Historische Wissenschaftsforschung

Ziel der Historischen Wissenschaftsforschung ist es, die systematische Auseinandersetzung des Menschen mit Natur und Gesellschaft in ihrer geschichtlichen, kulturellen, sozialen und technischen Gebundenheit zu erforschen. Um dies zu erreichen, werden Fragestellungen und Methoden u.a. aus der Geschichtswissenschaft, der Soziologie und der Philosophie zusammengeführt. So fragen wir beispielsweise danach, wie sich die Beziehungen verschiedener Wissensformen gestaltet und verändert haben, oder auch, wie sich der besondere Status wissenschaftlichen Wissens historisch erklären lässt. Wie und wo entstand neues Wissen, wie wurde es verbreitet, anerkannt und angewandt? Aber auch: wie kam es zu seiner Ablehnung, bzw. warum geriet es wieder in Vergessenheit?

Historische Wissenschaftsforschung geht in diesem Sinne auch der Durchdringung unserer heutigen Lebenswelt durch Wissenschaft und Technik auf den Grund. Denn historische Erkenntnisse dienen der kritischen Reflexion aktueller Themen, beispielsweise der Wissensgesellschaft. In Bielefeld stellt die Historische Wissenschaftsforschung u.a. für die Wissenschaftsphilosophie, die Wissenschaftsökonomie und die Wissenschaftssoziologie eine sinnvolle Ergänzung dar. Dabei versteht sie sich als Moderator des Dialogs der Geistes- und Sozialwissenschaften mit den Natur- und Technikwissenschaften.

Themen der Historischen Wissenschaftsforschung sind die Wissensentstehung durch Beobachtung, Experiment und Theoriebildung, die Wissenschaften im Anwendungskontext oder auch die medial vermittelte Populärwissenschaft. Uns interessieren die institutionellen Orte der Wissensproduktion und -zirkulation ebenso wie ihre Praxis- und Kommunikationsformen. Die derzeitigen Bielefelder Schwerpunkte liegen in der Geschichte der Natur- und Technikwissenschaften, des Experten- und Methodenwissens und des Verhältnisses von Wissenschaft und Öffentlichkeit, sämtlich im 19. und 20. Jahrhundert.