Medien und Medialität des Politischen
Tagung an der Universität Bielefeld
18.-19. Juli 2002
Senatssaal A 3-126
Übersicht · Programm · Tagungsbericht
Tagungsleitung:
Prof. Dr. Ute Frevert (Sprecherin des SFB 584, Teilprojekte A2 und B4)
Prof. Dr. Wolfgang Braungart (Teilprojekt A2)
Prof. Dr. Ingrid Gilcher-Holtey (Teilprojekt A5)
Prof. Dr. Hans Günther (Teilprojekt A4)
Die Tagung greift ein Kernkonzept des SFB 584 auf - das der Kommunikation.
Das kommunikative Handeln politischer Akteure ist medial bedingt und vermittelt.
Mit der Frage nach den Medien als konstitutiven Formen der Materialisierung,
Gestaltung und Ordnung des politischen Kommunikationsraumes rückt zugleich
Medialität als dessen Grundbedingung in den Blick.
Seit dem 16. Jahrhundert haben Medien in zweifacher Hinsicht einen rasanten
Bedeutungszuwachs erlebt: Zum einen ermöglichen sie die Erweiterung politischer
Kommunikation über die spezifischen Orte und Teilnehmer dieser Kommunikation
hinaus. Mit ihnen wird ein teils umgrenztes, teils allgemeines "Publikum",
eine "Öffentlichkeit" adressierbar, welche ihrerseits Informationen erhält,
die zu politischem Handeln befähigen oder davon abhalten. Medien ermöglichen
es zum anderen, gezielt in politische Debatten und Verfahren einzugreifen.
Über sie werden Informationen ausgewählt, gestreut oder vorenthalten, Zusammenhänge
hergestellt und Wertungen vermittelt. Doch auch in ihrer Eigenlogik, in ihrer
je spezifischen Technik, Materialität und Rhetorik prägen Medien die Situationen,
Formen und Regeln politischer Kommunikation. So müssen Akteure ihr politisches
Anliegen "mediengerecht" präsentieren, müssen sie Sprechweisen und Formeln
(neu) anpassen und mit den Auswahlmechanismen von Medien umgehen (die etwa
die Länge oder Kürze politischer Aussagen vorgeben).
Medien sind damit keinesfalls nur "Transportmittel" politischer Kommunikation,
sie sind umgekehrt auch nicht einfach selbst die Botschaft. Medien sind konstitutives
Merkmal dieser Kommunikation. Das Medium kennzeichnet die je konkrete Erscheinungsform
von Kommunikation im politischen Raum und prägt die expressiven ebenso wie
die symbolischen Dimensionen jener Kommunikation.
Im Einzelnen sollen auf der Tagung folgende Fragen diskutiert werden:
- Welche Art von Öffentlichkeit stellen Medien her, und wie wirkt sich
diese Öffentlichkeit auf die Arenen politischer Kommunikation aus?
- Wie wirken die außerhalb der Medien stehenden Akteure politischer Kommunikation
mit den Kommunikatoren innerhalb der Medien zusammen, und welches Wechselspiel
ergibt sich daraus?
- Welche Beziehung besteht zwischen der Reichweite von Medien und der
Dichte politischer Kommunikation?
- Welche Bedeutung haben und welchen Einfluß üben die spezifische Formsprache
der Medien und ihre internen Regeln auf die Thematisierung und Vermittlung
politischer Ziele/Konflikte aus?
- In welcher Weise beeinflußt der Institutionscharakter der Medien ihre
Eigengesetzlichkeit, und welche Folgen hat das für politische Kommunikation?
Die Beiträge thematisieren unterschiedliche Medien
vom Mittelalter bis zur Gegenwart und reflektieren die ihnen inhärenten Möglichkeiten
und Grenzen politischer Kommunikation: Welche Medien erlauben welche Formen
politischer Kommunikation (reziprok-unilinear, partizipatorisch-monopolistisch,
horizontal-vertikal)?
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