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Reinhart-Koselleck-Gastprofessur

Reinhart Koselleck gilt als einer der bekanntesten Historiker des 20. Jahrhunderts, der der Geschichtswissenschaft, aber auch anderen Geistes- und Kulturwissenschaften mit seinen Arbeiten zur Begriffsgeschichte, zur Theorie der Geschichte und zur politischen Ikonographie prägende Impulse vermittelt hat. Kosellecks Veröffentlichungen stehen für eine Geschichtswissenschaft, die die Untersuchung geschichtlicher Phänomene konsequent mit einer Reflexion historischer Grundbegriffe und Denkfiguren verbindet. Er hat auf diese Weise exemplarisch gezeigt, wie die Geschichtswissenschaft überzeugend auf ihre eigene „Theoriebedürftigkeit“ antworten kann.

In Erinnerung an die langjährige Tätigkeit Reinhart Kosellecks für die Universität Bielefeld, an deren Gründung er bereits maßgeblich beteiligt war, haben die Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie sowie das Rektorat der Universität Bielefeld die Reinhart Koselleck-Gastprofessur eingerichtet. Mit ihr werden herausragende Wissenschaftler/innen für einen Gastaufenthalt an der Universität Bielefeld eingeladen, die mit ihren Arbeiten einen erheblichen Beitrag zur theoretischen Reflexion und Weiterentwicklung der historischen Forschung geleistet haben.

Die Gastprofessur wird jährlich vergeben. Die Inhaberin / der Inhaber der Koselleck-Professur ist für einen zweimonatigen Aufenthalt an der Universität Bielefeld (während der Vorlesungszeit) in das akademische Leben der Fakultät und insbesondere des Zentrums für Theorien in der historischen Forschung eingebunden.

Aktuelle Reinhart-Koselleck-Gastprofessur

François Hartog

François Hartog wird im Oktober/November 2018 als Koselleck-Professor zu Gast in Bielefeld sein.

Er ist emeritierter Professor an der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) in Paris und studierte bei Jean-Pierre Vernant. Seine Arbeiten verbinden auf hervorragende Weise die Geistesgeschichte der Antike mit Fragen der Historiografie und Geschichtstheorie. Gerade in jüngster Zeit haben seine tiefen Analysen des gegenwärtigen Zeitverständnisses ihn zu einem der der viel diskutierten Geschichtstheoretiker gemacht. Seine Vorstellung von Zeitregimen hat eine tiefe gesellschaftspolitische Dimension, die dabei die Rolle von Geschichte und Geschichtsschreibung bedenkt. Die Freilegung eines Phänomens, das er ‚Präsentismus‘ nennt, gibt stark zu denken.

Aus seinen wichtigsten Arbeiten seien genannt:

Literatur

  • Régimes d'historicité. Présentisme et expériences du temps, Paris 2003. Englisch: Regimes of Historicity: Presentism and Experiences of Time, New York 2015.
  • Regimes of Historicity: Presentism and Experiences of Time. New York: Columbia University Press, 2015.
  • De l’histoire universelle à l’histoire globale? Expériences du temps, in: Le Débat 154 (2009), S. 53–66. Deutsch: Von der Universalgeschichte zur Globalgeschichte? Zeiterfahrungen, in: trivium 9 (2011), trivium.revues.org/4059
  • Évidence de l'histoire. Ce que voient les historiens, Paris 2005.
  • Les usages politiques du passé (hrsg. zusammen mit Jacques Revel), Paris 2001.
  • Für eine Archäologie des historischen Denkens, Jörn Rüsen (Hrsg.): Westliches Geschichtsdenken. Eine interkulturelle Debatte, Göttingen 1999, 117-126.
  • Mémoire d'Ulysse : récits sur la frontière en Grèce ancienne, Paris, 1996.
  • Memories of Odysseus: Frontier Tales from Ancient Greece. Chicago: University of Chicago Press, 2001.
  • Temps et histoire: "Comment écrire l'histoire de France?, in: Annales 50 (1995), 1219-1236.
  • Le xixe siècle et l'histoire. Le cas Fustel de Coulanges, Paris 1988.
  • Le Miroir d'Hérodote. Essai sur la représentation de l'autre, Paris 1980.
  • The Mirror of Herodotus: The Representation of the Other in the Writing of History. Berkeley: University of California Press, 1988.
  • The Invention of History: The Pre-History of a concept from Homer to Herodotus. History and Theory 39:3 (2000), 384–385.
  • Time and Heritage. Museum International 57:3 (2005), 7–18.
  • The Double Fate of the Classics. Critical Inquiry 35:4 (2009), 964–979.
  • Polybius and the First Universal History. In Peter Liddel and Andrew Fear (eds.), Historiae Mundi: Studies in Universal History. London: Bloomsbury, 2010, 30–40.
  • The Modern Régime of Historicity in Face of Two World Wars. In Chris Lorenz and Berber Bevernage (eds.), Breaking up Time: Negotiating the Borders between Past, Present and Future. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2013, 124–133.

Filme

  • Croire en l'histoire. Flammarion, 2013.
  • Partir pour la Grèce. Flammarion, 2015.
  • La nation, la religion, l'avenir : Sur les traces d'Ernest Renan. Gallimard, 2017.

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