mit Christian Noack (Maynooth University) und Stéphane Dudoignon (EHESS) durchgeführt wird. Projektkoordinator ist Dietmar Wulff. An den Forschungen beteiligen sich Wissenschafter vom Centre d' Études Turques, Ottomanes, Balkaniques et Centrasiatique (EHESS, Paris), der Universität Amsterdam, des Instituts für Orientforschung und des Instituts für Anthropologie und Ethnologie der Russischen Akademie der Wissenschaften (Moskau), des Instituts für Geschichte, Archäologie und Ethnographie des Wissenschaftlichen Zentrum Makhachkala (Dagestan) der Russischen Akademie der Wissenschaften, des Instituts für Geschichte der Tatarischen Akademie der Wissenschaften (Kazan’), des Beruni- Instituts für Orientforschung sowie des Instituts für Geschichtswissenschaften der Usbekischen Akademie der Wissenschaften (Taschkent), des Instituts für Orientforschung der Kasachischen Akademie der Wissenschaften (Almaty) sowie ein tadshikischer Historiker. Das Anliegen des bis Mitte 2012 laufenden Projektes besteht darin, die endogenen, in der sowjetischen Geschichte angelegten Ursachen für das Wiedererstarken des Islam in der Volga-Ural-Region, im Nordkaukasus sowie in Mittelasien zu ermitteln.

Die Kooperation mit der Pädagogischen Staatsuniversität in Jaroslavl’ besteht seit 1994. Die Zusammenarbeit zielt insbesondere auf die Verbesserung der Geschichtslehrerausbildung und des Geschichtsunterrichts an Schulen. Dies stellt eine wichtige Vorbedingung für den allmählichen Übergang zu einer demokratischen Gesellschaftsordnung in Russland dar. Zu den Maßnahmen gehören die Erarbeitung von geeigneten Unterrichtsmaterialien für Studierende, die Durchführung von Seminaren für Hochschullehrer und Doktoranden, das Angebot von Sommerschulen für Nachwuchswissenschaftler aller Hochschulen der GUS-Staaten, die hochschuldidaktische Aus- und Fortbildung, die Lehrerweiterbildung und die Initiierung gemeinsamer Forschungsvorhaben.

Die Kooperation mit der Mongolischen Staatsuniversität für Pädagogik in Ulaan Baatar besteht seit 1996. Seit 2004 liegt hier der Schwerpunkt auf der Reform der Curricula für die Masterstudiengänge mit der Zielsetzung, diese qualitativ anzuheben und in Richtung auf internationale Standards zu entwickeln. In die Projektarbeit sind alle mongolischen Hochschulen mit Studienangeboten im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaft einbezogen. Die Zusammenarbeit bezieht auch den Bereich Deutsch als Fremdsprache ein.

Die Kooperation mit der International University of Business and New Technologies (Mubint) in Jaroslavl’ besteht seit 1999. Diese Kooperation zielt auf die Curriculumsreform im Bereich der Wirtschaftswissenschaft und die Unterstützung eines russischsprachigen MBA-Programms. Seit 2006 wird jährlich gemeinsam eine internationale Konferenz zum Erfahrungsaustausch bei der Einführung gestufter Abschlüsse für russische Hochschulen veranstaltet, die seit 2010 in das jährlich in Jaroslavl’ stattfindende Forum des Gouvernements Jaroslavl’ (zum Thema: „Innovation. Business. Education“) eingebunden ist. Außerdem umfasst die Kooperation seit 2008 die gemeinsame Veranstaltung von internationalen Studierendenkonferenzen in Jaroslavl’ und das Angebot von Studienpraktika in Bielefeld.

Die Zusammenarbeit mit der Akademie für Volkswirtschaft bei der Regierung der Russischen Föderation besteht seit 1994. Zwischen 1994 und 2010 wurde im Rahmen der Akademie ein zweijähriger postgradualer deutschsprachiger „Master of Business Administration“ angeboten. Dieses Programm wurde von der Deutschen Botschaft in Moskau und vom DAAD unterstützt. Über 300 angehende russische Führungskräfte für das Management haben dieses Programm erfolgreich absolviert und sowohl ein deutsches Diplom des Landes Sachsen-Anhalt als auch ein russisches Diplom der Akademie für Volkswirtschaft erhalten. Für die Programmbesten wurde jeweils ein einmonatiges betreutes Betriebspraktikum in namhaften Bielefelder Betrieben organisiert. Die zukünftige Zusammenarbeit mit der Akademie für Volkswirtschaft wird sich auf Forschungsprojekte im Rahmen der Agrar- und Wirtschaftsgeschichte beziehen.

Die Kooperation mit der Nationaluniversität Tashkent in Usbekistan bezog sich in den Jahren 1999 – 2005 auf die Einrichtung eines neuen Masterabschlusses „European Studies“. Dieser zweijährige Masterstudiengang wurde als interdisziplinäres Programm von den Fakultäten für Politik und Soziologie, Wirtschaft, Recht und Geschichte getragen.

Die Kooperationen mit der Europäischen Universität in St. Petersburg und der University of Notre Dame in Indiana seit 2010 zielt auf die Veranstaltung von Sommerschulen und den Austausch von DoktorandInnen im Rahmen der Graduiertenausbildung.

Mit den Geschichtsinstituten der Russischen Akademie der Wissenschaft in Moskau und St. Petersburg wird seit 1993 im Rahmen der Forschungsprojekte der Abteilung kooperiert. Besonders intensiv war diese Kooperation in den Jahren 1993 – 1997, als gemeinsam an dem Thema „Städtische Selbstverwaltung und bürgerliche Eliten vor 1914. Russland im Vergleich mit Deutschland“ des Bielefelder Sonderforschungsbereichs gearbeitet wurde. Die Zusammenarbeit umfasst regelmäßige Besuche und bezieht sich im Moment auch auf die Arbeit im neuen Bielefelder Sonderforschungsbereich „Das Politische als Kommunikationsraum in der Geschichte“.

Mit dem Agrarinstitut (heute Russian Institute of Agrarian Problems and Informatics) der russischen Landwirtschaftsakademie wird seit 1993 kooperiert. Zwischen 1993 und 1996 wurde das von der DFG finanzierte und mit einer internationalen Konferenz verbundene Forschungsprojekt „Institutionen im Transformationsprozess der Landwirtschaft. Die historischen Beispiele Russlands und Deutschlands im Hinblick auf aktuelle Probleme“ gemeinsam durchgeführt. In Verbindung mit und im Anschluss an dieses Projekt sind Informationsreisen zu Agrarbetrieben in den neuen Bundesländern organisiert worden. Die wissenschaftlichen Kontakte und regelmäßigen Besuche werden bis heute fortgesetzt. Gegenwärtig wird an einem ein neuen Projekt zur russischen Agrargeschichte gearbeitet.