Forschungsleitende Hypothesen


  1. In ersten Forschungsergebnissen hat sich der angenommene Zusammenhang zwischen der Dichte der Kommunikation und den Grenzen des politischen Raumes als aussagestark erwiesen. Mit zunehmender Kommunikation zwischen Akteursgruppen nahmen breitere Teile der Bevölkerung am politischen Prozess teil und wurde der politische Raum über Entscheidungsprozesse und Institutionen hinaus erweitert. Deutlich wurde aber auch, dass Kommunikationsverdichtung, insbesondere durch Massenmedien, nicht notwendigerweise politisierende Effekte nach sich zog. So wurden Ambivalenzen und gegenläufige Bewegungen von Politisierung und Entpolitisierung sichtbar, die dazu auffordern, gleichgewichtig nach Grenzverschiebungen des Politischen in beide Richtungen: Inklusion und Exklusion, Politisierung und Entpolitisierung zu fragen.
  2. Zum Zweiten hat sich bestätigt, dass der Prozess der Herausbildung des Politischen in der longue durée nicht nur zur Ausdifferenzierung eines autonomen Bereichs des Politischen in der 'Sattelzeit' führte, sondern auch zum 'code switching', zur weiterhin bestehenden und oft virtuos gehandhabten Überblendung von Diskursbeständen aus einem Anwendungs- und Herkunftsbereich in einen anderen. Diese Beobachtung betrifft insbesondere die sich verändernden Grenzziehungen zwischen dem Ästhetischen und dem Politischen, dem Religiösen und dem Politischen und dem Rechtlichen und dem Politischen. War in Mittelalter und Früher Neuzeit das politisch Sagbare durch Religion, Recht und Moral relativ fest umgrenzt, wurden die semantischen und institutionellen Ordnungsgefüge, in die politische Kommunikation eingelassen war, zur Moderne hin vielfältiger, verhandelbarer und diffuser.
  3. Im Unterschied zur Vormoderne ist aber dieser Prozess in der Moderne von einer zunehmenden Dominanz und Autonomie des Politischen geprägt, was sich im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts besonders in Abgrenzung zur Religion verdeutlicht. Die Einbeziehung außereuropäischer Gesellschaften im Projektbereich B dient unter anderem dazu, die These von der relativen Autonomie des Politischen zeitlich und räumlich genauer zu fassen und zu modifizieren. Mit epochenübergreifenden semantischen Studien wird in Projektbereich A die gesellschaftliche Selbstthematisierung des Politischen stärker einbezogen. Der neue Projektbereich C schließlich untersucht mit "Gewalt" eine sich neu herausbildende Struktur des politischen Raums, das staatliche Monopol der legitimen physischen Gewaltsamkeit.

 

Tagungsbericht
zur SFB-Abschlusstagung "Writing Political History Today" (01.-03.12.2011)

Publikationen

Neu erschienen in der Reihe "Historische Politikforschung":
Susanne Schregel, Der Atomkrieg vor der Wohnungstür


Reihe "Das Politische als Kommunikation"


Reihe "Historische Politikforschung"


Weitere Publikationen

 

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Flyer 2. Phase (PDF)

Flyer 1. Phase (PDF)