Wilkommen, Bienvenue, Welcome - in der Bielefelder Zeitgeschichte

Was wird im Arbeitsbereich gemacht?

Im Zentrum der Forschungen des Arbeitsbereichs Zeitgeschichte stehen sechs thematische Schwerpunkte:

  • Analyse der Entstehung, Entwicklungsdynamik und Folgen Sozialer Bewegungen - verstanden als »Netzwerk von Gruppen und Organisationen, die sozialen Wandel mittels öffentlichen Protests herbeiführen, verhindern oder rückgängig machen wollen« - insbesondere der transnationalen 68er Bewegungen und ihrer Nachfolgebewegungen [u.a. der Frauen- und Hausbesetzerbewegung in Deutschland und Frankreich sowie der Autonomen] sowie der Antiglobalisierungsbewegungen von Attac bis Occupy,
  • Geschichte der Intellektuellen und der Wirkungschancen Eingreifenden Denkens von Voltaires Intervention in die Affäre Calas bis zur Gegenwart,
  • Studien zum literarischen Feld in Deutschland unter besonderen Akzentuierung der Wechselwirkungen von Politik und Literatur, d.h. bspw. der Wirkung von Veränderungen im politischen Feld auf Auseinandersetzungen im literarischen Feld einerseits sowie der Veränderung von Sicht- und Teilungskriterien der sozialen Welt durch Literatur und Theater andererseits,
  • Studien zum transnationalen Transfer von Ideen, kognitiven Orientierungen, Wahrnehmungsschemata - u.a. am Beispiel der Avantgarden und Neoavantgarden im 20. Jahrhundert
  • Studien zur Rolle der Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit ? u.a. im Mobilisierungsprozess der 68er Bewegungen und ihrer Nachfolgebewegungen oder in der Geschichte der deutsch-türkischen Beziehungen,
  • Studien zur Gewalt von politischen Gruppen und sozialen Bewegungen sowie zur Kommunikation über Gewalt im politischen Raum.

Was hat das mit der Gegenwart zu tun? Und warum ist es wichtig, gerade diese Themen zu erforschen?

Der Gegenwartsbezug und die Relevanz der Themen ergibt sich zum einen aus den - auch für die Entwicklung der Gesellschaft der Gegenwart relevanten - forschungsleitenden Fragen: Wie entsteht Kritik an der Gesellschaft, an Macht- und Herrschaftsstrukturen, an vorherrschenden Wahrnehmungsschemata oder etablierten Institutionen? Wer sind die Träger der Kritik? Welche Kontextbedingungen und Gelegenheitsstrukturen fördern die Entstehung, Diffusionschance und Wirkungsmacht von Kritik? Wie werden Zeit- und Gesellschaftskritik breitenwirksam? Welche Rolle spielt die Struktur von Ideen im Prozess der Protestformierung? Wie verändern sich Ideen im Diffusionsprozess unter veränderten Kontextbedingungen? Wie wird Kritik implementiert/exkludiert? Wann wird Gewalt zum Mittel der Kommunikation?

Ein Gegenwartsbezug resultiert zum anderen daraus, dass Zeitgeschichte sich in ihren Untersuchungen der jeweils jüngsten Epoche auf Ereignisse, Entwicklungen und Probleme bezieht, die auch Gegenstand der Erfahrung derjenigen sind, die sie bearbeiten oder derjenigen, die zeitgeschichtliche Darstellungen rezipieren. Zeitgeschichte konkurriert mit ihren Deutungen der Geschichte zudem stets mit den Darstellungen und Erinnerungen der »Mitlebenden« historischen Akteure und Zeitzeugen. Im Arbeitsbereich Zeitgeschichte gehört die Befragung von Zeitzeugen und Akteuren zum integralen Bestandteil der Forschungen (Interviews, oral history, Zeitzeugen-Workshop).

Welche Großthemenbereiche deckt der Arbeitsbereich in der universitären Lehre ab?

Angeboten werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Arbeitsbereiches Veranstaltungen zu den sechs Themenschwerpunkten sowie zur deutschen und europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts im Allgemeinen.
Kooperationsbeziehungen bestehen zum Centre de Sociologie Européenne (CSE/EHESS,Paris), zur Groupe d?Analyse Politique (GAP, Paris X) sowie zum Modern European History Research Centre (MEHRC/Oxford).

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