Teilprojekt A 8:

Der Wandel politischer Kommunikation durch Verfassungsumbruch - Demokratisches Denken in der Weimarer Republik (Christoph Gusy)


Die Revolution 1918 und das Inkrafttreten einer demokratischen Verfassung in Deutschland öffneten Staat und Politik für das Volk als neuen Faktor der Politik. Hatte das konstitutionelle Denken das Volk aus der Sphäre des Politischen weitgehend ausgeschlossen, so erschien eben dieses Volk nun als notwendiges, tragendes Element von Politik, Herrschaft und politischer Kommunikation. Diese Neuerung stellte sowohl die damit befassten wissenschaftlichen Disziplinen - namentlich die Rechtswissenschaft und die überwiegend von Rechtswissenschaftlern betriebene Staatslehre - als auch die politischen Parteien vor neue Herausforderungen. Sie waren durch die faktische Entwicklung genötigt, neue Leitideen und Deutungsmuster zu entwickeln. Die hier auftretenden Grundannahmen, Leitideen, Diskussions- und Rezeptionsprozesse sind bislang zwar für das "antidemokratische Denken", nicht hingegen für das "demokratische Denken" systematisch untersucht.

Bei der Deutung der neuen Rolle des Volkes im politischen Diskussionsraum entstanden mehrere zentrale Themen. Da war zunächst die Ausweitung des Politischen, insbesondere durch die Entdeckung des Volkes als konstituierenden Faktor politischer Kommunikation. Da war weiter die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer hinreichenden Komplexität der demokratischen Kommunikation einschließlich ihrer Organisationen und Ordnungen. Vereinzelt fand sich auch schon die Einsicht in die Notwendigkeit einer grundsätzlichen Neukonzeption des Politischen durch Ansätze eines kommunikationstheoretischen gefassten Politik- und Staatsbegriffs.

Ziel des Teilprojektes ist es, die verfassungsrechtlichen und -theoretischen Vorbedingungen sowie die Herausbildung demokratischen Denkens in Deutschland an vier Themenkomplexen (Pluralismusdiskussion, offener Staatsbegriff, Notwendigkeit und Grenzen politischer Führung, komplexe Organisationsstruktur der Staatswillensbildung) nachzuzeichnen und zu überprüfen. Damit sollen thematische Schwerpunkte formuliert und verifiziert werden, welche in späteren Projekten die Erforschung des gesamten demokratischen Denkens über die Staatsrechtswissenschaft und die Staatslehre hinaus ermöglichen sollen. In einem ersten Schritt erfolgen eine breit angelegte Untersuchung der Verfassungsdiskussion 1918/19 und eine umfassende Analyse aller staatstheoretischen Äußerungen in der Republik zu den dargestellten Themenkomplexen. Dabei steht die Untersuchung der Verfassungsrechtswissenschaft im Vordergrund, wobei ihre Bezugnahme auf andere wissenschaftliche Disziplinen besonders herausgearbeitet wird.


 

Tagungsbericht
zur SFB-Abschlusstagung "Writing Political History Today" (01.-03.12.2011)

Publikationen

Neu erschienen in der Reihe "Historische Politikforschung":
Susanne Schregel, Der Atomkrieg vor der Wohnungstür


Reihe "Das Politische als Kommunikation"


Reihe "Historische Politikforschung"


Weitere Publikationen

 

Flyer (PDF)

Flyer 2. Phase (PDF)

Flyer 1. Phase (PDF)