Leitung:
Dr. Rainer Hülsse (TU München)
Jochen Walter (Universität Bielefeld,SFB 584, Teilprojekt B12)
Bei Interesse an der Veranstaltung oder an einem individuellen Gespräch mit Dr. Rainer Hülsse Anmeldung erbeten bei Jochen Walter: jochen.walter@uni-bielefeld.de.
Im Mittelpunkt der meisten diskursanalytisch-konstruktivistischen Ansätze in den Sozialwissenschaften steht die Untersuchung von Sprache. Viele dieser Ansätze beschäftigen sich mit der Frage, was und worüber gesprochen wird und was dieses Sprechen bewirkt. Mit der Frage, welche Diskursinhalte- oder themen sich durchsetzen und was für Bilder oder Vorstellungen dadurch konstruiert werden, operieren die meisten gängigen Ansätze jedoch weitestgehend an der Oberfläche von sprachlichen Diskursen. Die Frage, wie über bestimmte Themen und Gegenstände gesprochen wird, wurde dagegen bisher nur wenig beleuchtet.
Ganz wesentlich scheint für dieses Wie die Analyse von Metaphern zu sein, die in verschiedene Diskurse eingelagert sind und von denen - als zentrale These für unser Treffen - vermutet werden soll, dass sie nicht ein bloßes Ornat der Sprache verkörpern, sondern in Diskursen wirken und dabei helfen, Realitäten/ Wirklichkeiten zu konstruieren. Mit der Vernachlässigung dieser Analyseebene durch die meisten diskursanalytischen Ansätze geht ein ganz zentrales Moment der sprachlichen Sinngebung verloren. Dieses Defizit soll als Anlass genommen werden, eine Verquickung der beiden Analysedimensionen - dem Was (Diskurs) und dem Wie (Metaphern) des Sprechens - zur diskursiven Metaphernanalyse zu befördern.
Dass Metaphern in politischen Schriften und Reden allgegenwärtig sind, bestätigt schon ein Blick in die Tageszeitung: etwa wenn davon die Rede ist, dass die osteuropäischen EU-Beitrittskandidaten an die Türe des europäischen Hauses klopfen, dass sich Russland in dessen Vorgarten einnistet oder die Türkei sich mit einer privilegierten Partnerschaft mit der EU abfinden solle. Wie man an diesen Beispielen schon sehen kann, lässt sich die diskursive Metaphernanalyse gut für die Untersuchung der Konstruktion politischer Räume fruchtbar machen. Etwa wenn man danach fragt, welche Metaphern zur Beschreibung politischer Räume herangezogen werden: etwa politischer Raum als Gebäude oder organischer Körper.
Wie eine Untersuchung mit Hilfe der diskursiven Metaphernanalyse geplant und durchgeführt wird, welche Probleme dabei auftauchen können und wie man diese lösen kann, wollen wir mit Dr. Rainer Hülsse von der Technischen Universität München besprechen.
Rainer Hülsse hat mit seiner 2003 beim Nomos-Verlag veröffentlichten Dissertationsschrift "Metaphern der EU-Erweiterung als Konstruktionen europäischer Identität" ein vielversprechendes Konzept der diskursiven Metaphernanalyse für die Politikwissenschaft vorgelegt.
Nach einer kurzen Einführung in dieses Konzept durch R. Hülsse, soll neben der Klärung zentraler Konzepte wie Metapher, Diskurs und politischer Raum, v.a. auch die oben erwähnte forschungsalltägliche Praxis einer solchen Arbeit zum Gegenstand der Diskussion gemacht werden.
Zur vorbereitenden Lektüre empfohlen:
Hülsse, Rainer (2003): "Sprache ist mehr als Argumentation. Zur wirklichkeitskonstituierenden Rolle von Metaphern". Zeitschrift für Internationale Beziehungen 10/ 2, S. 211-246.
Zur weiteren Vertiefung:
Chilton, Paul (1996): Security Metaphors. Cold War Discourse from Containment to Common House. New York u.a.: Peter Lang, S. 13-46.