„Du musst dein Leben ändern.“
(Rilke)

„I would prefer not to.“
(Melville)

So weit die Zeitgeschichtsschreibung in den letzten zehn Jahren auch vorangeschritten ist, nicht nur in sozial- und politik-, sondern zunehmend auch in medien- und konsumgeschichtlicher Perspektive: Die Geschichte des Selbst - also die Frage, auf welche Weise sich der Selbstbezug in unterschiedlichen gesellschaftlichen Arrangements ausgestaltet - blieb insgesamt eher unterbelichtet. Dabei lassen sich vor allem im Fall der sechziger, siebziger und achtziger Jahre ebenso vielfältige wie teilweise neuartige Formen und Praktiken des Selbstbezugs historisch beobachten und kritisch befragen. Nicht nur innerhalb von Paarbeziehungen oder in Familienkonflikten, auch in religiösen oder ökonomischen Fragen, in Grundschulen und in Managerseminaren veränderten beispielsweise Therapeutisierungs- und Optimierungsprozesse den Umgang mit dem „eigenen“ Ich, den „eigenen“ Ängsten und Wünschen genauso nachdrücklich wie den Umgang mit zwischenmenschlichen Problemen und gesellschaftlichen Konflikten. Die Tagung widmet sich dieser Geschichte des Selbst am Beispiel der im weiteren Sinne westeuropäischen und im engeren Sinne westdeutschen Zeitgeschichte zwischen 1960 und 2000. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus sollen dabei die verschiedenartigen Menschenbilder, Individualitätsvorstellungen und Selbsttechniken rekonstruiert, analysiert und gesellschaftsgeschichtlich kontextualisiert werden. Im Zentrum des Interesses stehen dabei die Verflechtungen zwischen den sich wandelnden Formen und Praktiken des Selbstbezugs auf der einen und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auf der anderen Seite.


Kontakt und Anmeldung unter: koerpergeschichte@email.de